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Maultrommeln, Weltmusik und 4000 Besucher beim Ancient-Trance-Festival

Maultrommeln, Weltmusik und 4000 Besucher beim Ancient-Trance-Festival

4000 Festivalbesucher zog es am Wochenende zum sechsten Ancient-Trance-Festival nach Taucha. Mehr als 30 Bands und Künstler sorgten mit meditativen Schwingungen und packenden Beats für Ekstase.

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Oliver Klimt lässt eine Maultrommel brummen.

Quelle: André Kempner

Taucha. "Die geht ab wie Schmidts Katze", schwärmt Martin Hüttel, steckt sich seine soeben erstandene Maultrommel zwischen die Lippen und zupft wild drauf los. Es ist das dritte Modell, das sich der 56-Jährige am Samstag gekauft hat. Für das Ancient Trance ist er extra aus der Eifel angereist. "Dort bin ich mit meinen Maultrommeln ein Exot, aber das Festival hier ist echt der Hammer!"

Das Tauchaer Festival dreht sich rund um die Maultrommel - gleich mehrere Stände bieten sie feil. Ein permanentes Zirpen herrscht im Zelt von Oliver Klimt, wo Martin Hüttel seine Instrumente gerade gekauft hat und Besucher Maultrommeln aus aller Herren Länder in verschiedenen Formen und Farben ausprobieren. Der Verkauf liefe gut, die Nachfrage sei "exorbitant", freut sich Oliver Klimt. Der 34-Jährige erklärt, dass der besondere Klang durch die Obertöne entsteht, die mit dem Mund und der Atmung modelliert werden. "Die Maultrommel ist ein sehr körperliches Instrument, das für viele verschiedene Musikstile geeignet ist." Für die zierlichen Brummeisen greifen manche Liebhaber tief in die Tasche: Zwischen zwei und 169 Euro lassen sie am Stand des Tauchaers springen.

Magdalene Schlenker, Sprecherin des Ancient Trance, sagt, dass die Maultrommel zwar das Herz des Festivals sei, aber vor allem die ursprüngliche Art des Zelebrierens von Musik mit traditionellen Instrumenten im Vordergrund stehe. "Das Besondere dabei sind die natürlichen Tonalitäten mit ihren Obertonschwingungen, die beispielsweise auch beim Didgeridoo oder beim Obertongesang erzeugt werden." Bei neueren Instrumenten wie dem Klavier fehle dieses Spektrum an Tönen. "Es entsteht Musik, die Trance erzeugt und uns in andere Bewusstseinszustände bringt, ohne dass wir uns mit irgendetwas zuknallen müssen", ergänzt die 31-Jährige und lacht. "Es gibt zwar keine DJs, aber man kann trotzdem abhotten wie blöde."

Wie mitreißend diese Schwingungen sein können, ist unterdessen im Schlosshof zu erleben. Dort bringt Yogev Haruvi aus Israel auf gleich drei Didgeridoos und mehreren Trommeln die Festivalbesucher in Erregung. Unity and love - Einheit und Liebe sei das Wesen seiner Musik, sagt er. Mit seiner Kunst möchte er eine Verbindung zwischen den Menschen schaffen.

Auch Mohammad Reza Mortazavi bringt die Festivalbesucher zum Schwitzen. An den traditionellen persischen Handtrommeln Daf und Tombak erzeugt der Iraner atemberaubende Rhythmen, Melodien und Klangfarben. "Ich versuche, einen gemeinsamen Puls mit dem Publikum zu finden", sagt der 34-Jährige über seine Musik. Mit einer virtuosen Intensität versetzt er die Festivalbesucher in Trance, er hat sie voll im Griff, sie gehorchen nur noch seinen Grooves. Seit zwölf Jahren lebt der Musiker in Deutschland, es ist nicht sein erster Auftritt auf dem Ancient Trance. "Mir gefällt an dem Festival vor allem, dass man sich hier so frei fühlt", schwärmt er.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist die Band Tamikrest aus Mali am Samstagabend. Mit ihrem Mix aus traditionellen afrikanischen Klängen und westlicher Rockmusik liefert die Tuareg-Gruppe ein ganz besonderes Klangerlebnis. Der behäbige Rhythmus und die mantrischen Melodien, die sich ohrwurmartig wiederholen, verbinden sich zu einem Wüstenblues, der die Liebe zu den unendlichen Weiten der Sahara und zum Leben zum Ausdruck bringt. In den Texten geht es aber auch um die Situation der Tuareg, die Perspektivlosigkeit der Jugend und die verlorene Kultur. Die Bandmitglieder haben Anfang der 90er Jahre den Bürgerkrieg miterlebt, bei dem sie Angehörige und Freunde verloren. Ihr Publikum wiegt sich andächtig im fesselnden Wüstentakt und vergisst die Schauer, die ab und an vom Himmel kommen.

Dass Tamikrest ihren Weg von Mali nach Taucha fanden, ist dem vergleichsweise hohen Budget zu verdanken, das dem Maultrommelverein, der das Festival veranstaltet, für die Musiker zur Verfügung steht. "Die Organisatoren arbeiten ehrenamtlich. Deswegen können wir auch tolle Bands einladen", sagt Festivalsprecherin Magdalene Schlenker. Doch ihr kommt es vor allem auf das Miteinander und das Persönliche an. Überall auf dem Gelände am Schöppenteich wimmelt es von Kindern, es gibt Spielecken und Hängematten. "Hier feiern liebevolle Menschen, man guckt in freundliche Gesichter. Wer das einmal erlebt hat, kommt wieder und bringt Freunde mit."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2013

Felix Forberg

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