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Kultur Michael Bolton im Gewandhaus: Ganz sacht, mit einem Hauch von Vibrato
Nachrichten Kultur Michael Bolton im Gewandhaus: Ganz sacht, mit einem Hauch von Vibrato
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18:24 05.05.2014
Immer ein wenig in sich versunken: Michael Bolton im Gewandhaus. Quelle: André Kempner

Und hören.

Kaum ist Bolton da, greift er zur Gitarre und lässt es erst einmal ruhig angehen. Mit seiner charakteristischen, leicht nasalen Stimme gibt er "Sittin' on the Dock of the Bay" dasselbe entspannte Feeling wie Otis Redding. Im Gewandhaus hat er am Sonntagabend eine Mischung aus Coversongs und eigenen Liedern im Programm, einzuordnen irgendwo zwischen Blues, Rock und Pop-Balladen. Groovig wird es bald mit einigen Motown-Songs von seinem letzten Album wie etwa "Ain't No Mountain High Enough" oder "Ain't Nothing Like the Real Thing". Die hervorragende Band setzt im Zusammenspiel Maßstäbe mit ihrer treibenden Kraft, und man kann nie genug bekommen von den Saxofon-, Bass- oder Gitarrensoli.

Schmusiger sind die Songs, für die Bolton hierzulande vor allem bekannt ist: "How Am I Supposed To Live Without You" und natürlich "When a Man Loves a Woman" - authentisch interpretiert, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Hier taucht er plötzlich mit seinem Mikro im Zuschauerraum auf, jetzt in Jeans und T-Shirt. Die weiblichen Fans sind entzückt und greifen sofort zu den Smartphones. Bolton scheint immer etwas in sich versunken und bleibt auch beim größten Applaus bescheiden. Er ist nicht der Siegertyp, der grinsend in die Runde winkt, sondern wirkt wie jemand, der eigentlich nicht gefeiert werden mag. Vielleicht nagt aber auch einfach der Tourstress an ihm.

Neben den wunderbaren Balladen und energiegeladenen Rocksongs ist sein Ausflug in die Klassik gewöhnungsbedürftig bis unnötig. Puccinis "Nessun Dorma" wird durch Streicherbegleitung aus der Konserve, Boltons angeraute Rockstimme und sein amerikanisch gefärbtes Italienisch nicht besser, kommt aber beim Publikum gut an. Wie der Mann mit dem Glitzerohrring allerdings in den Popsongs in der Kopfstimme flötet, ganz sacht und mit einem Hauch von Vibrato, ist wunderbar. Von der reinen Intonation dieser Höhenflüge können die meisten Kollegen nur träumen.

Die Lichtshow fällt vor allem durch ständige Farbwechsel und schlechtes Timing auf und wird erst gegen Ende der Show stimmig. Die Balance beim Sound dagegen ist durchweg gut. Hält man die optisch umwerfenden Sängerinnen Amanda Brown und Kelly Lebeck anfangs noch für die übliche Background-Staffage, wird man bald eines Besseren belehrt.

Ob im Duett mit Bolton oder solo als Sängerinnen von Hits, die Bolton etwa für Barbra Streisand oder Cher komponiert hat, diese Ladies haben Power. Mit ihren Stimmen und ihrer Bühnenpräsenz hätten die beiden genauso gut auch Hauptact des Abends sein können. Besonders "The Prayer", ein Duett von Bolton und Lebeck, hat es dem Publikum angetan und reißt die begeisterten Zuhörer von den Sitzen. Wenn schlussendlich die Leute im vollen Saal unaufgefordert tanzen, kann auch Herr Bolton lächeln. Ein herrlicher Abend.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.05.2014

Anja Jaskowski

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