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Kultur “Mord im Orient-Express“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur “Mord im Orient-Express“ und mehr DVD-Tipps
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11:42 14.04.2018
Quelle: iStockphoto
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Hannover


Detroit: Hier wird ein finsteres Kapitel Amerika aufgeschlagen. Kathryn Bigelow (“Zero Dark Thirty“) blickt in “Detroit“ auf den Rassismus im eigenen Land. Sie erzählt von Ereignissen, die 50 Jahre her sind. Anderswo in den USA war 1967 der “Summer of Love“ im Gange, die Hippiesonne schien. In Detroit aber fand der “12th Street Riot“ statt. Fünf Tage, 43 Tote, fast 1200 Verletzte. Protestierende, mehrheitlich schwarz, gegen die Polizei von Michigan, fast ausschließlich weiß.

Bigelow zeigt die Unruhen und richtet den Blick schließlich auf den “Algiers Motel Zwischenfall“, eines der schlimmsten Beispiele von Polizeigewalt in den USA, das sie mithilfe von Protokollen und Augenzeugenberichten rekonstruiert hat. Unter Führung des jungen Polizisten Krauss (unvergesslich grausam: “Maze Runner“-Star Will Poulter) stürmen drei Cops das Motel und entfesseln einen beispiellosen sadistischen Terror.

“Detroit“ ist kein filmischer Versöhnungshändedruck, eher inszenierter Journalismus, der sich niemals in Wohlfühlzonen abregt. Die Angst ist greifbar, die Eskalation schrecklich, der anschließende Prozess eine Farce. Selten rückte dem Betrachter der US-Rassismus so zu Leibe. Wenn der Abspann kommt, hat man nicht das Gefühl, dass hier ein Film ausklingt, eher dass eine Explosion verraucht.

Detroit Quelle: Concorde

Mord im Orient-Express: Der Mond leuchtet auf eine Lok, die durch den felsigen Balkan schnauft. Eine illustre Gesellschaft reist im Orient-Express von Istanbul gen Westen. Ein Mord wird geschehen, ein Zug ist ein idealer Tatort: Der Mörder braucht die Leiche nicht zu entsorgen, er steigt an der nächsten Station aus und verschwindet im Bahnhofsgetriebe, während sich das Opfer mit jeder Minute weiter von ihm entfernt.

Mit zweierlei hat der Mörder im Falle dieses Krimis nicht rechnen können: In der Tatnacht wird die Lok von einer Lawine aus der Spur geworfen. Und unter den Fahrgästen ist Hercule Poirot, der sich selbst als “der vielleicht beste Detektiv der Welt“ vorstellt, um den “Mord im Orient-Express“ aufzuklären. Der Shakespearianer Kenneth Branagh hat sich der britischen Krimikönigin Agatha Christie zugewandt, führt Regie und übernahm auch noch die Hauptrolle.

So streift er mit einer Stoßstange von Schnauzbart durch die schiefe Bahn, verhörend und schlussfolgernd. Ein ältlicher Mann, der kein D-Zug ist. Plastisch wird in den zwei Stunden leider auch nur Poirot, während das riesige Starensemble mit Penélope Cruz, Michelle Pfeiffer, Judi Dench, Daisy Ridley, Johnny Depp, Willem Dafoe und anderen unterbeschäftigt in sehenswerten Kostümen steckt und während dem Zuschauer dämmert, dass er (die Auflösung kennt man) nicht mehr so recht zieht, dieser Orient-Express.

Mord im Orient-Express Quelle: Handout

Simpel: Da schlurft der junge Barnabas alias Simpel (David Kross) in Unterhosen mit einer Papierkrone und lautem Hurra-Geschrei auf den Horizont zu und zieht seinen Stoffhasen in einer Zinkwanne hinter sich durchs Watt, als wäre er eine lebendig gewordene Figur des Kinderbuchschreibers Janosch. Vor der Flut gerettet wird er von seinem Bruder Ben (Frederick Lau), dann tanzen die beiden erstmal wie Anthony Quinn und Alan Bates in “Alexis Sorbas“ in der freien Natur, liegen rücklings im Schlick und freuen sich des Lebens.

Vollendetes Glück, dass es nicht gäbe ohne Simpels Behinderung und Bens großes Herz. Dann stirbt die Mutter, Simpel soll ins Heim und Ben entführt ihn, um den problemflüchtigen, kalten Vater (Devid Striesow) in Hamburg in die Verantwortung zu nehmen. Klar, dass eine Odyssee daraus wird, die alte, bittersüße Reise zum Ernst des Lebens.

“Simpel“ ist witzig, traurig, zart und randvoll mit Abenteuern - ein Lehrgang zum Herzen, den Regisseur Markus Goller dem Zuschauer nie mit Kitsch und falschem Gefühl zustellt. Kross ist großartig als enthusiastischer, unschuldiger Kindmann, Lau nicht minder anrührend als verzweifelter bester Freund, den ein Bruder haben kann. Zwei Typen, die das Kino mit ihrer Geschichte der Inklusion durch Liebe bereichern wie es damals Arnie (Leonardo Di Caprio) und Gilbert Grape (Johnny Depp) taten, irgendwo in Iowa.

Simpel Quelle: Universum

Radiance: Beschreibe etwas, so dass ein Mensch ohne Augenlicht es aus deinen Worten heraus zu sehen vermag. Die Japanerin Misako Ozaki (Ayame Misaki) fertigt Audiodeskriptionen für Kinofilme, ihre Texte trägt sie testweise einer Gruppe von Blinden und schwach Sehenden vor. Deren Einwände werden immer neu berücksichtigt, es sind viele, ein Bild ist einfach nicht in Worte zu fassen. Es sind immer zu wenige Worte oder zu viele. Frustrierend für Misako, die ihre Arbeit leidenschaftlich liebt, auch wenn sie das Wesentliche übersieht.

“Radiance“ ist der jüngste Film von Naomi Kawase. Wie der Vorgänger “Kirschblüten und rote Bohnen“ ist auch ihr neues Werk lyrisch geraten - aber nicht mehr von so sentimentaler Süße. Kawases Heldin Misako trifft auf einen älteren, einst berühmten Fotografen namens Masaya Nakamori (Masatoshi Nagase), der mählich sein Augenlicht verliert. Er ist schroff, kritisiert ihre Arbeit, zweifelt an ihrer Kompetenz. Nakamori ist wütend, darüber dass gerade ihn – Ironie des Schicksals - der Glanz (Radiance) der Welt verlässt, und dass seine geschiedene Frau wieder heiraten wird. Mit seinem verbliebenen Sehfeld reklamiert er gegenüber Misako die Autorität eines Sehenden. Sie schießt zurück, bescheidet ihm mangelnde Vorstellungskraft und leidet am Alzheimer-bedingten Verlöschen ihrer Mutter.

In Nakamoris fotografischem Werk stößt Misako dann auf Verbindungslinien in ihre eigene Vergangenheit. Und die anfängliche Abneigung, nun, auch sie verschwindet schließlich. Was eigentlich eine Überraschung sein sollte, aber schon durchs Filmposter gespoilert wurde. Ein origineller Plot, ein zuweilen etwas forciertes Drama vom Vergehen der Sinne und der Vergänglichkeit des Seins. Glaubwürdig gespielt und in seinem häufigen Stillstehen wunderschön.

Radiance Quelle: Concorde

Berlin Falling: Wieder einer jener Filme, die Leute, die immer noch mit dem Daumen im Wind reisen, hassen werden. Ken Duken nimmt Tom Wlaschiha mit, der nach Berlin will, wie sich bald herausstellt eine Bombe im Rucksack hat und alles andere als zimperlich ist, wenn ihm bei seiner Mission jemand in die Quere zu kommen droht. Der Fremde macht seinen Chauffeur wider Willen zum Komplizen, es fließt Blut und bald fragt man sich, wie der privat gebeutelte Held dem aufgelesenen Bösewicht entrinnen kann und was der Bombenleger in der deutschen Hauptstadt überhaupt in die Luft sprengen will.

Nicht alles in diesem von Duken selbst durchaus spannend inszenierten Road Movie ist plausibel, aber die beiden Schauspieler – Duken als kaputter Familienvater, Wlaschiha als soldatischer Rechtsausleger – spielen ihr Duell kraftvoll aus. Ein straffer, wendiger Thriller, sehenswert, aber oft unverständlich, weil die beiden Protagonisten im Streben nach der Echtheit der jeweiligen Situation gefühlt ein Fünftel des Textes vernuscheln und zerflüstern. Wie bitte? Mehr als fünf Mal will man an einem DVD-Abend nicht zurückspulen, sonst kann man gleich RTL gucken.

Berlin Falling Quelle: Warner

The 100 – Staffel 4: “Wir haben nicht so lange überlebt, nur um uns jetzt von Strahlen auslöschen zu lassen“, sagt Held Bellamy (Bob Morley) in notorischem Optimismus zur Heldin Clarke (Eliza Taylor). Das Ende der Welt kann ihn nicht anfechten, auch angesichts einer einsetzenden Kernschmelze in zig überwachungslosen Superreaktoren glaubt er daran, rechtzeitig eine Lösung zu finden, um möglichst vielen Überlebenden der letzten Apokalypse auch das der nächsten zu ermöglichen.

Und wir Zuschauer, die wir inzwischen die schlichten Plotmechanismen dieser unterhaltsamen, endzeitstylischen Serie “The 100“ kennen, möchten ihm da beipflichten. Zunächst wird versucht, die gestrandete Raumstation The Ark strahlendicht zu machen (was aufgrund mangelnder Wasser- und Bevorratungsmöglichkeiten nur 100 Menschen das Überleben sichern würde), dann macht das Gerücht von einem riesigen Privatbunker die Runde, in dem Tausende unterkommen könnten. Zu einer Rettung aller aber müsste der extrem wackelige Frieden zwischen den Clans unter derem in seiner Autorität gefährdeten König Roan (Zach McGowan) und den Raumfahrern gefestigt werden – eine ähnlich diffizile Aufgabe, als wolle man die Gaus reversibel machen.

“The 100“ ist bei aller Formelhaftigkeit und der Vorhersehbarkeit seiner “Rettung in letzter Sekunde“- und “Törichtes Verhalten erzeugt Dramatik“-Momente dank seiner versierten Besetzung und der starken Settings nach wie vor auf der Plus-Seite des Serienbarometers. Vom Einsteigen mit Staffel 4 ist allerdings dringend abzuraten, um bei “The 100“ alles zu verstehen, muss man unbedingt auf Null.

The 100 – Staffel 4 Quelle: Warner

Guilt – Staffel 1: Molly Ryan ist tot, hingemetzelt am Ende einer feuchtfröhlichen Nacht. Die Suche nach ihrem Mörder beginnt und führt in allerhöchste Kreise bis in die königliche Familie. “Guilt“ spielt in London, der Unhold hat 17mal zugestochen, wie es sich für einen Meuchler in der Stadt von Jack the Ripper gehört.

Der Serie selbst merkt man vom ersten Augenblick an, wie gern sie eine von den Qualitätsserien wäre, wie sie die BBC regelmäßig herausbringt. Wie hier das Spritzen von Blut inszeniert wird oder die Kamera beim Passieren dunkler Tunnel in eine gekippte Position gebracht wird, das ist Ambition – aber ohne Vision. Immer wieder versuchen sich Dialoge und Popsongs gegenseitig in den Hintergrund zu schubsen, wobei das gesprochene Wort klingt wie vom Textcomputer ersonnen (“Trauer ist eine seltsame Sache. Sie ist etwas, dass du dir selbst gestatten musst.“).

Die Schauspieler – Cristian Solimeno etwa oder Emily Tremaine - sehen aus (und spielen) als wären sie frisch vom Laufsteg einer Modeschau herunter engagiert worden. Inmitten einer Enttäuschung, die stellenweise bis zur Ungläubigkeit reicht, sind wir aber trotzdem auch irgendwie froh. Darüber, dass es noch die ganz normalen durchschnittlichen bis doofen Serien gibt und nicht nur die edlen, unglaublich dramatischen und spannenden, die man bis zum Abspann der letzten Episode am Stück wegbingen muss und ohne die man sich leer und verloren fühlt.

Guilt – Staffel 1 Quelle: Sony

The Foreigner: Die Schlange könne man nur an einem Ende packen, sagt Pierce Brosnan als Liam Hennessy, nordirischer Deputy First Minister mit IRA-Vergangenheit. Packt man sie am falschen Ende, werde man gebissen. Sein Gegenspieler, der chinesischstämmige Quan (Jackie Chan), weiß aber, dass bei der Schlange der Schwanz das falsche Ende ist. Er will Rache nehmen für den Tod seiner einzig ihm verbliebenen Tochter, die bei einem Attentat der sogenannten Kern-IRA ums Leben kam, ein Kollateralschaden bei den Bemühungen der neuen Radikalen, den alten Konflikt zwischen Nordirland und England wieder blutig werden zu lassen.

Weil Hennessy mauert, dem Vigilanten keine Namen preisgibt und vor allem an der Wahrung seiner Position und Machtfülle interessiert ist, zieht Quan aus, um auf eigene Faust zu seinem Recht zu kommen. Er versucht,die Schlange an beiden Enden zu kriegen und wendet dabei Kampftechniken an, die er im Guerillakrieg der Vietcong gelernt hat. “Ein Mann sieht Rot“ trifft “Rambo“ in “The Foreigner“, einem soliden Actionthriller von “007 – Casino Royale“-Regisseur Mike Campbell. Der 63-jährige Jackie Chan führt seine immer noch überragenden Martial-Arts-Tänze diesmal ohne das übliche Augenzwinkern aus, die Treffer kommen hier hart und realistisch.

The Foreigner Quelle: Universum

Jigsaw: Fünf Leute in auswegloser Situation, gefangen von einem ultrawahnsinnigen Moralisten und Technikspezi, der seine Tüftelleidenschaft darauf verwendet, die verkommenen Subjekte in seiner Gewalt unsäglichen Torturen zu unterwerfen. Das kommt einem bekannt vor: Jahrelang wurden die immergleichen “torture porns“ der “Saw“-Reihe mit Erfolg ins Kino geworfen.

Sieben Jahre nach dem angeblich endgültigen Ende der eklen Events kehrte das Franchise zurück. Es gibt neue Opfer, die DNA des angeblich mausetoten Killers John Kramer wird an ihnen gefunden und während die Polizei konstant am Hellen vorbeitappt, blicken wir immer wieder auf die Leidens-und Sterbenswege der Gefangenen. Dabei fügt der neue Film den alten nichts Neues hinzu außer einer besonders dusseligen Neukonstruktion der alten Geschichte, einer alten Schlusspointe und neuen, bizarren Unappetitlichkeiten, die den Betrachter ob ihrer Überzogenheit seltsam unberührt lassen.

Die Schauspieler sind nicht erwähnenswert, die meisten spielen ihr Entsetzen unter aller Kanone, was zusätzliche Distanziertheit im Betrachter auslöst. Trotzdem wünscht man natürlich auch solch eindimensional gespielten Figuren nichts Böses. “Jigsaw“ von den deutschen Spierig Brothers, sägt an seinem eigenen Stuhl, Zeit, dass das aufhört. Endgültig.

Jigsaw Quelle: Studiocanal

Mein Engel: Das Kind heißt anders als die anderen: Mein Engel - und wie ein Engel ist er unsichtbar. Mein Engel ist der Sohn eines Illusionisten, der eines Tages nach einem Verschwindetrick nicht mehr auftauchte. Er wächst – behütet von seiner Mutter, unbemerkt vom Rest der Welt - heran und verliebt sich in ein blindes Mädchen, das von seinem Handicap nichts weiß. Eines Tages eröffnet sie ihm, mit einer Operation ihr Augenlicht zu bekommen, um ihn endlich sehen zu können. Ein Albtraum für den Engel.

Harry Clevens seltsame Liebesgeschichte über Sehen und Gesehenwerden wohnt etwas Märchenhaftes inne, zugleich etwas Voyeuristisches. Überdies ist der belgischen Produktion allzeit das geringe Budget anzumerken, die schauspielerischen Leistungen sind allenfalls passabel und die Erzählung hat kaum Handlung, entbehrt zudem jeder Plausibilität. Werden die Kleider des Unsichtbaren etwa ebenfalls unsichtbar oder geht Mein Engel textilfrei und barfuß durch die Welt?

Die Erzähler haben am Ende keine Botschaft, verfolgen keine Absicht, sie wollen allenfalls ein wenig laue Romantik verbreiten. Die Zeit ist weit besser genutzt, sich zum zehnten Mal Charlie Chaplins “Lichter der Großstadt“ oder Henry Kosters “Mein Freund Harvey“ anzusehen.

Mein Engel Quelle: Capelight

The Midnight Man: Drei Teenager tragen dicke Kerzen durch ein altes Haus. Gehen deren Flämmchen aus, müssen sie binnen zehn Sekunden wieder entzündet werden. Gelingt ihnen das nicht, müssen die drei einen Salzkreis um sich herum streuen. Gelingt ihnen wiederum auch dies nicht, holt sie – Pech! - der Schattenmann. Der sieht aus wie einer der Ringgeister aus Peter Jacksons “Herr der Ringe“ und hatte schon zwei Mitspieler des Schattenmannspiels geholt, als die nun demente, besorgniserregend sich daneben benehmende Oma ein Kind war.

Travis Zariwnys “The Midnight Man“ ist einer von jenen Horrorfilmen, die schrecklich sind statt gruselig. Der Regisseur und Autor weiß weder, wie man eine Geschichte erzählt, noch wie man Grauen erzeugt. Die Verfolgten konfrontieren das Wesen aus der Twilight Zone in allerhöchster Lebensgefahr mit albernen Vorwürfen wie: “Das darfst das nicht. Das wäre geschummelt“, so als spielten sie eine Partie Rommé.

Jedenfalls ist man als Zuschauer trotz allerhand Gesplattere öfter am Lachen als am Sich-Fürchten. Keinerlei Charakterzeichnung, höchst stussige Kommentare des Ungeheuers mit gutturaler Stimme und Robert Englund, der Freddie Krueger der “Nightmare on Elm Street“-Reihe, als Lockvogel für Horror-Afficionados, die sich hinterher schwarz ärgern, dass sie wieder mal mit der Starkarte reingelegt wurden.

The Midnight Man Quelle: Universum

Immigration Game: Ein Film über eine Welt, in der das Spektakel alles ist und wahre (christliche) Nächstenliebe verschwunden. Flüchtlinge nimmt in diesem Europa der Zukunft nur noch Deutschland auf - ein lächerliches Kontingent, das sich für eine Fernsehshow ins Herz von Berlin vorkämpfen muss. Erreicht ein Flüchtling den Fernsehturm, gibt’s den ersehnten Flüchtlingsstatus.

Unterwegs aber muss man an Banden von bewaffneten “Huntern“ vorbei, die die Lizenz zum Töten haben. Ein junger Deutscher, der einem der Verfolgten beisteht, wird selbst zum Kandidaten im Spiel und erlebt die Herabwürdigung des Menschen in der zur Arena gewordenen Hauptstadt. “Immigration Game“ treibt unser dehumanistisches Zeitalter auf die Spitze, und sagt, dass der Schoß noch fruchtbar ist, aus dem einst die Nazis krochen. Drohnen statt Engel am Himmel über Berlin, entmenschtes Pack auf den Straßen.

Ein Mix aus “Running Man“ und “Purge Night“, eine Verrohungsvision über ein zweites Drittes Reich, das aus Deutschland geworden zu sein scheint. Ein Film, dessen simple Botschaft hinter der Unwahrscheinlichkeit seiner Story und dem No-Budget-Look zurücktritt.

Immigration Game Quelle: Universum

Free Fire: Zwei Parteien 1978 in einem nächtlichen Warehouse. Ein Waffenhandel soll über die Bühne gehen, die Beteiligten sind nervös, kompensieren die Unruhe mit Aggressivität und Sprücheklopfereien. Dass der Verkäufer die falsche Gewehrsorte mitgebracht hat, und keinerlei Anzeichen von Reue zeigt, lockert die Pistolen. Ein Schuss ergibt den nächsten, und über die Dauer der 91 Minuten von “Free Fire“ werden die Beteiligten – darunter Sharlto Copley, Armie Hammer, Cillian Murphy und Brie Larson zu schier unkaputtbaren Kugelfängen. Besonders schlimm ergeht es dabei dem Prügelknaben Sam Riley.

Martin Scorsese war von dem Drehbuch von Amy Jump und Regisseur Ben Wheatley so begeistert, dass er als ausführender Produzent an Bord kam. Das Ergebnis aber lässt zu wünschen übrig, und schon bald hofft man, den Ganoven mit ihren Siebzigerjahre-Frisuren und –Klamotten mögen die Kugeln ausgehen. Das ist bei großen Waffendeals indes nicht zu erwarten. Dafür geht dem schwarzhumorigen, blutigen Kammerspiel im letzten Drittel die Luft aus.

Free Fire Quelle: Splendid

Von Matthias Halbig

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