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Kultur Literatur statt Brandsätze: Leipziger Initiative entwickelt sich zum Erfolgsmodell
Nachrichten Kultur Literatur statt Brandsätze: Leipziger Initiative entwickelt sich zum Erfolgsmodell
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14:34 02.11.2017
Anna Kaleri hat die Initiative ins Leben gerufen.  Quelle: privat
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Leipzig

 Als in Sachsen immer wieder rechte Übergriffe auf Flüchtlinge Schlagzeilen machten, startete die Leipziger Autorin Anna Kaleri die ehrenamtliche Initiative „Literatur statt Brandsätze“. Lesungen sollten überall im Freistaat positive Zeichen setzen und zum Dialog einladen. Ein halbes Jahr später hat sich die Spontanidee als Erfolgsmodell entpuppt. Im Gespräch mit LVZ.de zieht Anna Kaleri Bilanz – und erklärt, warum die Initiative möglicherweise bald endet.

Torgau, Freital, Bautzen, Delitzsch – der Terminkalender von „Literatur statt Brandsätze“ ist voll. Warum hat die Idee, über Lesungen in der Region einen positiven Dialog über Freiheit, Demokratie und Toleranz anzustoßen, so gut funktioniert?

Anna Kaleri: Es ist umwerfend, wie sich das Ganze entwickelt hat, sozusagen von Null auf Hundert. Die Veranstaltungen sind dann rundum gelungen, wenn Autoren und Veranstaltungsbesucher wirklich in einen lebendigen Austausch treten. Literatur bietet Anregung, Spiegelung, fördert Empathie und Eigenständigkeit des Denkens. Solche Faktoren bilden den Hintergrund für eine ausgewogene Gesellschaft. In der Initiative stehen die literarisch vermittelten Themen im Zentrum, das Erzählen, Tasten, Fragen - keine Statements. Außer natürlich dem, das vom Namen „Literatur statt Brandsätze“ ausgeht.

Wie schwer war es, Veranstalter etwa in Freital oder Bautzen zu finden – Orte, die wegen fremdenfeindlicher Proteste und Übergriffe Schlagzeilen gemacht haben?

An jedem Ort, an dem negative Energien walten, gibt es die positiven Gegenkräfte. Aus Bautzen hatten sich sehr früh potenzielle Veranstalter gemeldet, dort gibt es dieses Jahr auch die ersten Bautzener Demokratietage. Und zu einer ganz besonderen Veranstaltung, einem Theaterstück im Bus, das unsere Autorin Maja Das Gupta vermittelt hat, ist sogar der Oberbürgermeister gekommen. Er hat den Kindern die Wichtigkeit des Dialogs nahegelegt. Aus Freital hatten wir gleich drei Anfragen, aus Zeitgründen wird es nun wohl nur eine Lesung werden, die aber ganz toll: Christian Fuchs liest an einem Gymnasium aus „Geheimer Krieg“. Manche Orte taten sich ein wenig schwer, so etwa im Erzgebirge und Vogtland, aber da gibt’s jetzt erste Kontakte.

Gab es jemals eine Situation, in der sich Autoren nicht sicher gefühlt haben bei einer Lesung?

Nein, bisher nie. Unser Ansatz ist nicht konfrontativ und ruft daher keine Rechten auf den Plan.

Welches Publikum konnte die Initiative erreichen?

Je nach Thema sehr unterschiedlich - und auch das ist schön. Als besonders fruchtbar empfinde ich Lesungen an Schulen, weil man dort auf einmal sehr viele Menschen erreicht, zumal solche, die im Meinungsbildungsprozess stecken, und über sie auch ein wenig die Eltern. Wenn ein Schüler zu Hause erzählt, dass da ein toller Autor an seiner Schule war und dass das etwas mit Literatur gegen Brandsätze oder so zu tun hat, dann sind kleine Impulse gesetzt.

Fast 60 Autoren haben sich zur Verfügung gestellt, darunter Josef Haslinger, Jaroslav Rudiš, Henner Kotte oder die Beinert-Schwestern. Wie sieht das Feedback aus: Warum kommt die Initiative bei den Autoren so gut an?

Ich war überrascht über die umwerfende Resonanz unter Kollegen und ich rechne es jedem hoch an, der für die Initiative eine Lesung ohne Honorar und mit höherer organisatorischer Selbstbeteiligung anbietet. Es ist ein Demokratisierungsprozess für alle: Die Veranstalter können sich aussuchen, wer zu ihnen passt. Die Abläufe sind für mein Empfinden ein bisschen persönlicher als bei institutionell geförderten Veranstaltungen. Von den Autoren und Autorinnen hab ich noch niemanden erlebt, der einzig wegen der PR dabei ist. Sie stehen zu der Idee, dass Literatur Anlass für Gespräch sein soll, ein Gespräch auf Augenhöhe.

Jetzt geht die Aktion in den Endspurt: Warum läuft die Initiative nur bis zum Oktober

Das hatte persönliche Gründe. Als ich Ende Februar den Aufruf startete, musste klar sein, dass es sich um ein endliches Projekt handelt, damit ich danach wieder zum Schreiben zurückkehren kann. Nun wird die Initiative so gut angenommen und manches entwickelt sich jetzt erst richtig, dass es schade wäre, an dieser Stelle aufzuhören und auch all das, was meine beiden Mitstreiterinnen und ich an Erfahrungen gesammelt haben, aufzugeben. Auf längere Sicht ist aber vor allem das Ehrenamt nicht haltbar, das es ja bisher war. Und natürlich sollte das eigene Schreiben Raum haben. Wir sind gerade dabei herauszufinden, in welcher Form es ab nächstem Jahr zusammen gehen kann.

Alle Infos: www.literatur-statt-brandsaetze.de

Von Evelyn ter Vehn

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