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Licht aus, Spott an: Ilja Richter mit der "40 Jahre Disco-Jubiläumstour" in der Arena Leipzig

Licht aus, Spott an: Ilja Richter mit der "40 Jahre Disco-Jubiläumstour" in der Arena Leipzig

Für fast jeden Künstler kommt irgendwann der Moment, in dem er seinen Stern sinken sieht. Meist zieht man sich dann dezent zurück und widmet sich einem bürgerlichen, von üppigen Tantiemen finanzierten Leben.

Leipzig. Die ganz Mutigen aber wagen sich aus der Versenkung wieder auf die Bühne. Ein gutes Beispiel für letztere stellt Ilja Richter dar, der am Mittwochabend - zumindest nach offiziellen Angaben - immerhin 1500 Besucher zur "40 Jahre Disco-Jubiläumstour" in die Arena lockte.

Auf der Leinwand laufen die ZDF-Bilder von damals, als das Haar des Moderators noch voll und dunkel war. Ergraut und etwas eingefallen steht er daneben und versucht, die Erinnerungen an früher, die Zeit von Clogs, Schlaghosen und Flokatiteppichen, zu reaktivieren. Das gelingt ihm in vorwiegend schlecht inszenierten Kaskaden aus Namedropping und Song-Schnipseln mit selbstironischer Note nur partiell. In der Pause hört man irritierte Besucher ihre Begleitung fragen: "Willst du noch länger bleiben?"

Richter veranstaltet ein großes Spektakel, das einem recht simplen Schema folgt. Er seufzt und kalauert viel, stimmt die alten Gassenhauer an, die er über ein paar teilweise selbst erdachte Textzeilen rettet und heimst damit "Ach ja, das war schon was, damals"-Sympathien ein. Danach übergibt er an zwei nett anzusehende Tänzerinnen und seine Showband Nightfever, die in schrillen Outfits den musikalisch vitalen Part abhandelt und den jeweiligen Song beendet. An der Musik selbst lässt sich wenig aussetzen, nicht ohne Grund waren Lieder wie "I Will Survive", "Staying Alive" und ähnliches zu ihrer Zeit Hits. Darüber allerdings, ob diese als peinliche Kostümpartys heute noch zelebriert werden müssen, ließe sich streiten. Jedenfalls kündigt Richter singend an, auf nur mittelbegeisterte Rezensionen mit "Kung Fu Fighting" zu reagieren. Inwiefern dies aber tatsächlich als Drohung aufzufassen ist, scheint angesichts der stimmlichen wie körperlichen Verfassung mancher seiner von ihm präsentierten Original-Stars von damals fraglich.

Sally Carr etwa, Sängerin von Middle of the Road, präsentiert "Chirpy Chirpy Cheep Cheep" mit Gipsbein an Krücken. Obwohl man weder Leidenschaft noch Gemeinschaft sieht und bisweilen ein Playback herbeiwünscht, jubelt die ­Menge. Selbiges geschieht bei Sänger Harpo, der mit "Moviestar" bekannt wurde und dies natürlich auch darbietet. Zwar scheint er die 70er bekleidungstechnisch überwunden zu haben und pendelt nun zwischen Niki Lauda und einer Gaddafi-ähnlichen Fantasieuniforn - dass aber vier Dekaden an einer Stimme nicht spurlos vorbeigehen, scheint dem Schweden niemand gesagt zu haben. Zu sehr knarzt es immer wieder, wenn jedes Lied ein Intervall weiter oben in die Verlängerung geht.

Wer den Vogel gänzlich abschießt, ist Chris Andrews. Der sang seinerzeit "Yesterday Man" und zeigt während seines Auftritts nun die beliebtesten ­Tanz-Evergreens: den Buslenker, den Lasso-Schwinger oder auch die lustige Dampflok. Nach dem enthusiastischen ­Lockern der Krawatte geht er hingebungsvoll in die Knie, um dann lachend festzustellen, dass er nur schwer wieder hochkommt. Spätestens da zeigt sich, dass eine 10- oder 20-Jahre-Disco-Jubiläumstour möglicherweise auch ausgereicht hätte.

Theresa Wiedemann

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