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Musical "Evita" startet verhalten in Dresden

Musical "Evita" startet verhalten in Dresden

Eine emotional ausgerichtete Inszenierung hatte Regisseur Bob Tomson angekündigt. Die Dresdner „Evita“-Premiere glänzte mit flotten Szenenwechseln in einer filmreif ausgestatteten Musical-Welt.

Leipzig. Echte Gefühle blieben aber fast die Ausnahme.

"Evita" – dieser Kosename der früheren argentinischen Präsidentengattin Eva Perón ist heute zur eigenen Marke geworden. Allein die Singleauskopplung "Don’t Cry For Me Argentina" aus dem Musicals von Andrew Lloyd Webber war 1977 ein Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. Künstler wie Tom Jones, Richard Clayderman, Sinéad O’Connor, Sarah Brightman oder Stefan Mross haben den Song in den letzten dreißig Jahren gecovert. Der Bühnenerfolg der anrührenden Geschichte um den Aufstieg des schauspielernden Models ist Legende - und wird allem Anschein nach eine wohldosierte Fortsetzung finden.

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Leipzig. "Evita" geht auf Deutschlandreise und kommt dabei vom 15. bis 20. Februar an die Oper Leipzig. Im Erfolgsmusical, das von Stars aus dem Londoner West End dargeboten wird, schlüpft Abigail Jaye in die Rolle der María Eva Duarte de Perón und zeichnet das Leben der argentinischen First Lady nach. Für die Shows in Leipzig suchen die Veranstalter noch eine 7- bis 11-jährige Gastsängerin.

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Die Produktion mit einem Ensemble aus dem Londoner West End, die in den nächsten Monaten durch Deutschland touren wird, ist zum Start in Dresden bereits zu großen Teilen ausverkauft. An die Tourneeorte Köln, Hamburg, München und Frankfurt schließt sich deswegen ein Gastspiel an der Leipziger Oper an, wie die Produzenten am Premierenabend bekanntgaben.

Wie am Schnürchen lief die Premiere von „Evita“ am Mittwochabend in Dresden ab. Fehlerlos intonierte das kleine, vierzehnköpfige Ensemble im Orchestergraben unter der Leitung des Dirigenten David Steadman. Sekundengenau spulte sich die Bühnenhandlung ab, senkten sich Säulen und verschoben sich Treppenelemente, auf denen sich der rauschende Aufstieg der männerverschleißenden Evita meist vollzog.

Glockenhell bis schneidend kalt klang die Stimme der Hauptdarstellerin Abigail Jaye. Mark Powell, der als Ché durch die Handlung führte, schöpfte sein Repertoire von zynischen Lachern und rüden Kommentaren ebenfalls aus. Mark Heenehan (Perón) präsidierte würdig durch die Szenerie und legte zum neu eingefügten Song "You Must Love Me" vorsichtig das massige Haupt in den grazilen Schoß der Gattin. Und noch der letzte Schluchzer vom Krankenbett der First Lady wurde skriptgemäß nach gut zwei Stunden Spieldauer in höchster Professionalität abgeliefert.

Ob Geheimdienstler in schwarzen Ledermänteln, rußgeschwärzte Gewerkschafter mit „Perón“-Transparenten, tanzende Hausfrauen in geblümter Schürze, weihrauchschwenkende Priester, betende Kinder und Militärs mit Stahlhelm – alle Mitwirkenden agierten konzentriert, flüssig – und ohne den leisesten ironischen Hauch, ohne doppelten Boden, ohne jegliche Möglichkeit der eigenen, persönlichen Auslegung dieser faszinierenden und gar nicht so glatten Geschichte.

Allein das Publikum im ausverkauften Rund der Semperoper wich etwas vom Drehbuch des perfekten Abends ab. Kaum, dass sich einmal jemand zum scheuen Szenenapplaus aufraffen mochte. Auch der Beifall am Schluss blieb freundlich-unbestimmt. Die meisten Emotionen gab es beim Abspann, als das Ergebnis vom WM-Halbfinale mit deutscher Niederlage eingeblendet wurde.

Weder Buhs noch Bravos, weder Getrampel noch begeistertes Geschnatter auf der Premierenfeier rief diese neue "Evita" hervor. Sie funktioniert als neues Rädchen im Getriebe der Gastspiel- Industrie, als Produkt von sorgfältig dosierten Investitionen und in Erwartung eines allerorten und gerade in Krisenzeiten zuverlässig strömenden Musical-Publikums – ohne Überraschungen, ohne größere Risiken. Willkommen in der Jetztzeit, Evita.

Die Tourdaten (Auszug)

6. Juli bis 25. Juli 2010: Semperoper Dresden

28. Juli bis 8. August 2010: Philharmonie Köln

10. bis 26. August: Staatsoper Hamburg

23. November bis 12.Dezember: Deutsches Theater München

15. Dezember 2010 bis 2. Januar 2011: Alte Oper Frankfurt

15. bis 20. Februar 2011: Oper Leipzig

Internet: www.evita-musical.com

Der Vorverauf läuft bereits. Karten gibt es unter Telefon 01805 2181-50, im LVZ-Stadtbüro in der Nikolaistraße 42 und in der Geschäftsstelle der Leipziger Volkszeitung im Peterssteinweg 14.

Martin Morgenstern, dpa

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