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Kultur "Mitten im Leben": Udo Jürgens spielt vor 8000 Fans in der Arena Leipzig
Nachrichten Kultur "Mitten im Leben": Udo Jürgens spielt vor 8000 Fans in der Arena Leipzig
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22:50 17.11.2014
Udo Jürgens spielt vor 8000 Zuschauern in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Bis „zehn nach elf“ unterhielt der Entertainer sein Publikum am Klavier, dirigierend, singend, mal nachdenklich, mal schwungvoll. In weißem Bademantel und Jeans verabschiedete er sich schließlich vom begeisterten Leipziger Publikum.

Zürich. Der Sänger, Komponist und Entertainer Udo Jürgens ist tot. Der Musiker, der zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum gehörte, starb am Sonntag überraschend mit 80 Jahren in der Schweiz bei einem Spaziergang. Das teilte sein Management mit. Noch am 17. November hatte Udo Jürgens das Leipziger Publikum begeistert.

Die LVZ-Rezension des letzten Udo Jürgens-Konzertes am 17. November in Leipzig:

Udo Jürgens begeisterte gestern Abend in der Arena 8000 Fans mit Oldies und neueren Liedern

Von Norbert Wehrstedt

War es das nun? Ist das die letzte Tour? Udo Jürgens ist nicht erst 66, also gerade mal am Beginn des wahren Lebens. Udo Jürgens ist 80 - und eine Drohung für jedes Rentensystem. Wenn die neuen Alten so aussehen, so drauf sind, so singen,  so tanzen, so die Bühne beherrschen, wo bleiben denn dann die Jungen!? Naja, wie auch immer, dieser Udo Jürgens jedenfalls ist weiterhin das, was er seit Jahrzehnten ist: ein Sänger, der als Seiltänzer zwischen Chanson und Schlager balanciert, der etwas beherrscht, was im deutschsprachigen Raum kein zweiter kann: unterhalten ohne zu langweilen.

Aber das kennt man ja. Dafür geht man zu Udo Jürgens. Dafür kamen gestern Abend 8000 in die Leipziger Arena - und wurden bis nach elf Uhr nicht enttäuscht. Ein Klavier hämmert „Aber bitte mit Sahne“, dann jagen Lichtstrahlen über die Welt auf der Bühnen-Leinwand, zu Orten, an denen Udo Jürgens schon war. „Die Welt braucht Lieder“ - nur die Stimme von Udo Jürgens. Dann kommt er: dezent blauer, dreiteiliger Zwirn, rotes Einstecktuch und „Alles aus Liebe“. Der Mann am Flügel swingt unter rotem Licht, dann wird es pinkfarben: „Was ich gerne wär’ für dich“, ein Liebeslied in einfachen Zeilen. Udo Jürgens kostet die Worte aus, schmeichelt und umwirbt, das Orchester Pepe Lienhard legt einen  wunderbaren musikalischen Teppich.

Der Rhythmus-Wechsel ist Programm. Immer wieder folgen auf Losgeh-Nummern leise, nachdenkliche Lieder, Oldies auf Songs mit Texten, die besorgt klingen über den Zustand dieser Welt. „Der gläserne Mensch“ warnt vor der allgemeinen Überwachung (schwarz-weiße Satellitenbilder im Hintergrund), das ehrgeizige, sinfonische „Die Krone der Schöpfung“ ökobewegt vor dem Ende der Natur. Udo Jürgens dirigiert, sitzt am Flügel, singt, dirigiert wieder das Finale.

Zwischendurch „Der gekaufte Drache“ über verflogene Kinderträume, der Midtempo-Schlager „Ich bin dafür“ und „Ich will, ich kann“, ein Duett in Swing mit Dorothea Lorene, einer atemberaubend-gewaltige Stimme. So richtig in Schwung kommt die Halle allerdings erst mit „Die Sonne und Du“ unter sommerlich-lockerer Akkordeon-Stimmung. Udo Jürgens  spielt ein bisschen mit dem Song, geht übergangslos zu „Jeder so, wie er mag“. Ganz locker, ganz leicht.

Das hält er durch. Dafür ist er Entertainer. Nach 30 Minuten Pause steckt er im anthrazitfarbenen Anzug, das Rot des Futters strahlt mit dem Rot des Einstecktuchs um die Wette. „Hautnah“ im Big Band-Sound, dann Flügel-Intro und Flöte zu „Ich würd es wieder tun“, Beichte und kleine Selbstermutigung. Udo Jürgens lässt hart das „R“ rollen und klingt ganz weich, wenn in seine Überleitungen österreichischer Zungenschlag reinfällt. Bläser treiben das ironische „Der Mann ist das Problem“, mit Saxophon-Einstieg, Percussion- und Schlagzeug-Solo folgt „Tausend Jahre sind ein Tag“. Das ist wieder einer dieser Songs, die so sehr nach Udo Jürgens klingen, dass man ihn niemals von jemand anderem hören möchte. So unnachsichtig-bohrend stellt nur Udo Jürgens Fragen an eine Welt in Unordnung und Ungerechtigkeit. Das klingt immer ein bisschen moralisch - und ist genau so gemeint.

Aber was wäre eine Udo-Jürgens-Gala ohne ein paar jener Hits, die seit Jahrzehnten funktionieren. Die ersten Takte „Griechischer Wein“ - und alle jubeln, ein paar bunte Leuchtstangen wippen, während Udo Jürgens aus dem einstigen Losgeher ein langsames, grüblerisches Lied macht. „Ich war noch niemals in New York“ - die Arena tanzt und feiert die swingende Huldigung für New York. „Ein ehrenwertes Haus“, „Aber bitte mit Sahne“, „Mit 66 Jahren“ als schnelles Medley. Jetzt wird die Bühne belagert. „Mein Ziel“ - Udo Jürgens zieht das Jackett aus und legt eine Nachdenkpause ein. Aber natürlich ist erst „Zehn nach elf“ Schluss, mit weißem Bademantel und Jeans. Die Halle ist hin, der Abend zu Ende. War es das nun auf der letzten Tour? Mit so einem Auftritt  sicher nicht. Mit 88 Jahren wäre ja auch ein Song.

swd/N.W.

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