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Kultur Maler Wolfgang Böttcher - einer, der das Leben durch Arbeit genießt
Nachrichten Kultur Maler Wolfgang Böttcher - einer, der das Leben durch Arbeit genießt
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23:59 09.09.2014
Von Reiner Richter
Wolfgang Böttcher (Archivbild) Quelle: Wolfgang Zeyen

Oder auch das ganz alltägliche Original von nebenan. Heute: der Maler und Grafiker Wolfgang Böttcher

Leipzig. Eigentlich ist Wolfgang Böttcher (Jahrgang 1948) seit einigen Monaten im Rentenalter. Aber zur Ruhe setzen, nein, das käme für ihn nicht in Frage. "Wenn man diesen Beruf ergriffen hat, gibt es das nicht. Man genießt das Leben durch die Arbeit", sagt der Maler und Grafiker mit einem Lächeln im Gesicht. Der Absolvent der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), einer der Mitakteure von Werner Tübkes Panoramabild in Bad Frankenhausen, gehört zu den agilsten Meistern der mittleren Generation. Über Jahrzehnte in Gohlis wohnend, prägt er das geistig-kulturelle Klima in Leipzigs Norden mit.

Seine Gemälde und Grafiken sind deutschlandweit in Museen und Galerien zu finden. Mit seiner Frau Brigida und Gleichgesinnten hat er vor 24 Jahren den Kunstverein Pikanta gegründet, der zuerst im Viertelsweg mit der Pikanta-Galerie ansässig war. Dann ging es 1995 in der Lützowstraße, wo er im Schatten des Bahnhofs Gohlis ein vielfältiges aktivierendes Kulturleben bietet. "Leider mussten wir unsere Galerie aufgrund eines Brandschutz-Gutachtens schließen. Aber mit Hilfe der nicht weit entfernten Galerie Bösenberg haben wir zweimal im Jahr eine neue Ausstellungsmöglichkeit gefunden", erzählt der Künstler. Dies sei ein großartiges Angebot und auch eine anspornende Herausforderung. Aber alle anderen Aktivitäten für Jung und Alt finden weiterhin im ehemaligen VTA-Klubhaus statt, das ursprünglich einmal den Namen Villa Hilda trug.

Die Böttchers wohnen derweil seit einigen Jahren am Rande des Leipziger Zentrums. "Pikanta bedeutet für uns Poesie, Kreativität und Begegnung mit Menschen, die Kunst machen und Spaß an der Kunst haben. Unsere Wohnung steht für Welthaltigkeit, die immer an Bahnhöfen tobt, und unser Kunstgarten in Muschwitz bietet Poesie und Grün und ist der Arbeitsplatz, das Atelier", umschreibt Wolfgang Böttcher seine drei Lebensmittelpunkte.

Obwohl er und die Gattin eigentlich alljährlich mit Interessenten zwei Wochen Kunst in Italien entdecken, wurde in diesem Jahr die Reise ausgelassen. "Meine Frau und ich haben den Auftrag, die 7. Triennale Sachsen-Anhalt Süd zu kuratieren. Die Ausstellung ,Alles im Fluss' wird am 13. September im Schloss Neu-Augustusburg, Weißenfels, in der Schlosskirche eröffnet. Es sind 22 Künstler aus dem Saale- und dem Burgenlandkreis sowie zwei Art-Gäste aus den angrenzenden Leipzig und Halle beteiligt", sagt er.

An dieser Schau werden die beiden bekannten "Altmeister" Gerald Müller-Simon (Jahrgang 1931) aus Leipzig und Uwe Pfeifer (1947 Jahrgang) aus Halle teilnehmen. Beide Maler und Grafiker sind berühmt für ihre Stadtlandschaften, die nun mit den Werken der im Umfeld von Halle, Zeitz, Naumburg und Weißenfels beheimateten jüngeren Kollegen zu sehen sein werden. "Wir haben den Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Provinz und Großstädten, zwischen Stadt und Land gelegt, wozu das Zusammenspiel zwischen selbstgeschaffenem ,Paradies' für Arbeit und Leben sowie Austausch, Neugier auf Kunstentwicklung in den beiden angrenzenden Metropolen dazu gehört. Die Ausstrahlung beider Kunsthochschulen, der HGB in Leipzig und Burg Giebichenstein in Halle, die das Schaffen ihrer Absolventen prägen, ist wichtig. Letztendlich aber kommt es auf spannende, interessante Arbeiten an, die in Mitteldeutschland entstehen", umschreibt der Mit-Kurator das Konzept.

Da sich viele der Ausstellenden privat aus ruinösen Anwesen ein Paradies zum Leben und Arbeiten geschaffen haben, werden sie im Katalog nicht vor der Staffelei oder in der Werkstatt, sondern in ihrem Umfeld vorgestellt. "Damit wollen wir erreichen, dass Leipziger und Hallenser, die die Ausstellung ,Alles im Fluss' besuchen, animiert werden, diese Kunstrefugien zu besuchen."

Für Wolfgang Böttcher, der jüngst gemeinsam mit Ehefrau Brigida eine Exposition im Kulturhistorischen Museum in Merseburg hatte, bedeutet die Triennale, das eigene Wirken ein wenig zurückzustellen. Im Herbst wird er mit Kollegen in Frankfurt/Oder auf Kleists Spuren wandelnd an Druckgrafiken und Kupferstichen arbeiten.

Momentan druckt er den Kupferstich für die Teilnahme an der Grafikbörse in der Messestadt. Dann findet gerade das jährliche Sommer-Art-Pleinair statt. Diesem folgen intensive Vorbereitungen für die Ausstellung im November in der Galerie Bösenberg in Leipzig. Zur Ruhe setzen? Welch infantile Idee!

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2014

Rolf Richter

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