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Kultur Musik und Entertainment mit Gregor Meyle
Nachrichten Kultur Musik und Entertainment mit Gregor Meyle
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15:21 20.08.2017
Volle Parkbühne bei bester Stimmung. Auch die anfangs zurückhaltenden Herren werden im Lauf des Abends lockerer. Quelle: Fotos (2): André Kempner
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Leipzig

Romantisch ist sie, die Parkbühne hinterm Geyserhaus im Bretschneiderpark. Der Wind säuselt durchs Laub, Grillen zirpen, Bratwurst-Duft zieht durch die Abendluft. Aber da geht noch mehr. Deswegen verteilt eine junge Frau am Einlass vor dem Gregor-Meyle-Besuch am Samstag Knicklichter, „für die Romantik“.

Das Konzert dauert erst ein paar Minuten, da verdeutlicht ein Mitsing-Spiel die Zielgruppe des Abends. Meyle lässt ein „Oho“ zunächst von den Frauen im Publikum nachsingen, dann von den Männern. Letzteres führt zu beeindruckender Stille. Nicht, dass keine Männer da wären, nur mit dem Singen haben sie’s nicht so. Also fragt Meyle die Herren im Rund: „Wer von euch ist freiwillig da?“ Ein Witzbold ruft: „Ich nicht!“, und auch sonst bleibt diese oder jene Hand in der Hosentasche. Da sind anscheinend einige Chauffeure im proppevollen Areal.

Der Sänger ist Entertainer durch und durch, erkennt die Aufgabe und nimmt sie an. In flottem Wechsel sorgt er in seinen Songs für Seufzer (bei vielen Frauen) und zwischendurch für Lacher (bei allen). Er erzählt gern und viel. Zum Beispiel, wie toll er Leipzig findet („eine der schönsten Städte Deutschlands“) und bricht die Speichelleckerei mit dem Verweis, es gebe da auch noch Bad Salzuflen. Ausführlich stellt er immer wieder seine Musiker vor – „lauter Ronaldos“, „Champions League“. Tatsächlich spielt die Band oft zusammen, etwa in der Privat-TV-Show „Sing meinen Song“, der auch Meyle viel von seiner Popularität zu verdanken hat.

Die Herren und die Dame an den Instrumenten spielen sehr gut. Sie jagen Meyles Songs durch die Musik-Geschichts-Mühle. Raus kommt Funk („Und dann kommst Du“), Folk („Schau mich nicht so an“), Country („Pack Dein Scheiß“), Stadionrock („Niemand“) und jede Menge Jazz. Gelegentlich spielen die Musiker Klassiker kurz an – von Getz/Gilbertos „Girl From Ipanema“ über „Message In A Bottle“ (Police) bis zu Modern Talkings „Cheri Cheri Lady“. Die Virtuosen zeigen, was sie drauf haben. Überraschung: sogar ein Schlagzeug-Solo kann witzig sein – der Drummer streichelt die Felle zunächst so leise, dass er praktisch nicht zu hören ist. Mit steinerner Miene. „Beim Jazz muss man ernst gucken“, erklärt Meyle und kann sich dabei vor Grinsen kaum noch halten.

Nur selten lässt Meyle zwischen den Stücken den Spaß beiseite. Etwa, wenn er mit Verweis auf die weltpolitische Lage fordert: „Wir sollten freundlich zueinander sein“. Das könnte auch als Überschrift zu seinen Texten taugen. Die sind persönlich. Es gibt Mutmacher-Lyrik, etwa wenn er in „Hier spricht Dein Herz“ singt: „das Wichtigste ist/ behalt’ dein Lächeln im Gesicht“. Die Weisheit „es gibt niemand’, der Dein Leben für Dich führt“ (aus „Niemand“) könnte sicher in einem Glückskeks stecken. Aber Meyle gelingen auch originelle Bilder – „was wäre Frodo ohne Sam?“ fragt er in seiner Hommage an „Ganz normale Leute“. Die Reime in „Die Tapfere“ überschreiten die Grenze zum Kitsch („Liebevoll ist alles, was du tust/ Ich kenn’ kein’ Menschen tapferer als du“). Aber hey, das Lied schrieb der Mann für seine Mama, da darf er das.

Wenn Meyle singt, klingt er ein wenig nasal-vernuschelt. Das ist neben dem Hut sein Markenzeichen und wirkt oft markant, erinnert aber manchmal an Jan Delay. In immer neuen Varianten. Als Kreuzung aus Delay und Max Raabe in der Swing-Nummer „Wunder“, als Mix aus Delay und Gerhard Schöne in der Liedermacher-Ballade „Leichtigkeit des Seins“ und im Reggae-Stück „So bin ich“ als Hybrid aus Delay und … nun ja, Jan Delay.

Kurz vor Schluss bauen Meyle und die Band in den Song „Frei mit Dir“ einen rasanten Irish-Folk-Part ein. Jetzt tänzeln auch die Männer, die her mussten – bis hin zum netten Herren am Wurststand. Noch die Knicklichter zum Finale, dann feiern die Fans Meyle und Band durch den Zugaben-Block. Und so mancher der treuen Chauffeure wundert sich, wie schnell zweieinhalb Stunden herumgehen können.

Von Uwe Schimunek

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