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Kultur "Leise ist viel schwerer als laut": Selig-Schlagzeuger Stephan Eggert im Interview
Nachrichten Kultur "Leise ist viel schwerer als laut": Selig-Schlagzeuger Stephan Eggert im Interview
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18:30 21.08.2014
Künftig wollen sie nicht mehr so hetzen: Christian Neander, Malte Neumann, Jan Plewka, Stephan Eggert und Lenard Schmidthals (von links). Quelle: Thomas Rabsch

Vielleicht zum letzten Mal. Im Interview verrät der 1967 in Neubrandenburg geborene und bei Hamburg aufgewachsene Schlagzeuger, dass Selig im Studio zur Zeit leichtere Töne anschlagen, zur Not auch mal mit Essstäbchen.

Das Motto der Selig-Jubiläumstour heißt "Mit neuen und alten Liedern, in ungewöhnlichen Gewändern". Was heißt das genau?

Wir wollen die Zeitspanne von 1994 bis jetzt, also bis zum letzten Album "Magma" abbilden und haben dafür auch Lieder ausgegraben, die wir schon lange nicht mehr gespielt haben. Deshalb proben wir gerade auch dauernd, was wir normalerweise gar nicht so gerne tun. Wenn man die Songs im Studio entwickelt und aufnimmt, muss man sie vor Konzerten gar nicht noch mal auffrischen.

Wie kann man sich die "ungewöhnlichen Gewänder" vorstellen?

Damit sind wir eigentlich noch gar nicht so weit. Die Zeit war zu knapp. Wir nehmen ja gerade unsere neue Best-Of-Platte mit dem Produzenten Swen Meyer auf. Im Oktober geht unsere Tour weiter, und da wollen wir schon versuchen, mit den Live-Shows dem Sound der neuen Platte gerecht zu werden.

Swen Meyer hat zuletzt große Erfolge als Produzent von Tim Bendzko gefeiert. Welchen Sound versprecht ihr euch von ihm?

In diese kommerzielle Ecke ist er ja eher aus Versehen gerutscht. Wir kennen Swen aber schon ganz lange, haben ihn gefragt, ob er Lust hätte, und er hat sich Zeit für uns freigeschaufelt. Dann hat er wahr gemacht, was er uns von Anfang an angedroht hatte: Er wollte nicht den typischen Selig-Sound. Er sagte: Stimme weiter nach vorne, Musik ein bisschen runterdampfen, eher ein Klavier statt einer Orgel nehmen, eher Akustikgitarre als verzerrte Elektrische. Das wird sehr besonders. Das hat mich total geflasht.

Alle Selig-Mitglieder verfolgen Neben­projekte. Sie reichen von Jan Plewkas Interpretation von Schuberts "Winterreise" bis hin zu deinen Tourneen als Schlagzeuger von James Last. Wirkt sich das auch auf Selig aus?

So was bereichert einen und macht den Horizont ein bisschen weiter, aber es beeinflusst unsere Musik mit der Band nur indirekt. Bis jetzt hat Jan jedenfalls nicht versucht, Winterreise-artig zu texten, James Last schleppe ich da auch nicht mit rein. Allerdings waren wir schon mal knapp davor, mit einem Arrangement von ihm aufzutreten, bei Stefan Raabs Bundesvision-Songcontest. James wollte es für uns schreiben, wir hätten auf richtig dicke Hose gemacht. Aber dann wurde die Show verschoben, und es ist leider nicht dazu gekommen.

Wo liegt für dich als Schlagzeuger der Unterschied zwischen Selig und James Last?

Bei James Last gibt es ja nicht den klassischen Bigband-Sound, wo man zwei Stunden lang irgendwelche Swing-Stücke spielt. Er hat ein Riesenspektrum von Walzer bis zu Christina Aguilera. Man muss da sehr viel Dynamik bewältigen, mal ganz leise spielen und dann wieder reinknüppeln. Und dieses dynamische Spiel kommt mir jetzt in der aktuellen Arbeit mit Selig wieder zugute. Früher hieß es: Alle Verstärker auf elf, und wir brettern ab wie die Verrückten. Jetzt haben wir die Lieder teilweise so unglaublich leise aufgenommen, dass ich die Hi-Hat mit Essstäbchen spielen musste.

Mit richtigen Essstäbchen?

Jaja, mit denen vom Chinesen. Swen meinte irgendwann: Das ist mir noch nicht fein genug, geht das noch leiser? Und ich sagte: Nein, geht nicht. Er sagte: Gut, dann nimm mal das hier! Und er hat mir so ein Paar Essstäbchen gereicht. Dann durfte man in dem Raum nicht mal mehr husten, weil die Mikros so derbe aufgerissen waren, dass einem sonst unterm Kopfhörer die Ohren geplatzt wären. Leise Schlagzeug zu spielen, ist eben viel, viel schwerer als laut.

Selig, Samstag, 20 Uhr, Bühne im Clara-Zetkin-Park (Karl-Tauchnitz-Straße 28 / Rennbahnweg), Karten im Vorverkauf für 35.45 Euro unter anderem in den LVZ-Geschäftsstellen und im LVZ-Media-Store in den Höfen am Brühl

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2014

Ralf Krämer

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