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Nachruf zum Tode von Reiner Süß: "Da lag Leidenschaft drin"

Nachruf zum Tode von Reiner Süß: "Da lag Leidenschaft drin"

Reiner Süß war nie einer von den Leisen. Als Sänger mit hundert Nuancen lag von Anfang an in seinem Leben Musike drin. Am 29. Januar jedoch hat er sich, vier Tage vor seinem 85. Geburtstag, in einem Pflegeheim in Friedberg leise von der Welt verabschiedet.

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Reiner Süß 2010 in der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Erst jetzt ist sein Tod bekanntgeworden.

Das Licht der Welt erblickte Reiner Süß am 2. Februar 1930 im Chemnitzer Küchwald-Krankenhaus. Als er fünf Jahre alt war, erhielt sein Vater das Angebot, als Erster Direktor in die Zentrale der Konsumgenossenschaft nach Leipzig zu wechseln. Gewohnt hat die Familie in der heutigen Holbeinstraße 79 in Schleußig. Als der Knabe neun Jahre alt war, fuhr seine Mutter mit ihm zu Thomaskantor Karl Straube. Der würdige alte Herr befand, dass das Kind musikalisch sei, aber noch viel lernen müsse. Der Junge kam unter die Fittiche von Otto Erich Lindner, der so etwas wie eine graue Eminenz in Thomaner-Kreisen war. Ab 1940, Günther Ramin war neuer Thomaskantor, besuchte Süß die Thomasschule und war Mitglied des Thomanerchores.

Der junge Sänger erlebte die Bombenangriffe auf Leipzig, die Zerstörung der Oper, sämtlicher Theater und des Gewandhauses. Mit der Mittleren Reife ausgestattet verließ der 16-Jährige nach dem Krieg Schule und Chor, studierte privat, um Sänger zu werden. Erst freischaffend, dann fest angestellt sang der Bass im Rundfunkchor Leipzig. Seinem Leiter Herbert Kegel verdanke er viel, hat Süß immer wieder betont. Der international geschätzte Dirigent hat den späteren Kammersänger nicht selten für seine konzertanten Opernaufführungen in die Leipziger Kongreßhalle gelockt.

Nach Stationen an der Theatern in Bernburg und Halle wurde der Künstler 1959 als Bassbuffo an die Staatsoper Berlin unter den Linden verpflichtet, deren Ensemblemitglied er bis 1995 blieb. Er war der Falstaff in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Lortzings van Bett, Strauss' Ochs von Lerchenau, Wagners Beckmesser, Schostakowitschs Kowaljow in "Die Nase" ...

Und Dessaus Puntila. In seinen Erinnerungen schreibt Süß: "Der 15. November 1966 wurde zu einem wahren Treffpunkt der gesamten europäischen Musikwelt. Alle waren sie gekommen, Luigi Nono, Hans Werner Henze, Rolf Liebermann, Helene Weigel und viele andere bedeutende Leute, um zu erleben, wie Paul Dessau als Komponist und seine Frau Ruth Berghaus als Regisseurin mit Brechts ,Puntila' umgingen." Es war ein grandioser Erfolg.

Fortan gastierte Süß an Opernhäusern zwischen Stockholm und Moskau, Prag und Madrid, Warschau und Wien. 73 Partien hatte er im Repertoire, fast alles, was im komischen Bassfach sowie an modernen Charakterrollen vorhanden war. In 31 kompletten Funkopern wirkte er mit, und rund 500 Liederabende mit Musik des 17. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Kompositionen hat er gestaltet, bei reichlich zwei Dutzend Schallplatten mitgewirkt.

1968 übernahm er die aus dem am Leipziger Hauptbahnhof gelegenen "Haus der heiteren Muse" live gesendete Fernseh-Unterhaltungsshow "Da liegt Musike drin". 100 Sendungen waren es bis zum Schlusspunkt 1985. Freddy Quinn, Gitte Henning oder Peggy March waren zu Gast. Andy Borg hatte in Leipzig einen seiner ersten Fernsehauftritte. Helena Vondrácková, Karel Gott, Jiri Korn kamen. Neben Opernkollegen und allen, die in der DDR Chansons und Schlager sangen, waren Publikumslieblinge wie Helga Hahnemann, Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil präsent. Auch den Thomanerchor lud Süß immer wieder ein.

In einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte er: "Die Fernseh-Auftritte in ,Da liegt Musike drin' verschafften mir eine Bekanntheit und, so darf ich in aller Bescheidenheit hinzufügen, eine Popularität, die für einen Opernsänger höchst ungewöhnlich waren." 2010 erschienen im Lehmstedt Verlag seine Erinnerungen "Da lag Musike drin". Ein großer singender Komödiant ist nun gegangen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.02.2015

Rolf Richter

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