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Nach dem Besucheransturm - die Buchmesse-Organisatoren denken über Änderungen nach

Nach dem Besucheransturm - die Buchmesse-Organisatoren denken über Änderungen nach

Die Leipziger Buchmesse wird immer mehr zur logistischen Herausforderung. Die Sicherheit der Besucher stehe an oberster Stelle, sagte Buchmessedirektor Oliver Zille.

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Beliebter Schwerpunkt: World of Manga in Halle 2 .

Quelle: Norman Rembarz

Auch weil man unbedingt den familiären Charme der Literaturveranstaltung retten will, werde nun über Veränderungen nachgedacht. Auf den Prüfstand kommt erst einmal alles.

Es gibt wohl nur wenige Veranstalter auf der Welt, die sich für Besucherrekorde rechtfertigen. Buchmessedirektor Oliver Zille ist so einer: Schuld sei das Wetter. "Kalte Luft und Sonne, das sorgt nach unseren Erfahrungen für den größten Zuspruch." Dabei gehe es ihm gerade nicht um Rekorde. "Ich bin ein Feind des Hypes. Ich weiß, was die Aussteller, die Fachbesucher und die Mehrheit der Besucher wollen: Es geht ihnen um Literatur. Und die Masse ist oft der Feind der Atmosphäre."

Die Buchmesse als Wimmelmesse. Wer sich insbesondere am Samstag auf Gedanken - sei es zwischen Buchdeckeln, auf Bildschirmen oder an Mikrofonen - einlassen wollte, hatte nur dann eine Chance, wenn er sich rechtzeitig einen Platz gesichert hatte und diesen nicht mehr verließ. Ansonsten trieb man im Strom, kaum möglich, irgendwo länger zu stranden. Im Gedränge könne sich der Besucher kaum auf das konzentrieren, worum es eigentlich gehen soll: die Literatur, schreibt ein Autor im Buchmesseblog des Deutschlandradios Kultur. "In den Gängen ist es inzwischen genauso voll wie in den Straßenbahnwaggons, nur dass die sich bewegen. Fantasyfiguren und Messebesucher in zivil halten sich inzwischen die Waage", heißt es da weiter.

Oliver Zille sieht das Problem ähnlich; es sind zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen: "Als Veranstalter bin ich natürlich begeistert über den Zuspruch. Aber in der Rolle des Lesers sieht man das komplett anders. Das fragt man sich: Würde man sich das antun?" Rund 168000 besuchten die Messehallen in diesem Jahr, über 4000 mehr als im Vorjahr. Zur Erinnerung: 1998, nach dem Umzug aus der Innenstadt auf die Neue Messe, kamen 47000. Zille spricht vom "Phänomen des süßen Breis", in Anspielung auf das Grimmsche Märchen. Darin geht es um einen Zaubertopf, der auf das Kommando "Töpfchen, koch" süßen Hirsebrei zubereitet und nicht mehr zu stoppen ist, weil das Zauberwort entfallen ist. "Wir wollen nicht das Zauberwort vergessen, andererseits auch nicht sagen, bleibt zu Hause, Kinder."

Nun gehe es darum, weiter am logistischen Konzept zu arbeiten. Bereits in diesem Jahr habe man hier personell kräftig aufgestockt. 190 Sicherheitsleute waren auf dem Messegelände im Einsatz. Von Hallenstreifen (uniformiert und in zivil), über Sicherheitspersonal zur Besucherführung bis zu Verkehrsreglern.

Zille: "Die Sicherheit der Besucher steht an erster Stelle." So etwas wie bei der Loveparade, wo eine Großveranstaltung viele Jahre reibungslos funktioniert - und plötzlich kommt es zu einer Katastrophe, habe man mit den Sicherheitsleuten intensiv diskutiert. "Die Glashalle war überfüllt, aber es gab zum Glück keine brenzligen Situationen. Dennoch muss dringend etwas getan werden." Es gehe um die Leipziger Atmosphäre, die man in einem Satz zusammenfassen könne: "Trotz dieses Auftriebs stellen wir eine familiäre Atmosphäre her. Das ist das höchste Gut, was Leipzig hat. Wenn wir das aufs Spiel setzen, ist die Messe gefährdet."

Darum wird nun über Entzerrungen nachgedacht, die Choreographie der Veranstaltungen, Auslagerung von Schwerpunkten. Einen Tag nach der Messe werde man sich nicht festlegen, aber auch nichts ausschließen, so Zille. "Dass wir uns für den Manga-Teil etwas überlegen müssen, liegt auf der Hand. Dass die Manga-Fans, egal, welche Halle man ihnen zur Verfügung stellt, immer ihre Kostüme in der Glashalle zeigen wollen, liegt auch auf der Hand."

Bei allem Gewimmel, bei aller logistischen Sorgfaltspflicht gibt es sie auch für Oliver Zille noch: die magischen Buchmesse-Momente. Da entdeckt er noch ihm unbekannte Autoren, verwickelt er sich in Gespräche oder sieht Bilder, die nachwirken. So wie am Sonntag, wo Kinder bis 12 zwischen 9 und 10 Uhr freien Eintritt haben. "Das sah ich ein kleines Mädchen, das lila vor sich hinleuchtete, aber nicht über den Kassentresen gucken konnte. Dann hob sie mit beide Armen ihr Lieblingsbuch hoch, und ich dachte: Allein für dieses Bild hat sich die ganze Messe gelohnt. Wir arbeiten 361 Tage für 4. Dann sind solche Momente auch für uns wichtig."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2013

Jürgen Kleindienst

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