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Mit Leidenschaft dagegen: Stephan Langer über das erste Leipziger "Gegenkino"-Festival

Mit Leidenschaft dagegen: Stephan Langer über das erste Leipziger "Gegenkino"-Festival

"Wann war ich eigentlich das letzte Mal wirklich irritiert, als ich aus dem Kino ging?" Eine Frage, die nachdenklich macht. Eine Frage, die die Suche von vier jungen Menschen im vergangenen Jahr angetrieben hat.

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Verbirgt seine Augen hinter analogem Film in 35 Millimetern: Stephan Langer.

Quelle: Alba Talamo

Daraus ist ein Filmfestival entstanden, das von Donnerstag bis 13. April in drei Leipziger Kinos debütiert. Mitinitiator Stephan Langer erzählt von der Vorfreude auf die Filmraritäten und namhaften Gäste im "Gegenkino".

Frage: Das Festival trägt den Titel "Gegenkino". Was hat es damit auf sich?

Stephan Langer: Der Titel ist doppeldeutig. Wir sind natürlich nicht gegen das Kino an sich. Wir suchen eher nach cineastischen Gegenbewegungen im Film. Das heißt weg von der Main­stream­kultur, die sich in den Kinos breitmacht. Wir wollen zeigen, dass es jenseits der Etiketten "Blockbuster" und "Arthouse" Filme gibt, die mit ästhetischen Konventionen spielen und experimentieren.

An welche Konventionen denkst du dabei?

Es gibt ästhetische oder inhaltliche Normen, die ein Film brechen kann. Im Arthouse-Kino dominiert die chronologische, relativ starre Narration. Im "Gegenkino" zeigen wir zum Beispiel Filme ohne Dialog, deren großartige Bildsprache einen ganz anderen Sehgenuss ermöglicht. Auch unangepasste, empörende Inhalte, wie sie im "Cinema of Transgression" zu sehen sind, gehören dazu. Größen der New Yorker Punkszene, wie Nick Zedd oder Lydia Lunch, haben in den 80er Jahren mit diesem "Kino der Überschreitung" gegen alle Regeln des guten Geschmacks verstoßen.

Sind auf eurem Festival überwiegend Kunstfilme zu sehen?

Nein. Das Festivalprogramm soll bewusst die Kategorien Hochkultur und Subkultur außen vor lassen. Wir zeigen zwar Kunstfilme, wie zum Beispiel von Matthew Barney oder Harun Farocki, aber auch Filme wie "Der Samurai" von Till Kleinert, der gerade erst auf der Berlinale lief und viele exploitative Elemente enthält. Dennoch ist es so, dass viele Filme des Festivals selten in Kinos gespielt werden, da der künstlerische Film stark in den Galerienkontext abgewandert ist.

Ihr seid ein Team von vier Leuten und stemmt ein Festival in dieser Größenordnung zum ersten Mal. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir kennen uns über den Klubkinoklub der Schaubühne Lindenfels, wo wir ausgewählte Filme zeigen und diskutieren. In diesem Rahmen entstand gemeinsam mit Sebastian Gebeler und Inga Brantin die Idee zu "Gegenkino". Beide haben im letzten Jahr ein Stummfilmfestival geleitet und hatten somit schon Erfahrung. Später stieß André Kalnassy zu unserem Trio. Es folgten Förderanträge und die inhaltliche Organisation. Das liegt nun gut neun Monate zurück.

Hochkarätige Gäste wie Clemens von Wedemeyer oder Jozef van Wissem, der Musik für Jim Jarmusch komponiert, sind auf dem Festival zu sehen. Wie erklärst du dir diesen Coup?

Naja, wir haben ihnen einfach geschrieben. Ich denke, die Leute bemerken bei Anfragen von Projekten sehr schnell, ob diese von der Liebe zur Sache angetrieben sind. Über das UT Connewitz haben wir zum Beispiel den großartigen Jozef van Wissem und auch den Musiker Felix Kubin erreicht, der unseren Eröffnungsfilm "La Region Centrale" von Michael Snow vertont. Die Leidenschaft, mit der wir unser Vorhaben betreiben, hat manche Gäste überzeugt. So kommen einige für viel weniger als ihre gewohnten Gagen zu uns - das bestätigt unsere konzeptionelle Arbeit, und darüber freuen wir uns sehr.

Film, Musik, Diskussion, Installation - es gibt viele Wege sich dem Festival zu nähern. Neben Aufbegehren und Wagemut im Film geht es auch um wirtschaftliche Zwänge oder die zunehmende Digitalisierung im Kino. Was ist der kleinste gemeinsame Nenner des Festivals?

Der kleinste Nenner ist das bewegte Bild. Wir versuchen, während des Festivals einen sozialen Raum zu schaffen, in dem sich Interessierte austauschen können. Es gibt eine Veranstaltung pro Abend, so dass sich die Besucher an verschiedenen Orten wiedertreffen und miteinander ins Gespräch kommen können. Wir zeigen Filme, die mit den Sehgewohnheiten brechen und daher war uns wichtig, dass das Programm bunte und auflockernde Elemente besitzt und nicht zu steif oder belehrend ausfällt. Ein Besuch bei unserem Festival steht jedem gut.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.04.2014

Interview: Melanie Schröder

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