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Kultur Mandate im Lostopf - Zukunft im Leipziger Schauspiel vorweg genommen
Nachrichten Kultur Mandate im Lostopf - Zukunft im Leipziger Schauspiel vorweg genommen
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17:57 12.04.2015
Das Publikum wählt sich eine Regierung. Mit"Preenactment Europe" war die Berliner Performance-Gruppe Interrobang in der Residenz des Schauspiels zu Gast. Quelle: Rolf Arnold

Aus Reenactment wird Preenactment. "Preenactment Europe" heißt das interaktive Stück, das am Freitag und Samstagabend in der Residenz des Schauspiels Leipzig gastierte.

Die Grundaufstellung: Die gegenwärtigen Parteien haben sich überlebt. Neue Konzepte stehen zur Wahl. Die Europäische Schwarm-Union (Nina Tecklenburg), die Lottokratie (Till Müller-Klug) und die Posttraumatische Immunion (Lajos Talamonti) buhlen um die Gunst der Wähler. Mit Konzepten, deren Schlagwörter und Phrasen post-nationale Unbeschwertheit suggerieren, aber äußerst vage bleiben. Da wird die Lottokratie noch am konkretesten: Ein Drittel aller Mandate werden verlost zur Erhöhung der sozialen Mobilität.

Zu sieben Politikfeldern nehmen die Kandidaten abwechselnd Stellung. Man kennt das vom Kanzlerkandidaten-Duell. Wie wollen die Parteien Wirtschaft, Verkehr oder Flüchtlingsdruck in Zukunft lösen? Das sind die harten Themen. Es wird aber auch esoterischer: "Sound" lautet eine Überschrift, "Feste" die nächste. Von "Euro-Gebietstauschbörsen" über "Life-Sharing" bis zur Verlosung von Vermögen oberhalb einer Freigrenze reichen die Konzepte. Das Publikum wählt die jeweils sympathischste Idee. Am Ende stellt die Europäische Immunion die erste Regierung.

So weit so witzig, satirisch und kurzweilig. Weil es Schlag auf Schlag geht, die Performer spontan agieren und die Ideen zwar häufig absurd anmuten, mitunter aber charmante Grundgedanken enthalten. Und weil natürlich, wie in der richtigen Politik, jeder seine Idee isoliert darstellt. Konkrete Auswirkungen, Schwierigkeiten der Umsetzung, das wird beherzt weggelassen.

Holpriger gerät der zweite Teil der Zweistunden-Performance. Die Zeit der Versprechen ist vorbei. Es wird regiert und das ist schwieriger, als Konzepte zu formulieren. Die Spielleiterin entwirft Krisenszenarien. Die Regierungspartei sucht Lösungen - darf aber nur innerhalb des zuvor entworfenen Programms agieren. Auf eine Nuklearkatastrophe mit gemeinsamen Singen zu reagieren, das klingt dann doch etwas obskur. Kalkuliert ist es natürlich. So entstehen Möglichkeiten für die Opposition, Neuwahlen zu fordern und an die Macht zu gelangen.

Eine Demokratie-Performance, die neugierig macht auf die kommende Produktion von Interrobang in Kooperation mit dem Schauspiel. Am 11. Juni ist in der Residenz Premiere von "To Like or Not to Like", ein Big-Data-Spiel über die digitale Erfassung des Menschen und deren Folgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.04.2015

Dimo Rieß

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