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Monoton wie eine Salzwüste: Schleppende Premiere von "Ich, Feuerbach" in der Nato

Monoton wie eine Salzwüste: Schleppende Premiere von "Ich, Feuerbach" in der Nato

"Ich, Feuerbach" ist ein kleines, bitterkomisches Stück. Am Donnerstag hatte es als Produktion der "Kleine.Welt.Bühne.Leipzig." in der Nato Premiere. Als Inszenierung, in der man zusehen kann, wie ein Mann verdurstet - und man dabei dennoch keine Sekunde das Bedürfnis verspürt, dem Kerl einen Schluck Wasser zu reichen.

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Feuerbach (Dietmar Voigt, links), der Regie-Assistent (August Geyler) und eine Frau, die ihren Hund sucht (Anita Kriebel).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Im Grunde deutet alles - und zwar sofort - an diesem Feuerbach darauf hin, dass dessen große Zeit als Schauspieler (falls es die je wirklich gab) vorbei ist. Wie er da auf der Bühne steht, mit seinem Cordanzug und dem Herrenhalstuch, wirkt er weniger wie ein Künstler von Format, sondern eher wie ein ambitionierter Altachtundsechziger im höheren Schuldienst, wo er sein Bedürfnis nach Schöngeistigkeit an lustlosen Abiturienten auslebt - und über diese Lustlosigkeit einen fast schon hysterischen Zug der Verzweiflung bekommen hat. Feuerbach, ein Deutschlehrer und Theater-AG-Leiter, der gern Schauspieler geworden wäre.

Was ja auch Stoff für eine Tragikomödie hergäbe. Nur hat die Tankred Dorst eben nicht geschrieben. Dafür ist sein "Ich, Feuerbach" ein Stück Theater über das Theater. Über die Kunst, die ihre Kinder frisst - oder sie in der Wüste des Mittelmaßes und des Vergessens verdursten lässt. Es ist diese Wüste, in der auch Feuerbach, der Schauspieler, nach Wasser (das heißt: einer Rolle) und nach den erlösenden Worten Gottes (das heißt: des Regisseurs) dürstet. Beides soll diesen so verzweifelten wie geschwätzigen Mimen, der eigentlich zu einem Vorsprechen auf der Bühne erschienen ist, aus der Bedeutungslosigkeit, in die er sank, zurück ins Rampenlicht bringen.

"Ich, Feuerbach" ist ein kleines, bitterkomisches Stück. Am Donnerstag hatte es als Produktion der "Kleine.Welt.Bühne.Leipzig." in der Nato Premiere. Als Inszenierung, in der man zusehen kann, wie ein Mann verdurstet - und man dabei dennoch keine Sekunde das Bedürfnis verspürt, dem Kerl einen Schluck Wasser zu reichen.

Dietmar Voigt ist der Schauspieler, der den Schauspieler Feuerbach schauspielert. Und dabei eben wirkt wie ein Gymnasiallehrer, der vom Schauspielern träumt - und sich fatalerweise auch dran versucht. Nun ist es ja nicht so, dass der Stücktext keine derart reizvollen Angebote zur karikierenden Figurenzeichnung macht - allerdings hat das seine Tücken. Öffnet man sich nämlich für diese Angebote so, wie es hier unter der Regie Simon van Parys' geschieht, ebnet das von Anfang an jegliche dramatische Fallhöhen herab auf die monotone Flächigkeit einer Salzwüste.

Und durch eine solche schleppt sich dann auch diese Inszenierung, der es einfach nicht gelingt, die Fata Morganas der Theaterpoesie zu zaubern. Daran ändern auch das sich aufzeichnende Privatdrama Feuerbachs (Tod der Frau, Aufenthalt in einer Nervenanstalt) und die szenischen Einsprengsel im Monologisieren nichts. Den genervten Assistenten des eigentlich erwarteten Regisseurs gibt August Geyler gern mit einem Lachen, das so falsch und gestellt anmutet wie vieles andere in dieser Inszenierung auch. Lediglich Anita Kriebel schafft als Frau wandelnder Einfalt, die im Theater absurderweise ihren Hund sucht, eine Figur, für die man anfangen könnte, sich zu interessieren.

Und auch wenn Feuerbach mit zur Fratze geschminktem Gesicht jenen Monolog aus dem "Tasso" spricht, der ihm eigentlich den Traum von der neuen Bühnenkarriere verwirklichen sollte, bekommt diese Inszenierung doch noch einen Moment eindringlicher Dichte. Doch so ähnlich, wie diesem Feuerbach alle Hoffnungen zerrinnen, weil ihm längst schon keiner mehr zuhört, bleibt auch diese Szene wie ein Versprechen, das zu spät kommt, um noch irgendwas halten zu können.

"Ich, Feuerbach"

, noch mal morgen (Sonntag), 17 Uhr, Nato (Karl-Liebknecht-Straße 48), Eintritt 13/9 Euro; zudem am 30. November, 1. und 22. Dezember, jeweils 20 Uhr, im Neuen Schauspiel (Lützner Straße 29), 12/8 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013

Steffen Georgi

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