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Maler Bernhard Heisig wünscht sich eine gesamtdeutsche Kunstschau

Maler Bernhard Heisig wünscht sich eine gesamtdeutsche Kunstschau

Die fehlende Anerkennung für DDR-Künstler und ihre Werke nach der Wende kann er bis heute nicht akzeptieren: Der Maler Bernhard Heisig wird auch nicht mit der Milde seines 85. Geburtstags am Mittwoch 31. März damit fertig.

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Der Maler und Grafiker Bernhard Heisig kann die fehlende Anerkennung für DDR-Künstler und ihre Werke nach der Wende bis heute nicht akzeptieren.

Quelle: dpa

Strodehne. Ihm selbst, dem letzten Überlebenden der Leipziger Schule mit den Künstler-Kollegen Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, ist Zeit seines Künstlerlebens zwar Anerkennung gezollt worden. Doch vielen anderen ist nach seiner Ansicht die versagt worden.

Heisig, der heute in dem kleinen brandenburgischen Ort Strodehne an der Grenze zu Sachsen-Anhalt lebt, geht in der beschaulichen Landschaft seiner Kunst nach. Er malt – wie sein Leben lang – jeden Tag einige Stunden. Im Rollstuhl sitzt er vor der Staffelei und arbeitet an den Themen, die ihn nicht loslassen. Die eigene Vergangenheit und die Erfahrungen als junger Mann im Zweiten Weltkrieg sind Wunden, die bei ihm nicht verheilten. „Konfliktsituationen und das Verhältnis von Täter und Opfer bleiben immer mein Thema“, sagt Heisig. Das sei nie aufzuarbeiten. Dokumentationen im Fernsehen über den Zweiten Weltkrieg und heutige kriegerische Auseinandersetzungen erinnerten ihn an lang zurückliegende Erlebnisse.

Heisig wird als sehr guter realistischer Zeichner geachtet. „Dafür habe ich in der DDR das geeignete Klima gefunden“, sagte er. Und gibt unumwunden zu: „Ich habe wenig Beziehung zur abstrakten Malerei.“ Mit dieser Art der Malerei könne er nicht die Themen verwirklichen, die ihm auf der Seele brennen.

Er erzählt in seinen Bildern von den Ereignissen der Pariser Kommune oder zeigt seine brennende Geburtsstadt Breslau. Wut, Trauer, Schmerz, Angst und Tod lassen den Betrachter kaum los. Er sei ein „pessimistischer Optimist“, beschreibt er seinen Stil.

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Hans-Werner Schmidt, Museumsdirektor des Museums der bildenden Künste Leipzig, betrachtet "Gestern und in unsrerer Zeit" von Bernhard Heisig (Archivbild vom März 2005).

Quelle: Volkmar Heinz

Heisig beschäftigt sich heute zum Beispiel mit Porträts: Fontane, Bach und Goethe, aber auch mit dem Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg. Vielfältige Motive bietet auch die umgebende Havellandschaft. Er malt nicht mehr so detailgetreu wie früher, sagt seine Frau und erste Kritikerin, die Malerin und Grafikerin Gudrun Brüne. Sie bemerkt auch stärkere Farben in seinen Bildern, wo früher mehr dunkle und graue Töne vorherrschten. „Es wirkt ungeheuer kraftvoll“, schätzt die Künstlerin ein.

Sie weiß, dass ihr Mann Perfektionist durch und durch ist. Legendär sind seine Einsätze in Ausstellungen, wo er bei bereits abgelieferten Werken noch einmal Hand anlegte und Korrekturen auf die Leinwand brachte.

Der wichtigste Repräsentant der DDR-Kunst, der die Kriegserfahrungen als junger Mann verarbeitete, musste sich nach der Wende Vorwürfen zu seiner Rolle in der DDR stellen. Das SED-Mitglied wird 1961 Professor und Rektor der Kunsthochschule Leipzig, 1964 aber abgesetzt wegen Kritik an der Kulturpolitik der SED. 1976 kehrt er für gut zehn Jahre an die Leipziger Hochschule zurück. Er erhält zwei Nationalpreise der DDR - mit der Wende gibt er die zurück und tritt aus der SED aus.

Der Auftrag des Kulturbeirates des Deutschen Bundestages 1997/98 zur Ausgestaltung der Cafeteria im neuen Parlament entfacht eine Kampagne gegen den in Ost und West anerkannten Künstler, der 1986 ein Porträt des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) malte. Heisig muss sich Vorwürfen zu seiner Vergangenheit stellen. Doch obwohl er sich als 17-Jähriger freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte, hält der Kulturbeirat an ihm als Künstler für diese Arbeit fest.

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Professor Bernhard Heisig bei einer Ausstellung seiner Werke im Musuem der bildenden Künste Leipzig im Jahr 2005

Quelle: Volkmar Heinz

Heisig sah das auch als Anerkennung der Leistungen ostdeutscher Künstler. Im vergangenen Jahr war es für ihn unbegreiflich, dass nach seiner Meinung das Schaffen von DDR-Malern bei der umstrittenen Ausstellung „60 Jahre. 60 Werke“ ausgegrenzt wurde. „Ich wünsche mir, das man sich endlich mal gegenseitig anerkennt“, sagt der Künstler. Die heutigen Erfolge der Neuen Leipziger Schule mit Protagonisten wie Neo Rauch wären ohne die Arbeit der Alten Leipziger Schule und der folgenden Künstlergeneration nicht möglich gewesen. Sein Wunsch heute: „Eine gesamtdeutsche Kunstausstellung.“

Gudrun Janicke, dpa

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