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Neue Ausstellung zeigt "Wagner bei Nacht"

Neue Ausstellung zeigt "Wagner bei Nacht"

Richard Wagner versperrt ihr den Weg. Überragt Katrin Bemmann um ein Vielfaches. Pechschwarze Nacht im Liebethaler Grund in der Sächsischen Schweiz. Mit der Taschenlampe leuchtet sich die 29-Jährige voran.

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Monumental, hart und heroisch: Wagner-Denkmal in München.

Quelle: Katrin Bemmann

"Dem Meister" entziffert sie auf dem Sockel. Am Denkmal aus dem Jahr 1933 baumelt ein Kränzchen in Schwarz-Rot-Gold. Damit sie die vier Meter hohe Statue fotografieren kann, muss Bemmann ihr Blitzlicht an einem langen Stab befestigen und sich auf die Zehenspitzen stellen - um jede Seite Wagners zu beleuchten. 150 Aufnahmen entstehen in dieser Nacht. Digital übereinandergelegt, ergeben sie ein Bild des in Bronze gegossenen Komponisten. Es wirkt wie fast alle, die Bemmann macht: monumental, hart und heroisch.

"Die meisten Künstler haben sich von der Musik leiten lassen", glaubt die studierte Fotografin, die sich historische Porträtaufnahmen Richard Wagners zum Vergleich nimmt und feststellt: "Je älter er wurde, desto freundlicher wirkt er." Bildhauer haben Wagners Stirnfalten bis zur Karikatur herausgearbeitet, die Dramatik seiner Werke auf seine Posen übertragen.

Gleichzeitig sind die elf Statuen, Büsten und Gedenktafeln, die Bemmann aufgestöbert hat, fast verborgen vor der Öffentlichkeit. Nur eine einzige in München wird beleuchtet. In Detmold weiß selbst die Stadtverwaltung nichts von ihrem Wagner. Bei der Suche helfen der Fotografin Google Maps und oft der Zufall. Bemmann beschönigt nichts. Lässt den Bayreuther Wagner im Regen stehen. Tropfen wischen über sein glattes Gesicht wie Tränen. Schnecken, Unkraut, abgebrochene Finger: Wagner ist in keinem guten Zustand. In Leipzig wurde seine Büste hinter der Oper versteckt.

"Ich glaube nicht, dass man sich seiner schämt", so Bemmann. Ein zwiespältiges Verhältnis zeigt sich aber deutlich in der Verehrung und gleichzeitigen Verbannung eines Denkmals.

Mit ihrem Freund reiste Bemmann im Sommer durch Deutschland. Mit Wanderstiefeln, Taschenlampe und Fotoapparat begab sie sich auf Wagners Spuren. Die Dramatik der Nachtszenen, die Verwitterung lässt den Musiker in einem neuen Licht erscheinen: "Ich war auf der Suche nach dem Menschen, nicht nur dem Monument."

Licht und Schatten, bei Bemmanns Fotos spielen sie eine so zentrale Rolle, dass sie Freunde den Auslöser drücken lässt, während sie durchs Unterholz kriecht und den Handblitz setzt. "Ich sehe mich als Lichtmalerin." Richard Wagner vom Podest herunterzuholen - damit verbindet sich ihre Arbeit mit der Stephan Balkenhols, dessen Darstellung des jungen Wagner vor seiner riesenhaften Silhouette am 22. Mai, dem 200. Geburtstag des Künstlers, in Leipzig eingeweiht wird. "Balkenhol setzt einen neuen Standpunkt: modern, komplett neu", sagt Bemmann. Leipzig mache Schluss mit dem Versteckspiel. "Das Leipziger Denkmal strahlt als erstes viel Witz aus. Wenn man lachen kann, fängt man an zu überwinden."

Ab morgen, 20 Uhr, ist "Wagner bei Nacht" im Kulturkaffee Plan B zu sehen, Härtelstraße 21 in Leipzig; www.photo-graefin.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2013

Conrad Ziesch

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