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Kultur "Meine Tochter liebt Motown" - Heike Makatsch hat Kinderlieder-CD aufgenommen
Nachrichten Kultur "Meine Tochter liebt Motown" - Heike Makatsch hat Kinderlieder-CD aufgenommen
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23:06 03.01.2010
Heike Makatsch nd ihr Lebensgefährte Max Schröder haben eine Kinderlieder-CD aufgenommen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Im Interview spricht sie über die Psychologie alter Kinderlieder sowie das, was Kinder heute an Musik anziehend finden.

Wenn man als Erwachsener Dingen aus der Kindheit nachspürt, beschleicht einen oft ein seltsames Gefühl. Plötzlich sieht man das Alte mit neuen Augen. Ging es Ihnen bei diesen Kinderliedern ebenso?

Heike Makatsch: Ja und nein. Als die Idee für diese CD aufkam, schwirrten die Lieder bereits wieder bei uns im Haus herum, weil meine Tochter sie hörte. "Der Kuckuck und der Esel" oder "Wenn ich ein Vöglein wär" waren ohnehin niemals raus aus meinem Kopf. Du singst oder hörst das vielleicht nicht, wenn du als Erwachsener noch keine Kinder hast. Trotzdem sind diese Lieder ein Teil von mir und tief in meiner Erinnerung verankert.

Wird einem die Traurigkeit von Liedern wie "Wenn ich ein Vöglein wär" als Erwachsener eher bewusst?

Ich glaube, dass ich die Traurigkeit auch im Alter von sieben oder acht Jahren schon begriffen habe. Dass es in "Ade zur guten Nacht" um Abschied geht. "Horch was kommt von draußen rein" hat mir meine Oma immer vorgesungen. Da hatte ich immer schon das gebrochene Herz vor Augen. Einen Beobachter, der durch die Gardinen guckt und darum trauert, dass sie ihn nicht mehr sieht.

"Wenn ich ein Vöglein wär" ist um 1800 entstanden. Hat man Kindern damals einfach mehr Melancholie zugemutet oder zugestanden?

Ich bin mir nicht sicher, ob solche Lieder ursprünglich als Kinderlieder gedacht waren. Es waren wohl oft einfach nur Lieder, die sich im Laufe der Zeit als Kinderlieder etabliert haben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kinderlieder zu singen?

Die Idee kam vom Diogenes-Verlag, wo das "Große Liederbuch" erschienen ist. Die wollten etwas zur Jubiläumsausgabe machen und fragten mich. Es war eine vage Idee damals. Als ich das Liederbuch durchblätterte, schlugen sofort viele Erinnerungen bei mir an. Auch bei uns lag dieses Buch früher zu Hause herum. Mein Vater spielte Gitarre und ich sang dazu. Die Illustrationen von Tommi Ungerer hatte ich ebenfalls noch vor Augen. Ich wollte die Lieder trotzdem so singen, dass sie auch nach mir klingen. Mir fiel ein, dass ich ja den Musiker im Haus habe. Max fand die Idee ebenfalls gut, war aber nicht so geschult in Sachen Kinderlieder wie ich. Doch es hatte auch seinen Vorteil, weil er deshalb sehr frisch und unvoreingenommen an das Projekt herangegangen ist.

Gibt es für den Musikgeschmack von Kindern eigene Regeln?

Ich glaube nicht, dass Kinder nur Kindermusik verstehen. Unsere große Tochter mag die Beatles sehr gerne oder Robbie Williams, also einfach emotionale Popmusik. Meine Tochter liebt Motown, weil das einen Superbeat hat und total nach vorne losgeht. Man kann dazu hüpfen und tanzen. Es gibt keine Notwendigkeit für quietschigen Schlumpfgesang und dergleichen. Trotzdem - wenn wir ein Kinderkarussell besteigen, läuft da meist eine Musik, die ist schlimmer als jede Zuckerwatte. Aber manche Menschen denken ja auch, dass Kinder nur Zuckerwatte mögen. Als müsse jeder Geschmack mit dem krassesten, grellsten Signal reingedrückt werden. Doch Kinder verstehen auch andere Geschmäcker, wenn man sie ihnen nahe bringt - sei es beim Essen oder der Musik.

Wird bei Ihnen zu Hause viel über Musik diskutiert oder redet man mehr über Schauspielerei?

Ich glaube, fast mehr über Schauspielerei. Die Musik ist mehr sein Ding und er will das gar nicht so verkopfen.

Sind Sie jemand, der sich analytische Gedanken über Musik macht? Jemand, der über Musik diskutiert oder liest?

Ich denke, dass ich ein musikhistorisches Wissen habe, das zumindest bis in die 50er-Jahre reicht. Es ist nicht so, dass ich die Musik wirklich analysieren könnte, dazu fehlt mir die Ausbildung. Aber geschmäcklerisch kann ich dazu schon etwas sagen, auch historische Querverbindungen und Einflüsse erkennen.

Woher kommt das bei Ihnen? Die Musik-Nerds der Teenie und Twen-Tage waren doch zumeist Jungs?

Ja, ich hatte früher auch meistens Jungsfreunde. Dazu war ich ziemlich aktiv in der Mod-Szene, da ist ein gutes Musikwissen natürlich wichtig. Die 60er-Jahre waren für uns damals sehr prägend. Von da aus habe ich mich in Sachen Musikwissen bis ins Jetzt vorgearbeitet.

Wenn man das erste Stück "Der Kuckuck und der Esel" auf Ihrer CD hört, könnte man meinen, Hildegard Knef zu hören. Hat Sie diese Filmrolle als Sängerin so sehr geprägt?

Tatsächlich kann man das bei diesem einen Stück besonders gut heraushören. Für die "Hilde"-CD habe ich wie noch nie zuvor an meiner Stimme und meinem Ausdruck gearbeitet. Es kann sein, dass davon etwas hängen geblieben ist. Dazu kommt, dass beim "Liederbuch" die Texte ebenfalls sehr geschliffen und prononciert sind. Man kann dieses Material nicht einfach so verhuscht oder vernuschelt heruntersingen. Ein moderner, alltäglicher Jargon erscheint mir für diese Texte einfach nicht passend. Vielleicht hört man deshalb hier und da eine Ähnlichkeit zum theatralischen Deklarationsgesang, wie ihn Hilde Knef drauf hatte.

Können Sie die eigene CD zu Hause noch hören? Wie reagiert Ihre Tochter darauf?

Die findet sie nach wie vor super. "Der Kuckuck und der Esel" war eine ganze Zeit lang ihr Lieblingslied. Auch "Grün, grün, grün" und "Bruder Jakob" darf man als Favoriten bezeichnen.

Eric Leimann

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