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Mit Wumms: Wie Kraftklub und 8000 Fans die Arena Leipzig buchstäblich zum Beben bringen

Mit Wumms: Wie Kraftklub und 8000 Fans die Arena Leipzig buchstäblich zum Beben bringen

Mit einem großen Knall fällt der Vorhang, und ohne große Ansagen beginnen Kraftklub ihr Konzert in der Arena Leipzig mit der Hymne für den Single im Manne "Für immer allein".

Laut und kräftig, dazu eine beeindruckende Lichtshow, so ziehen die fünf Chemnitzer, die sich selbst wohl noch in 20 Jahren als aus Karl-Marx-Stadt-kommend bezeichnen werden, den Start ihres bisher größten Konzertes in Leipzig durch. Nach Geheimtour, Clubtour und WG-Konzert waren sie Donnerstagabend das vierte Mal innerhalb eines halben Jahres in der Messestadt, doch mehr als 8000 Besucher zeigen, dass es keine Ermüdungserscheinigungen beim Publikum gibt. Dafür sorgte schon die Wiener Vorband Wanda, die mit ihrem Rock'n'Roll durchaus einige Herzen erwärmen konnte.

Neben Marteria sind Kraftklub mit ihrem nonchalanten Mix aus Rock, Punkpop und klarer Affinität zum Hip-Hop derzeit das Aushängeschild der ostdeutschen Musikszene, und Leipzig ist in dieser Hinsicht so etwas wie ein Heimspiel. "Eure Mädchen tanzen mit uns", ruft Felix Brummer den Fans entgegen, und es sind nicht nur Mädchen, die sich hier in den Endorphinrausch der körperlichen Extase begeben. Selbst auf den Rängen ist nach einer klaren Ansage Brummers alles auf den Beinen - mitsingen können eh alle alles.

So spult sich ein durchaus kraftvoller - der Name verpflichtet -, aber zunächst weitgehend überraschungsloser Abend ab, wie man ihn von einer jungen Band mit zwei Alben und ein bisschen Wumms dahinter eben erwartet. Der Wumms ist sogar außerhalb der Halle zu spüren. Kurz nach Konzertbeginn gehen bei der Feuerwehr Anrufe wegen eines möglichen Erdbebens im Waldstraßenviertel ein. Zusammenhänge werden von offizieller Stelle nicht ausgeschlossen (siehe Text links).

Von der Bühne rollen derweil die Gitarren- und Melancholiesalven getragen vom sonoren Sprechgesang Brummers und dem raunenden Bariton des Rhythmus-Gitarristen Karl Schumann durch die Arena und auf den unaufhaltsamen ersten Höhepunkt des Abends zu, der gerade in Leipzig vielen aus dem Herzen spricht: "Ich will nicht nach Berlin."

Als besonderes Päckchen schauen da gleich noch die Hip-Hop Kollegen der Berliner Combo KIZ vorbei, die entsprechend kontern: "Ihr dürft nicht nach Berlin, hier gibt es kein Begrüßungsgeld." Danach präsentieren die drei noch eine Mashup-Version von "Urlaub fürs Gehirn" und verschwinden unter dem lauten Jubel wieder in den Katakomben der Arena. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit beider Bands, vielmehr verbindet sie eine lange gemeinsame Geschichte mit zahlreichen spektakulären Aktionen. Ab hier aber ist auch klar, dass da tatsächlich noch Luft nach oben ist, und im Vergleich zum zweiten Teil des Konzerts sind die ersten 45 Minuten tatsächlich nur das Aufwärmprogramm.

Nach einem atemberaubenden Medley tauchen vier Bandmitglieder auf einmal in der Mitte der Halle auf (nur Schlagzeuger Max Marschk bleibt auf der Bühne zurück), um von einer Plattform aus die versammelte Masse zu einer Gang zu verschwören - und die neue Disziplin des Wettstagediven auszurufen. Daraufhin lassen sie sich von den Fans in Richtung Bühne zurücktreiben. Der Gewinner auf der Außenbahn heißt Felix Brummer, der standesgemäß einen Blumenstrauß erhält. So viel Zeit muss sein.

Bisweilen wird der Abend sogar politisch. So stellt Brummer fest, dass die Gruppe zwar für den Echo nominiert sei, aber keine Lust darauf habe. Ob das nur als launige Überleitung zu nehmen ist oder auch als Kommentar darauf, dass erneut die Band Freiwild Aussichten hat (wenn auch nur im DVD-Segment), der ein allzu offener Umgang mit rechtsradikalen Ideologien attestiert wird, bleibt offen. Aber als das Publikum nach dem Protestsong "Schüsse in die Luft" spontan "Nazis raus" ruft, ist zumindest klar, wo sich die Besucher verorten.

Nach dem Abfeuern einiger gigantischer Konfettikanonen ist die Zugabe schließlich schon fast Ritual. Auf die Ost-Hymne "Karl-Marx-Stadt" werden zu "Randale" Getränkebecher geschmissen. Schlussendlich befreien sich zumindest die Herren zu "Scheissindiedisco" von ihrer Oberbekleidung. Im Vergleich zu ihrem Clubtour-Konzert im Conne Island im Oktober legen die Chemnitzer sogar noch eine halbe Stunde drauf. In 120 Minuten demonstrieren sie, dass sie auch große Hallen problemlos bespielen können - mit Wumms.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.03.2015

Torben Ibs

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