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Locarno 2010: Deutsches Kino setzt Glanzpunkte

Locarno 2010: Deutsches Kino setzt Glanzpunkte

Der einmalige Zauber des Internationalen Filmfestivals von Locarno begeistert auch in diesem Jahr wieder Filmenthusiasten aus aller Welt: Mehr als achttausend Zuschauer genießen allabendlich die Freiluftaufführungen der 63. Ausgabe des Festivals auf der mittelalterlichen Piazza Grande.

Locarno. Unterm Flimmern der Sterne feiert die Lust am Kino bis zum 14. August ein wahres Fest am Lago Maggiore in der Schweiz.

Das deutsche Kino setzte mit der Uraufführung der französisch-deutschen Koproduktion „Au Fond des Bois“ von Regisseur Benoît Jacquot gleich zur Eröffnung am Mittwochabend einen kraftvollen Akzent. Die außerhalb des Wettbewerbs gezeigte düstere Ballade erzählt eine auf Tatsachen beruhende Geschichte um sexuelle Hörigkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit seinen oft gewaltgeladenen Szenen ist der vor allem durch atmosphärisch dichte Bilder beeindruckende Film typisch für das bisherige Festivalprogramm.

Auch im internationalen Wettbewerb, in dem 18 Filme um die begehrten Silbernen und Goldenen Leoparden konkurrieren, dominierten in den ersten Tagen harte Filme voller Brutalität und Sex. Aus dem Angebot ragt bisher die serbisch-deutsch-schwedische Gemeinschaftsproduktion „Beli beli svet“ von Regisseur Oleg Novkovic heraus. Mit bewundernswertem Mut zu Pathos beleuchtet Novkovic das Leben einer Gruppe von Menschen in einer heruntergekommenen Minenstadt in Serbien. Der Einsatz von Musik und Gesang fern folkloristischer Routine gibt dem Drama um Inzest und Mord eine fast antike Wucht und mitreißende Emotionalität. Der Film erhielt außerordentlich starken Beifall und gilt vielen als ein erster Anwärter auf einen der Preise des Festivals.

Der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Im Alter von Ellen“ von Regisseurin Pia Marais fesselt vor allem durch die Präsenz von Hauptdarstellerin Jeanne Balibar. Sie fasziniert als nicht mehr junge Stewardess, die ihrem Dasein durch einen radikal neuen Lebensweg endlich Sinn verleihen will. Mit ihrer minimalistischen Darstellung einer Frau in einer existenziellen Krise gibt die in ihrer Heimat Frankreich vielfach ausgezeichnete Schauspielerin dem spröden Film eine packende Authentizität.

Mit besonderem Interesse wurde „LA. Zombie“ (Deutschland/ USA/ Frankreich) des Kanadiers Bruce LaBruce erwartet. Mit dem als Pornodarsteller bekannten Franzosen François Sagat in der Hauptrolle erzählt der Underground-Regisseur die krude Story eines außerirdischen Zombies, der durch Sex Tote erweckt. Der wegen pornografischer Szenen erst für Zuschauer ab 18 Jahre freigegebene Film war vorab als Kandidat für einen Skandal gehandelt worden. Der blieb aus - das Publikum reagierte überwiegend gelangweilt.

Den größten Publikumszuspruch von den außer Konkurrenz gezeigten Filmen fand bisher die isländische Komödie „Kings Road“ mit dem deutschen Schauspieler Daniel Brühl in einer der Hauptrollen. Auch Regisseurin Valdis Óskarsdóttir erzählt vom Leben Armer und Ausgestoßener. Sie tut dies mit erfrischendem Humor, der bei allem skurrilen Witz den Ernst der Geschichte nie zudeckt. Dafür gab’s donnernden Beifall auf der Piazza Grande von Locarno. Gut möglich, dass die hintersinnige Komödie den durch eine Umfrage ermittelten Publikumspreis erringt. Auch er wird, wie die Leoparden, am 14. August verliehen.

Peter Claus

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