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Matthew Holmes sammelt für einen Ned-Kelly-Western

Crowdfunding-Aktion Matthew Holmes sammelt für einen Ned-Kelly-Western

Die Zeit drängt. Bis zum 30. Juni, 9 Uhr, wollte der australische Regisseur Matthew Holmes eigentlich 2,5 Millionen Australische Dollar für sein ehrgeiziges Kinoprojekt „Die Legende des Ned Kelly“ eingesammelt haben – als Crowdfunding-Aktion. Wenn nicht noch der große Geldregen fällt, wird das Projekt auf Eis gelegt.

„Die Legende des Ben Hall“ (Australien, 2016) von Matthew Holmes - mit Jack Martin als Ben Hall (l.) und Jamie Coffa als John Gilbert.

Quelle: Verleih

Leipzig. Die Zeit drängt. Nein, sie drängelt bereits. Bis zum 30. Juni, 9 Uhr, wollte der australische Regisseur Matthew Holmes eigentlich 2,5 Millionen Australische Dollar für sein ehrgeiziges Kinoprojekt „Die Legende des Ned Kelly“ eingesammelt haben – als Crowdfunding-Aktion bei Kickstarter. Die Aktion begann am 24. Mai – und wird ihr Ziel wohl verfehlen. Wenn nicht noch der große Geldregen fällt. Bis gestern früh nämlich hatten 373 Unterstützer lediglich 113 420 Australische Dollar zugesagt.

Vor drei Jahren reichte diese Summe noch, um den ersten Streich von Matthew Holmes zu starten: „Die Legende des Ben Hall“. Der begann mit einem 25-minütigen Kurzfilm und endete in einem bildgewaltigen, 140-minütigen Epos. Eine Erinnerung an den Buschranger Ben Hall (1837–1865), der mit seiner Bande gut 600 Überfälle beging, aber selber dabei nie irgendjemanden erschoss. Ein Robin Hood der Provinz New South Wales, der Wohlhabenden nahm und Armen gab. So wurde er zur Legende – und zum Kinostoff. Mit rauschhaften Landschafts-Panoramen folgt Matthew Holmes diesem Ben Hall, der vor der polizeilichen Verfolgung nach Amerika fliehen will, sich noch einmal mit Ex-Bandenmitglied John Gilbert und dem Teenie John Dunn zusammentut und eine Serie von letzten Überfällen auf Postkutschen beginnt. Da läuft 1864/1865 allerdings so einiges schief. Als erst Gilbert, dann John Dunn Polizisten erschießen, droht dem Trio, für vogelfrei erklärt zu werden. Ben Hall stirbt allerdings zuvor, durchlöchert von über 30 Kugeln, durch Verrat in einem Hinterhalt.

Die wunderbar getragene, melancholische „Legende des Ben Hall“ lebt von der genauen historischen Rekonstruktion der letzten Monate im ziemlich kurzen Leben des Outlaws, seiner Liebe zu seinem kleinen Sohn und dem Schmerz um den Verlust seiner Frau, die mit einem Ex-Freund und Trinker zusammenlebt. Ganz großes Western-Kino, das sich nicht hinter John Hillcoats Meisterwerk „The Proposition“ (2005) verstecken muss und hierzulande wieder einmal nur auf DVD zu erleben ist.

Nachdem „Die Legende des Ben Hall“ weltweit in 22 Länder verkauft war, verfolgte Matthew Holmes umso intensiver seinen Plan, eine Anthologie über Buschranger zu drehen. Der nächste Film sollte „Die Legende des Ned Kelly“ werden. Dafür wurde die Crowdfunding-Kampagne gestartet. Weitere Film um Frank Gardiner (2020) und John Vane (2021) sollten folgen. „Die Legende von Ned Kelly“ hatte die besten Chancen, ins Kino zu kommen. Er war schlichtweg der bekannteste der Buschranger. Immerhin gibt es bereits Tony Richardsons Ballade„Ned Kelly, der Bandit“ (1970), in dem Mick Jagger bodenständig und widerborstig den jungenhaften, irischstämmigen Rebellen als Jesse James von Australien rockte, und „Gesetzlos“ (2003) mit Heath Ledger als eher sanftem, romantischen Helden.

Die Geldsammlung sollte nun einer historisch exakten Ned-Kelly-Geschichte den Weg ebnen. Matthew Holmes: „Wir wollen endlich die wahre Geschichte Ned Kellys auf die Leinwand bringen, ohne all die Mythen, die sich darum ranken. Die wahre Geschichte ist weit faszinierender als all die erfundenen Adaptionen.“ Für diesen ultimativen Ned-Kelly-Film wird es nun jedoch sehr eng. Dabei lockte die Kampagne mit allerlei Vergünstigungen. So gibt es für 25 Dollar bereits eine Drehbuch-PDF und ab 35 Dollar eine DVD des fertigen Films. Die Angebote für Beteiligungen reichen bis zum Setbesuch oder einem Kurzauftritt. Die Namensnennung der Sponsoren im Ben Hall-Abspann dauert jedenfalls gefühlt eine halbe Ewigkeit.

Bekannt wurde das Crowfunding fürs Kino in Deutschland, als der Finne Timo Vuorensola für seine SF-Satire „Iron Sky“ (2012, Nazis haben auf der Nachtseite des Mondes überlebt) 900 000 Euro einsammelte. Das Budget lag am Ende dann bei 7,5 Millionen – und das weltweite Einspiel bei acht Millionen Dollar. Sollte Ned Kelly nicht seine 2,5 Millionen erreichen, wird er auf Eis gelegt. Was sehr schade wäre.

www.kickstarter.com

Von Norbert Wehrstedt

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