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Kultur Leipzigs Kreativwirtschaft wächst – Kontaktstelle zur Stadtverwaltung eingerichtet
Nachrichten Kultur Leipzigs Kreativwirtschaft wächst – Kontaktstelle zur Stadtverwaltung eingerichtet
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15:25 17.02.2011
Leipzig

Um die Kreativen zu unterstützen, hat das Aufbauwerk der Stadt eine eigene Kontaktstelle eingerichtet. Doch auch die Kreativwirtschaft organisiert sich immer professioneller.

Dass die Kreativwirtschaft viel Potential birgt, darüber herrscht im Moment große Einigkeit. „Das Ganze wird gerade ziemlich gehypt, jede Stadt will sich damit profilieren“, sagt Carolin Demus vom Aufbauwerk Leipzig. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie 20 Stunden in der Woche als Projektmitarbeiterin in der neu eingerichteten Kontaktstelle Kreativwirtschaft bei der stadteigenen Gesellschaft.

Zur Branche der Kreativwirtschaft werden insgesamt elf unterschiedliche Teilmärkte von der Software-Entwickung, Werbung, Presse und Musikwirtschaft bis hin zur Architektur gezählt. In Leipzig stechen nach Angaben von Demus vor allem die Bereiche Medien, Design und Musik hervor.

Demus sieht sich selbst als Vermittlerin zur Verwaltung „Ich arbeite auch als eine Art Dolmetscherin, weil die Kreativen und die Behörden oftmals nicht dieselbe Sprache sprechen“, so die Projektmitarbeiterin des Aufbauwerkes. So macht sie die kreativen Unternehmer auf Angebote der Wirtschaftsförderung der Stadt aufmerksam, organisiert den Erfahrungsaustausch unter ihnen und hält jeden Mittwoch eine Sprechstunde im Stadtteilladen „Leipziger Westen“ ab.

Doch auch die Leipziger Kreativwirtschaft organisiert sich immer besser. Die Graphikerin Stefanie Bamberg hat im Frühjahr vergangenen Jahres die Internetplattform Kreatives-Leipzig.de gestartet, auf der sich Interessierte austauschen können. Für Bamberg ist die Kreativwirtschaft in Leipzig offen für alle Bereiche. „Wir zählen eigentlich alle Macher dazu, die ihre Ideen umsetzen und damit Geld verdienen wollen“, sagt Bamberg. Die größten Potenziale sieht sie in Leipzig bei der Softwareentwicklung und in der Werbebranche.

Bambergs Urteil über die Zusammenarbeit mit der Leipziger Stadtverwaltung fällt durchwachsen aus. „Das Amt für Wirtschaftsförderung hört uns sehr genau zu, hier kommt man uns praktisch mit offenen Armen entgegen“, sagt sie. Von anderen Ämtern und der Rathausspitze würde sie sich jedoch mehr Verständnis für die Bedürfnisse kreativer Kleinstunternehmen wünschen. „Bürokratische Kredit- und Fördermittelanträge machen uns oft das Leben schwer“, so Bamberg. „Aber das geht sicherlich nicht nur uns so.“

Auch die Vernetzung in der realen Welt schreitet weiter voran. Ausgehend von Bambergs Internetplattform hat sich inzwischen der Verein Kreatives Leipzig gegründet, der seit Februar monatlich an wechselnden Orten die Podiumsdiskussion „Le Klub Analog“ zu den unterschiedlichen Teilbereichen veranstaltet. Der nächste Veranstaltung findet am 14. März zum Thema Design in der Leipzig School of Design statt.

Andere Städte sind zum Teil schon einen Schritt weiter und haben direkt bei der Stadtverwaltung die Stelle eines Beauftragten für Kreativwirtschaft geschaffen. Sebastian Dresel ist seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres der Beauftragte für Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Mannheim. Nach seiner Einschätzung braucht die Branche nicht nur die übliche Wirtschaftsförderung. „Wir müssen bei Verbänden und Unternehmern vor allem die Bedeutung der Kreativwirtschaftaft herausstellen“, so Dresel. Sie sei eben nicht nur ein weicher Standortfaktor, der die „richtige Wirtschaft“ anlocken soll, sondern schaffe selbst viele Arbeitsplätze.

Durch seine Besuche der Leipziger Pop-Up-Messe kennt der ehemalige Pop-Beauftragte der Stadt Mannheim auch die hiesige Szene. „In Leipzig gibt es viele Leute, die mit Engagement aus sich selbst heraus etwas auf die Beine stellen“, so Dresel. In der Außenwahrnehmung sei die Stadt seiner Meinung nach jedoch zu sehr auf klassische Musik verengt. „Leipzig hat noch sehr viel mehr zu bieten als Bach“, sagt der Beauftragte für Kreativwirtschaft. Gerade die Pop-Up-Messe könnte noch stärker unterstützt werden: „Leider unterliegt die Leipziger Stadtverwaltung hier noch dem typischen Kurzschluss, dass sie eine Institution nicht mehr fördern muss, nur weil sie sich bereits etabliert hat.“

Die Stadt Leipzig hat unterdessen begonnen, die Kreativwirtschaft wissenschaftlich zu erfassen. So hat sie die Studie Medien- und Kreativwirtschaft Leipzig in Auftrag gegeben, für die seit Anfang Februar Fragebögen an Leipziger Kreative versandt werden. Die Ergebnisse der Studie sollen Mitte des Jahres vorliegen.

Link:

kreatives-leipzig.de

Jan Iven

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