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Neuer Flugversuch - "La Rondine" eröffnet Puccini-Wochen an Deutscher Oper Berlin

Neuer Flugversuch - "La Rondine" eröffnet Puccini-Wochen an Deutscher Oper Berlin

Alle Inspiration geht vom Textbuch aus. Für Giacomo Puccini galt dieser Grundsatz seit seinem Durchbruch mit "Manon Lescaut" 1893 - mit einer Ausnahme: "La Rondine", "Die Schwalbe", komponiert in die Wirren des Ersten Weltkriegs hinein und uraufgeführt 1917 in Monte Carlo, zu diesem Werk wurde er gezwungen - mit Geld: 400.000 Gulden hatte ihm die Leitung des Wiener Carl-Theaters für eine Operette geboten, nach heutiger Kaufkraft ein Millionenbetrag.

Berlin. Da konnte der mit Hingabe den schönen Seiten des Lebens zugetane Komponist har nicht anders als zuschlagen. Und doch kam alles anders. Erst orientierte Puccini selbst sich stilistisch neu, wollte "eine Art Rosenkavalier komponieren, allerdings unterhaltsamer und geschlossener". Dann trat Italien auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein, und an eine Uraufführung in Wien war nicht mehr zu denken. Das Ergebnis gibt Puccini-Verächtern bis heute Nahrung und bringt Bewunderer noch immer in Erklärungsnöte.

Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach, wie der neueste Belebungsversuch der flügellahmen Schwalbe am Sonntagabend als Auftakt zu den Puccini-Wochen in Berlins ausverkaufter Deutscher Oper beweist: Beim einfältigen Libretto, vom "Turandot"-Texter Adami nach Lehárs Verseschmied Willner gedengelt, sollte man sich nicht weiter aufhalten. Zu wenig Leben herrscht in dieser seltsamen Melange aus Traviata und Fledermaus mit Besuchen von Manon und Bohème.

Berlin. Alle Inspiration geht vom Textbuch aus. Für Giacomo Puccini galt dieser Grundsatz seit seinem Durchbruch mit "Manon Lescaut" 1893 - mit einer Ausnahme: "La Rondine", "Die Schwalbe", komponiert in die Wirren des Ersten Weltkriegs hinein und uraufgeführt 1917 in Monte Carlo, zu diesem Werk wurde er gezwungen. "La Rondine" in der Regie Rolando Villazóns eröffnet die Puccini-Wochen an Berlins Deutscher Oper.

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Wenn dieses Werk eine Existenzberechtigung hat, dann erwächst die einzig aus der wunderbaren Musik, die der reife Puccini den untauglichen Versen zu Füßen legte. Und so beschränkt sich auch Rolando Villazón, einst gefeierter Ausnahmetenor, mittlerweile auch als Krimi-Autor und KiKa-Juror so aktiv wie erfolgreich, bei seinem Berliner Regie-Debüt weitgehend darauf, den herrlichen Melodien, der kühnen Harmonik, der raffinierte Instrumentation einen halbwegs plausiblen szenischen Rahmen zu schenken.

Nun ja, ein wenig möchte auch er als Regisseur wahrgenommen werden. Also schubste er die Handlung von den glitzernden 1850ern in Paris in die 1920er, so überziehen allerlei Magritte-Zitate das Bühnenbild Johannes Leiackers, behauptet Villazón mit drei gesichtlosen Pantomimen so etwas Ähnliches wie kruden Rätselhaftigkeit. Was der mauen Bühnenhandlung ebenso wenig hilft, wie es der Musik schadet. Dafür ist Villazón Profi genug - schließlich kennt er die Bedürfnisse der Oper vor allem von der Sängerseite aus. Da allerdings müssen, soll "La Rondine" eine Zukunft haben, die Allerbesten stehen. In Leipzig waren sie, als die Oper den Exoten als Beitrag zum Puccini-Jahr 2008 (Regie: Immo Karaman, Dirigent: Roger Epple) auf die Bühne brachte, nur gut - in Berlin sind sie nun nur besser.

An Aurelia Florian als Edel-Kurtisane Magda herumzukritteln, verbietet sich eigentlich. Denn die Sopranistin sprang erst vier Tage vor der Premiere für die vergrippte Dinara Alieva ein. Gemessen daran macht sie mit ihrem farbsattem Organ ihre Sache fabelhaft. Und doch: Wie viel mehr kantable Schönheit steckt in ihren sinnlichen Arien, den lasziven Duetten, die Puccini punktgenau zwischen Nostalgie und Moderne klemmte. Ein Befund, der auch für Charles Castronovo gilt, der dem entflammten Landei Ruggero seinen Bronze-Tenor leiht - und dabei enttäuschend blass bleibt. So lässt sich das hohe Paar vom komischen ein ums andre Mal die Schau stehlen. Àlvaro Zambrano als reimender Schwerenöter Prunier und Alexandra Hutton als Lisetta: Buffo-Geplapper und lyrischer Schmelz, Charme und Schnauze, alles da. Was auch für die Nebenrollen gilt und den Chor.

Im Prinzip auch fürs delikat funkelnde Orchester der Deutschen Oper. Doch Roberto Rizzi Brignoli versteht seine Arbeit am Pult allzu ausschließlich als Dienstleistung am singenden Personal, wodurch die sinfonischen Delikatesse der Partitur oft auf der Strecke bleibt. Immerhin sind Höhepunkte wie das auftrumpfende Concertato am Ende des zweiten der drei Akte, subtil ausbalanciert.

Das alles reicht für ziemlich ausführlichen Jubel nach rund zweieinhalb Brutto-Stunden an der Bismarckstraße. Den gab es auch nach der Uraufführung, gab es eigentlich immer wieder, wenn "La Rondine" mal wo durch den Spielplan flatterte, auch 2008 in Leipzig. Ob es reicht, der Schwalbe auf Dauer einen Platz im Repertoire zu sichern, wo viele Opern mit untauglichen Textbüchern Platz finden, muss die Zukunft zeigen.

Vorstellungen Rondine: 12., 14., 18., 27. März 2015; / 20., 24., 30. März. Puccini-Wochen mit Vorstellungen von "La Bohème", "Madama Butterfly", "La fanciulla del West", "Tosca" und "Turandot bis 11. April; Karten und Infos: www.deutscheoperberlin.de; In der Oper Leipzig feiert am Samstag "Madama Butterfly" Premiere, Aufführungen: 22., 28.3., 11., 18.4., 23.6.; Karten und Infos: Tel. 0341 1261261..

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.03.2015

Peter Korfmacher

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