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Kultur Michael Haneke: Kompromisslos intellektuell
Nachrichten Kultur Michael Haneke: Kompromisslos intellektuell
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17:23 18.01.2010
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Hamburg

Auch sein nun mit einem Golden Globe gewürdigtes Werk „Das weiße Band“ verlangt dem Publikum einiges ab. Haneke hat das in Schwarz-Weiß gedrehte Drama wie eine Kriminalgeschichte angelegt - und verweigert am Ende die Auflösung.

„Das ist mein Prinzip“, erklärte der 67-jährige Österreicher schon beim Festival in Cannes, wo er im vergangenen Mai die Goldene Palme erhielt. Es sei die Aufgabe von Kunst, Fragen zu stellen. Danach sei der Betrachter dran: „Ein Film ist wie eine Sprungschanze. Springen muss der Zuschauer selbst.“    Eine Mischung aus Angst, Bedrohung und Gewalt bildet den gefühlten Kern vieler Haneke-Filme, die ihre Charaktere wie in einer soziologischen Studie unter die Lupe nehmen. Der in München geborene Sohn eines Schauspieler-Paares hat sich schon früh bemüht, dem menschlichen Wesen auf den Grund zu gehen: Er studierte Philosophie und Psychologie.  

 Nach Arbeiten fürs Fernsehen gelang ihm mit seiner zweiten Kinoarbeit „Bennys Video“ 1992 eine Provokation: Der heute fast visionär wirkende Film löste eine Diskussion über die Folgen von Gewaltvideos auf Jugendliche aus - ein Thema, das Haneke fünf Jahre später mit dem Schocker „Funny Games“ weiter vertiefte.    Danach ging Haneke nach Paris, wo seine Arbeit auf größte Bewunderung stieß. In Frankreich verfilmte er mit Isabelle Huppert als Hauptdarstellerin den Roman „Die Klavierspielerin“ von Elfriede Jelinek. In Cannes gab es dafür 2001 den Großen Preis der Jury. 2005 folgten ein Regiepreis in Cannes und der Europäische Filmpreis für seinen beunruhigenden Thriller „Caché“ mit Juliette Binoche.

Auf die Frage, ob sich mit dem Golden Globe und der Aufmerksamkeit in den USA nun etwas für ihn verändere, antwortete Haneke nach der Preisverleihung in der Nacht zum Montag gewohnt gelassen: „Auf meinem Schreibtisch wird es ein bisschen anders aussehen.“

Karin Zintz, dpa

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