Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Massenhysterin: 19. Krippenspiel von Olaf Schubert und Freunden in Leipzig

Massenhysterin: 19. Krippenspiel von Olaf Schubert und Freunden in Leipzig

Was gibt es nicht alles gegen die kleinen und die großen Wehwehchen? Eine Pille hiervon, einen Schluck davon - die Palette medizinischer Heilmittel ist unerschöpflich.

Voriger Artikel
"Danke, Xavier": Gregor Meyle im ausverkauften Haus Leipzig
Nächster Artikel
Überlebenslieder mit Georgette Dee und Terry Truck im Leipziger Schauspielhaus

Olaf Schuberts Krippenspiel im großen Hörsaal an der Jahnallee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das haben sich Olaf Schubert und seine Kumpanen zu Herzen genommen und im alljährlichen Krippenspiel im großen Hörsaal des Campus Jahnallee thematisiert. Am Samstagabend präsentierten sie "Jesus in der Heilandstalt", weitere ausverkaufte Aufführungen folgen Montag und Dienstag. Dann wird Olaf Schubert erneut vom Mahner zum Heiler, in Gestalt des Jesu.

Schubert, wie eh und je im Kult-Pullunder mit gelb-grün-schwarz-roter Rauten-Optik zugegen, erblickt nach einer unbefleckten Empfängnis das Licht der Welt. Seine Eltern, Josef, im rosafarbenen Tüll als "Ballertineur", und Maria, im blauen Alt-Weiber-Kleid, setzen dies auch bildlich um. Sie brauchen sich bloß zu umarmen und schon betritt der Erzengel die Bühne und möchte die frohe Botschaft der Messias-Geburt verkünden.

Schubert alias Jesus wächst unter der Willkür seiner Oma Maria (Klaus Magnet) auf, weil der etwas schwuchtelige Vater Joseph (Jochen Barkas) es vorzieht, den lieben langen Tag umher zu ziehen und Ballett zu tanzen. Schon früh muss das Jesuskind daher Verantwortung übernehmen und im Unternehmen der Eltern mithelfen. Um nicht Judas IV - das humorvolle Pendant zum Arbeitslosengeld II - beantragen zu müssen, führt die Familie eine Heilandstalt. Ob Alkoholiker, Borderliner oder Suizidgefährdeter, sie alle möchten dort geheilt werden. Und Olaf scheut sich nicht, selbst Hand anzulegen, um die Geplagten von ihren Leiden zu erlösen.

So begab es sich zu jener Zeit, dass die drei Heiligen Könige aus dem Morgenland bei der Heilandstalt einkehrten. Da Oma und Joseph gerade zu einem pharmazeutischen Kongress aufgebrochen sind, treffen die Könige Jesus allein an. Caspar, Melchior und Balthasar brauchen Hilfe, es handle sich um einen Notfall, was Schubert alias Messias trocken mit "Einen? - Ich seh hier eher drei" quittiert. Jeder von ihnen bringt seine Befindlichkeiten mit sich. Dem ersten tut der Arm weh, der zweite leidet an Burn-Out, und der dritte stottert.

Für den kranken Mohren initiiert Jesus ein mystisches Heil-Spektakel. Hinter dem Vorhang gestikuliert Schuberts Schatten wie wild, Hexen-Sprüche erfüllen den Raum. Als Melchior wieder vor das Publikum tritt, hat sich sein Gesicht komplett gewandelt. Er trägt eine Maske mit einem überdimensionalen Lächeln. Auch die Gestik des "Pigmentgesegneten" - wie Schubert ihn bezeichnet - parodiert eher den weltlichen König unserer Zeit namens Barack Obama.

php65bc9f022e201412142123.jpg

Leipzig. Was gibt es nicht alles gegen die kleinen und die großen Wehwehchen? Eine Pille hiervon, einen Schluck davon - die Palette medizinischer Heilmittel ist unerschöpflich. Das haben sich Olaf Schubert und seine Kumpanen zu Herzen genommen und im alljährlichen Krippenspiel im großen Hörsaal des Campus Jahnallee thematisiert. Am Samstagabend präsentierten sie "Jesus in der Heilandstalt".

Zur Bildergalerie

Jesus' Anfrage nach einem Honorar für seine Dienste prallt an den drei Reisenden ab. Auch wenn Schubert alias Messias darauf hinweist, der Gesetzgeber verpflichte ihn nunmal dazu, dafür Geld zu verlangen, ist seine Intention nicht rein altruistischer Natur. So empört er sich auch, als die Fremden nicht bezahlen möchten, weil sie Könige sind. Eine Heilandtüte im Jutebeutel, Willkommensgeschenk für Jesus, gibt es dann doch noch, auch wenn sich der Gottessohn lieber "lüsterne Sklavinnen aus Reudnitz" gewünscht hätte.

Wie jedes Jahr kulminiert das Krippenspiel in einem amüsanten Abendmahl sowie Jesu Kreuzigung, bei der anfangs ein paar Haken zu viel am Kreuz sind. Wegweisend sind dieses Mal jedoch die Kuriositäten, die das Gesundheitssystem im wahren Leben offenbart. Da ruft beispielsweise ein Patient an und wird zuerst befragt, ob er privat versichert sei. Als das bejaht wird, ist die Behandlung plötzlich doch möglich. Die Konkurrenz ist um keinen Deut besser. Die Bestatter verlangen von der Heilandstalt, "knick-knacks" einen Totenschein auszustellen. Wie durch flachsige Zauberhand gelingt es Schubert alias Messias, die totgeglaubte Patientin mit Hilfe spontan ausgesprochener Geistesblitze zu heilen.

Oma Maria repräsentiert im Stück den Typus der Schulmedizinerin. Einem Patienten der Heilandstalt verschreibt sie da schon einmal, natürlich nur ausnahmsweise, bis zu 15 verschiedene Mittelchen pro Tag. Histamin, Aspirin und Co. sind bei ihr Medikamente für die Masse. So verspottet die Oma Jesu Hände als "Wichsgriffel" und glaubt nicht an deren Heilungskraft. Homöopathie stellt für Schubert aber auch keine Alternative zur Medizin dar. So trifft die Kritik vor allem kapitalistische Pharmakonzerne, die mit ihren "Placebo"-Produkten "aus Übersee" den Menschen zu einem "Schluckvieh" verkommen lassen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.12.2014

Melanie Steitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr