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Kultur Mit Hirn und Bauch: Leipziger Band Egolaut gibt ihr Live-Debüt in der Moritzbastei
Nachrichten Kultur Mit Hirn und Bauch: Leipziger Band Egolaut gibt ihr Live-Debüt in der Moritzbastei
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05:00 06.05.2016
Egolaut: Dominique „Gaga“ Ehlert, Jacob Müller, Antonio Lucaciu, Bertram Burkert und Sascha Stiehler (von links). Quelle: Sandra Ludewig
Leipzig

Man nehme ein musikalisches Hirn, einen liebenswürdigen Bauch, ein Genie, einen Wrestler und einen grübelnden Denker – fertig ist eine der momentan vielversprechendsten Bands der Stadt. Egolaut nennt sich die Gruppe, ein Name, der in Leipzig längst seinen Klang verbreitet. Ein Plattenlabel heißt seit ein paar Jahren so, mittlerweile ist es im aufstrebenden Stadtteil Plagwitz beheimatet: im Egolaut-Künstlerhaus. Dort lassen sich neben Musikern auch Fotografen, Designer und eine Architektin von der kreativen Atmosphäre befruchten.

Jetzt soll es aber eben vor allem eine Band sein, die die Egolaut-Botschaft verbreitet – „die Dinge selbst in Angriff zu nehmen“, wie Sascha Stiehler die Idee hinter dem Namen beschreibt. Er ist der Pianist und das erwähnte musikalische Hirn des Projekts. Sein Kollege Antonio Lucaciu sieht sich mit breitem Grinsen als den genannten liebenswürdigen Bauch. Was aber weniger mit der Statur des keineswegs dicken Saxofonisten zu tun hat als vielmehr mit seinem Bauchgefühl für Musik. „Bei mir ist die ersten Aufnahme grundsätzlich die beste“, sagt Lucaciu. „Da denke ich noch nicht so viel darüber nach.“

In der neuen Band tritt er erstmals ausdrücklich als Sänger ins Rampenlicht – und fasst in einer Textzeile gewissermaßen Teil zwei der im Bandnamen verborgenen Egolaut-Programmatik in Worte: „Musik – laut an – ich tanz’ auf leichten Sohlen“, heißt es in einer mitreißenden Gitarrenpop-Nummer der Debüt-EP. Egolaut wollen die Platte ausschließlich auf ihrer ersten Tour verkaufen, die kommende Woche in der Moritzbastei beginnt und sie an der Seite von Pop-Sängerin Charley Ann bis Anfang Juni durch die Lande führt.

„Ohne Clueso gäbe es Egolaut nicht“

Seit gut zehn Jahren bilden Stiehler und Lucaciu – Kopf und Bauch – „einen Körper“, wie die zwei sagen. Das fing mit der gemeinsamen Jazzband Change Request an, als sie beide noch mitten im Studium an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater steckten. Und trat erstmals 2009 deutlich zu Tage, als sie als „Duo Stiehler/Lucaciu“ den Leipziger Jazznachwuchspreis der Marion-Ermer-Stiftung gewannen.

Ein Türöffner in mehrfacher Hinsicht. Damals half er ihnen, das Projekt einer Bühne für Jazz zu initiieren. „Da wurden wir ernst genommen, obwohl wir noch Pickel in der Fresse hatten“, erzählt Stiehler und lacht. Um 2010 den Liveclub Telegraph ins Leben zu rufen, holten sie außer befreundeten Musikern wie etwa Lucacius Bruder Robert – einer der besten Bassisten der Stadt – den Jazzclub-Verein, die Initiative Leipjazzig und die Hochschule ins Boot. Der Konzertkeller entwickelte sich zu Leipzigs wichtigster Jazz-Adresse. Lucaciu und Stiehler sind aber mittlerweile weitergezogen.

Denn gleichzeitig war der Jazzpreis ein Türöffner in Richtung Pop. Gerade hatten sie sich 2010 auf ihrer ersten Duo-EP „Traumfresserchen“ noch vergleichsweise akademisch an Schönberg und Schubert abgearbeitet – da trat Clueso auf den Plan. Lucacius Saxofon ist nicht nur auf dessen Album „An und für sich“ zu hören. Der Erfurter Popstar ging mit dem Leipziger Jazzer darüber hinaus sogar auf eine Duo-Tour, die in gemeinsamen Auftritten mit Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken gipfelte. Stiehler wiederum schloss sich Clueso-Buddy Norman Sinn an und begleitete ihn im Schlepptau Herbert Grönemeyers auf Stadiontour.

„Ohne Clueso gäbe es Egolaut nicht“, sagt Lucaciu. Weder Label und Künstlerhaus noch die neue Popband. „Clueso ist eine große Inspiration“, lobt der studierte Musiker den überaus talentierten Autodidakten. Den Aufbau von Label und Künstlerhaus habe Clueso mit Rat und Tat unterstützt. Dank seiner Rolle in der Erfurter Kreativschmiede Zughafen verfügte er fraglos über ein gewisses Vorwissen. „Und komme ich jetzt mit einem Liedtext nicht weiter, weiß ich ebenfalls, an wen ich mich wende: an Cluesen.“

„Wir sind Unterhaltungskünstler“

Mehr mit U- als E-Musik hat folglich mittlerweile auch das musikalische Selbstverständnis eigener Projekte zu tun. „Wir sind Unterhaltungskünstler, unsere Aufgabe ist es, den Leuten einen schönen Abend zu bereiten, Gefühle hervorzulocken, sie mit Musik zu berühren“, sagt Lucaciu. Oder sie zum Lachen zu bringen: Die aufgedrehten Konzerte des Duos Stiehler/Lucaciu passten zuletzt immer weniger zum Pfeife rauchenden Klischee des akademischen Jazz. Die Bandkollegen seien so verrückt wie sie selbst, versprechen die beiden.

Nicht ohne Grund trage Schlagzeuger Dominique Ehlert seit langem den Spitznamen Gaga. In der Band-Typisierung gilt Gaga als „der Wrestler“. Lucaciu findet, dass er „im Energielevel bestens zu uns passt“. Überraschend ist hingegen, dass es sich bei Bassist Jacob Müller – wie Gaga in der Leipziger Musikszene aus etlichen Ensembles bekannt – eigentlich um einen „grübelnden Lyriker“ handle. „Er sitzt an einem Gedicht“, verrät Stiehler, und Lucaciu lästert liebevoll: „Aber das darf niemand lesen. Sicher wird es irgendwann postum veröffentlicht, und er bekommt dann den Literaturnobelpreis.“

Es spricht für die vier etablierten Berufsmusiker, dass sie ausgerechnet das Nesthäkchen in ihren Reihen zum erwähnten „Genie“ erklären. Den Gitarristen Bertram Burkert haben Stiehler und Lucaciu 17-jährig bei ihrem jährlichen Workshop für mitteldeutsche Musiktalente entdeckt, den sie seit 2011 mit dem Sächsischen Musikrat und der Landesmusikakademie Sachsen verwirklichen. „Ein Wahnsinnstalent – das wir uns sofort geschnappt haben“, sagt Stiehler.

Zudem schließt sich nun auf der Tour mit Charley Ann Schmutzler sogar „The Voice of Germany“ an. Jedenfalls gewann die 22-Jährige Ende 2014 die gleichnamige TV-Castingshow. Gemeinsam auf eine Konzertreise zu gehen, bei der die jeweiligen Auftritte ineinanderfließen sollen, liegt nahe: Charley Anns Begleitband besteht ohnehin zu drei Vierteln aus Egolaut, seit ihr Management Stiehler mit der musikalischen Leitung des Charts­projekts beauftragt hat.

Von Musikern und Fotografen

Trotz aller Professionalität und akademischer Weihen liegt den Musikern jeder Leistungsgedanke allerdings fern, sagen sie. „Wichtig ist doch nur, dass Gefühle rüberkommen. Die Liebe zur Musik“, sagt Stiehler. „Als Musiker habe ich einen Auftrag wie ein Fotograf: dass der Solo-Künstler im besten Licht erscheint“, erklärt er.

„Musikmachen“, fügt Lucaciu an, „das ist das, was wir am besten können“. Deshalb wollen sie mit der neuen Band nun den Schwerpunkt wieder aufs Selber­musizieren legen, nach den ganzen Egolaut-Projekten, die mehr mit Organisation zu tun hatten – zuletzt ja noch ein Egolaut-Festival in Lucacius’ Geburtsstadt Plauen. Obwohl ihre künstlerische Vita von beeindruckendem Umfang ist, sind die beiden immer noch erst 28. „Auf eine bestimmte Art sind wir bereits angekommen“, findet Lucaciu. „Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass es jetzt erst richtig losgeht.“

Egolaut & Charley Ann, Tourauftakt am Mittwoch, 11. Mai, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), Vorverkauf 16/13 Euro, Abendkasse 18/14 Euro; www.egolaut.de

Von Mathias Wöbking

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