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Liszt als Europäer und „Pop-Phänomen“ in Weimar gefeiert

Liszt als Europäer und „Pop-Phänomen“ in Weimar gefeiert

Weimar. Verneigung vor Franz Liszt: Als großer Musiker und Europäer wurde der Klaviervirtuose, Komponist und Visionär Franz Liszt zu seinem 200. Geburtstag in Weimar geehrt.

Liszt sei bis heute in jeder Hinsicht ein europäisches Ereignis, sagte Bundespräsident Christian Wulff am Samstag bei einem Festakt im Deutschen Nationaltheater. „Die Kultur ist es, die Europa letztlich verbindet.“ Ihre Brückenfunktion sollte nicht unterschätzt werden. Liszt bezeichnete der Bundespräsident als „Auftrittskünstler“, der zu seiner Zeit die Konzerthäuser in Österreich, Italien, Frankreich, Ungarn oder Russland füllte. „Ein Pop-Phänomen geradezu.“

Er habe aber auch zum Rang Weimars als „Hauptstadt des deutschen Geistes“ beigetragen. Wulff dankte Thüringen, das dem Musiker ein Themenjahr mit rund 200 Veranstaltungen gewidmet hat, das noch bis Ende Oktober läuft.

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) wertete das Liszt-Jahr mit bisher mehr als 75 000 Besuchern als Erfolg und versicherte, dass Thüringen sich dem kulturellen Erbe Liszts (1811-1886) weiterhin verpflichtet fühle. „Seine Musik wurde zur „Weltliteratur in Tönen““, sagte Lieberknecht. Der Komponist hatte Weimar, wo er seine wichtigsten Werke schrieb und große Teile seines Lebens als Kapellmeister verbrachte, nach der Goethe-Ära zu neuer Blüte verholfen.

Weimars Kunstfest-Intendantin und Ururenkelin von Liszt, Nike Wagner, sagte, „wir feiern mit ihm eine Geisteshaltung und ein Kunstverständnis, das unsere Weltoffenheit herausfordert“, aber auch „unsere Integrationsfähigkeiten auf die Probe stellt“. Für sie charakterisiert das Wort „Grenzüberschreitung“ Liszt am besten.

Wagner sprach von einem beispielhaften Engagement Thüringens im Liszt-Jahr. Nicht ohne Ironie fügte sie hinzu: „Wo die Evaluierungskommission der Klassik-Stiftung im Jahr 2006 noch erwogen hatte, den Liszt-Nachlass abzustoßen, steht Liszt heute gleichsam mit Goethe und Schiller auf dem Sockel dieser Stadt als Dritter im Bunde, und seine Musik ergießt sich über das Land.“

Er sei „aus seiner notorischen Unterschätzung - zumindest zeitweise - herausgeholt worden. „Dazu können Jubiläen helfen“, sagte Wagner. „Eine Franz-Lisztisierung würde unserer Welt gut tun - vorläufig wären wir aber auch mit einer kulturellen Thüringisierung der übrigen Bundesländer zufrieden.“

In Weimar schrieb Liszt unter anderem zwölf sinfonische Dichtungen - eine für die damalige Zeit avantgardistische Verbindung von Wort und Musik. Inspiriert von der deutschen Klassik entstanden etwa die „Faust-Sinfonie“ und „Prometheus“. Aber auch Enttäuschungen brachte der Aufenthalt in der Thüringer Stadt. Aus der von ihm erhofften Goethe-Stiftung wurde ebenso wenig etwas wie ein Festivalhaus für die Opern seines Schwiegersohnes Richard Wagner - das später in Bayreuth entstand.

Thüringen hat Liszt eine Landesausstellung gewidmet. Das Liszt-Museum in seinem Wohnhaus am Ilmpark wurde saniert. Liszt war am 22. Oktober 1811 in Raiding im ungarischen Teil des österreichischen Kaiserreichs geboren worden. 1886 starb er in Bayreuth.

dpa

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