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Kultur Leipziger und polnische Jugendliche feilen in der Villa an gemeinsamen Songs
Nachrichten Kultur Leipziger und polnische Jugendliche feilen in der Villa an gemeinsamen Songs
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13:25 21.10.2015
Deutsch-polnisches Bandcamp in der Villa. Quelle: André Kempner
Leipzig

Sieben junge Frauen und ein Mann: geballte Gesangspower. Sie rollt einem schon bei Betreten des soziokulturellen Zentrums „Die Villa“ entgegen. Man folgt ihr durch das bunte Gemäuer, vorbei an Flyerständen, durch fad belichtete Gänge und Treppenhäuser. Das Dröhnen führt in den finsteren Keller des Hauses. Man öffnet die hinterste schwarze Tür und dann sieht man sich konfrontiert mit eben jenen sieben und dem einen. Sie stehen da in einer Reihe, das sängerische Line-up – die Band dahinter –, Scheinwerfer plärren ihnen ins Gesicht, lassen ihre Haare glänzen, definieren ihr Lächeln. Und ihre Stimmen, die strahlen sowieso.

„Singin’ Together“ – so geht der Refrain, der einem irgendwie bekannt vorkommt. Die Strophen werden durchgereicht. Jeder ist mal dran, wie bei „We Have A Dream“ von Deutschlands Superstars, nur viel authentischer. Denn hier verarbeiten die Jugendlichen eine Erfahrung, die sie gerade machen: Eine Woche lang proben sie zusammen unter Anleitung professioneller Musiker, um gemeinsam eigene Songs auf die Bühne zu bringen – und auf eine CD.

Das Verrückte dabei ist, dass die Hälfte der Jugendlichen nicht aus Leipzig kommt, sondern aus dem Städtchen Swiebodzice in Polen. Darum singen manche ihre Strophe auf Polnisch, andere auf Deutsch und der Refrain ist natürlich – ganz international – auf Englisch. Das Lied basiert übrigens auf einem Hit von „Kings Of Leon“. Den Text aber haben die Jugendlichen selber geschrieben. Er handelt von der Großartigkeit der Musik, wie sie dir das Leben versüßt, wie sie Menschen zusammenführt und dass man als junger Mensch am liebsten nichts anderes tun würde.

Dann ist aber erstmal Pause, das ist wichtig. Man sieht es den Musikern zwar nicht an, aber sie proben schon seit drei Tagen von früh bis spät. Da müssen die Coaches aufpassen, dass Zeit zum Durchatmen bleibt. „Manchmal spielen sie einfach weiter. Es ist nicht leicht, sie zum Aufhören zu bewegen“, verrät Wiktor Wawrzkowicz, Musiker und Musiklehrer aus Polen. Wir sitzen jetzt vor der Bühne auf Klappstühlen. Die meisten Jugendlichen haben sich in den Caféraum nebenan verkrümelt. Da geblieben sind die Coaches und ein paar Teilnehmer.

„Da sind meine Augen feucht geworden.“

Wiktoria Smedra, eine der fabelhaften Sängerinnen, erzählt, dass sie am Anfang noch skeptisch war, ob das gut gehen kann: Menschen aus zwei Nationen sollen einfach so zusammen Musik machen. Die meisten sprechen nicht mal die Sprache des anderen. „Aber es hat funktioniert! Wir haben uns kurz kennengelernt, miteinander gejammt und nach drei Minuten stand schon ein Song. Das hat mich so berührt, da sind meine Augen feucht geworden.“

Mittlerweile schwappt aus dem Caféraum Musik heraus. Die jungen Musiker halten nicht viel von Pause. Sie spielen Gitarre und singen lauthals ein Lied von der Bloodhound Gang. Musikalisch müssen sie gar nicht viel lernen. Wenn die Coaches doch einen Song anders spielen würden, behalten sie es für sich. „Unsere Aufgabe ist, die Jungs und Mädels zu unterstützen“, sagt Ian Cox, Sänger der Leipziger Band Cox & The Riot. „Wir geben ihnen das Gefühl, dass sie etwas können, dass jeder wertvoll ist. Jeder Mensch hat etwas zu sagen, nur manchmal trauen sie sich eben nicht.“ – „Außerdem müssen wir Coaches verschiedene musikalische Niveaus verbinden“, trägt Bartek Wawrzkowicz bei. Dann schwärmt er von Einheit und Harmonie.

Aus dem Raum nebenan tönt jetzt Adeles „Rolling in the Deep“. Ein letzter Blick hinein: Da stehen vier Musiker am Kicker, der Rest drängelt sich um einen Tisch. Zwei hauen ordentlich in die Saiten ihrer Gitarren, alle singen. Ian schüttelt lächelnd den Kopf. Es ist eine Sucht, was soll man dagegen machen ...

Bandcamp-Konzert und Open Mic, Mittwoch, 20 Uhr, Villa (Lessingstraße 7). Die Jugendlichen proben noch bis Donnerstagabend in Leipzig, im Februar reisen die Leipziger für Teil zwei des Bandcamps nach Swiebodzice. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und das Leipziger Jugendamt fördern das Projekt.

Von Felicitas Förster

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