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Kultur Müll und Mord - Der vorletzte Leipzig-Tatort mit Thomalla und Wuttke
Nachrichten Kultur Müll und Mord - Der vorletzte Leipzig-Tatort mit Thomalla und Wuttke
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09:43 14.02.2015
Martin Wuttke und Simone Thomalla passen nicht mehr ins Konzept des MDR. Quelle: Hendrik Schmidt
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Leipzig

Da war ein weiterer Fall bereits abgedreht. Es folgten noch die „Tatort“- Ermittlungen Nummer 20 und 21 mit dem Kripo-Paar, das mal ein Lebenspaar war, in Leipzig dann zum Ermittlerpaar wurde und seit einiger Zeit wieder zum Gefühlspaar zusammenrückte.

So gibt es denn auch wieder in der aktuellen Folge „Blutschuld“ so manche emotionale Andeutung, während jene plüschige Pension, in der einst Kommissar Keppler den einsamen Wolf machte, als Kulisse verschwunden ist. Dafür darf Kommissarin Saalfeld immer mal wieder durch Leipzigs Neon-Nacht-City kurven, was vermutlich hip wirken soll. Die Geschichte, die „Blutschuld“ ausbreitet, passt da allerdings nicht so recht rein. Immerhin geht es um Blutsbande, einen Übervater, eine schweigende Mutter und gedemütigte Kinder, die mit verwundeten Seelen das Vergessen und ein normales Leben probieren.

Das muss, was nicht nur erfahrene Krimiseher ahnen, irgendwann nach Sühne verlangen. So liegt denn eines Morgens der Abfallunternehmer Harald Kosen, ein aufbrausender, aggressiver Macher, erschlagen in seinem Haus. „Übertötet“, sagt Kommissar Wuttke und vermutet nach abwägenden Blicken ein persönliches Motiv.

Also rückt die Familie ins Zentrum. Kosens Ehefrau fällt aus, die Herzkranke lag im Krankenhaus. Sohn Patrick, gerade erst vor drei Wochen aus dem Knast entlassen, in den ihn der Vater gebracht hatte, lernt Koch, scheint etwas zu verschweigen, wirkt unsympathisch und auf Kommissarin Saalfeld nach der ersten Begegnung verdächtig. Tochter Sofie ist dabei, sich von Ehemann Frank zu trennen. Er ist in der Abfallfirma die rechte Hand ihres Vaters – und nicht gut auf diesen zu sprechen: „Er war ein cholerischer Despot.“

Kosens private Geldentnahmen ließen den Betrieb in Richtung Pleite gehen. Von Frank Bachmann erfahren die Ermittler auch von einem Unfall vor fünf Jahren, bei dem Harald Kosen die Tochter des Ex-Firmenmitgründers Christian Scheidt totgefahren hat. Diesen verdächtigt

Kommissar Keppler sofort nach seinem ersten Besuch im desolaten Haus am Fluss.

Christian Scheidt, von seiner Frau verlassen, arbeitslos, Alkoholiker, am Leben desinteressiert, hatte Harald Kosen mit Mord gedroht – und war am Mordabend bei ihm im Haus. Also ein klassischer Wer-war-es-Krimi, aufgeladen mit dem Psychogramm einer kaputten Familie.

Das zeichnet Stefan Kornatz (Buch und Regie) denn auch mit harten Strichen, besonders Natalie Rudziewicz (Sofie) fällt mit ihrer gelassenen Unruhe, ihrem Blickespiel, ihren dunklen Augen im bleichen Gesicht auf. Da entsteht ein verletzter Charakter, der alles hinter sich lassen will und doch von der Vergangenheit eingeholt wird.

Diese Natalie Rudziewicz ist so etwas wie eine Entdeckung, von denen es im „Tatort: Blutschuld“ sonst nicht allzu viele gibt. Uwe Bohm (Scheidt) macht seine Sache psychologisch wieder verdammt gut, während die Ermittler so blass bleiben, wie sie es zu oft seit Sommer 2007 waren. Ein knurriger Keppler, eine gurrende Saalfeld, die in den Verhören immer viel zu laut sind, das war’s.

Am 26. April ermitteln beide ein letztes Mal in der Folge „Niedere Instinkte“. MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt verspricht „etwas Ungewöhnliches“. Na ja – verwöhnt ist man ja auch nicht gerade vom Leipzig-Duo.

Norbert Wehrstedt

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