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Matthias Oldag: ?Mozart ist ohnehin das Größte?

Matthias Oldag: ?Mozart ist ohnehin das Größte?

In der nächsten Woche feiert in der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Wolfgang Amadeus Mozarts '"Zauberflöte" Premiere. Regie führt Matthias Oldag, der sich am Institut ums Szenische kümmert.

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Matthias Oldag (r.) bei der Probe.

Quelle: HMT

Peter Korfmacher sprach mit ihm.

Frage: Erstmals findet in diesem Jahr die große Opern-Produktion der Hochschule früher im Semester statt. Warum?

Matthias Oldag: Mitte Mai ist einfach günstiger: Wir kollidieren nicht mehr mit dem Bachfest und auch nicht mehr mit der Prüfungszeit der Studenten. Als Preis mussten wir mit den Proben früher anfangen, in den Semesterferien also. Aber das ist es wert.

Können Sie die Zauberflöte von der Königin der Nacht bis zum Sarastro komplett mit Studenten besetzen?

Oh ja! Problemlos. Jede Rolle ist doppelt besetzt, wir haben sogar drei Paminen. Weil alle drei so gut waren, dass wir es nicht übers Herz gebracht hätten, eine außen vor zu lassen. Und ich dachte zwar zunächst, einen Sarastro würden wir niemals finden, aber auch da haben wir gleich zwei. Es ist jedes Jahr das Gleiche: Wenn sie vorsingen, denkt man, nun ja, wird gehen, muss ja gehen. Aber mit den Proben werden sie immer besser, sind am Schluss beeindruckend gut.

2013 ist Wagner- und Verdi-Jahr, und sie machen Mozart...

Derlei dramaturgische Erwägungen stehen bei einer Hochschulproduktion nicht an, von Wagner wäre allenfalls "Das Rheingold" gegangen, aber das macht ja gerade die Oper, und wo hätte man das riesige Orchester unterbringen sollen? Über Verdi haben wir kurz nachgedacht: "Traviata", aber darin gibt es zu wenige dankbare Rollen, "Fallstaff" wäre gegangen. Nun ist es Mozart geworden. Wir sind ein Ausbildungsinstitut, und Mozart ist ohnehin das Größte.

Und das Schwierigste?

Wenn man anfängt, ist es erstmal furchtbar.

Warum?

Es hat ja alles schon gegeben. Jeder weiß, wie "Die Zauberflöte" geht, wie man sie singen, wie sie klingen muss, selbst bestimmte Gesten sind mittlerweile kanonisch.

Und wo positionieren Sie da Ihre Zauberflöte?

Es ist eine Hochschul-Produktion. Darin spielen junge Leute gleichsam sich selbst. Für uns ist es ein Initiationsstück, ein Stück über das Erwachsen-, Selbstständig-, Eigenverantwortlichwerden. Es geht um überkommene Welten, um die der Königin der Nacht, die dringend der Auffrischung bedarf, das Paralleluniversum Sarastros, das an seiner Traditionsverehrung, seiner Erkenntnissuche, seiner Frauenfeindlichkeit leidet. Beide sind dem Untergang geweiht.

Ist das bei Mozart so angelegt?

Mozart schrieb vor allem traumhafte Musik, und in der ist jede Wahrheit. Der Text dagegen ist eindeutig: Schikaneders Drastik lässt kaum Fragen unbeantwortet über die Grausamkeit der beiden Reiche und ihrer Protagonisten. Darauf stoßen junge Leute mit demokratischem Selbstempfinden, die keine ideologische Gesellschaft mehr erlebt haben. Sie sehen und staunen, wie Gesellschaft auch funktionieren kann, was Selbstverantwortung bedeutet.

Ist "Die Zauberflöte" in der heutigen Studenten-Generation noch präsent?

Unbedingt. Gerade darum muss man so viel erklären. Die Texte sind so präsent wie "Hänschen klein, ging allein", das ist so eingeschliffen, dass niemand darüber nachdenkt, was er da eigentlich singt.

Sie inszenieren seit Jahrzehnten, waren Intendant in Altenburg/Gera, doch diese Hochschul-Produktion ist Ihre erste "Zauberflöte" - warum?

Wenn man sich mit einem solchen Werk befasst, muss man eine Aussage machen. Mit allgemeiner Innigkeit und Keinem-weh-tun ist es nicht getan. Meine Aussage passt besonders gut zur Hochschule. Und die Bedingungen sind fabelhaft: Alle Partien mehrfach besetzt, ein 28-köpfiger Chor, sogar zwei Orchester - das ist besser als an jedem kleinen oder mittleren Theater.

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte, 11.-15.5., jeweils 19 Uhr, Grassistr. 8, Großer Saal; die Premiere ist eine Benefizveranstaltung der Leipziger Stadtbau AG. Alle Erlöse kommen der Stiftung der Hochschule zugute. Karten zu 25 Euro, ermäßigt: 20/15 Euro, alle anderen Aufführungen 12/9 Euro, unter Tel. 03412144-615 (Mo-Fr 13-15 Uhr).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2013

Peter Korfmacher

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