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15:54 30.09.2018
Unheil im Anflug: MacNamara (Armin Zarbock) ahnt nicht, was mit Scarlet (Elena Weiß) auf dem Rücken des Stewards (Stephan Thiel) auf ihn zukommt. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Dieser Mister MacNamara hat’s nicht leicht. Im Berlin Anfang der 1960er ist er immer noch von deutschen Angestellten umgeben, die den nationalsozialistisch geschulten Drill nicht ablegen können. Außerdem werden dauernd Coca-Cola-Flaschen in den Ostsektor geschmuggelt, ohne dass die leeren Flaschen zurückkommen. Das ist allerdings gar nichts im Vergleich zu dem, was auf den amerikanischen Top-Manager noch zukommt – in Gestalt der lebens- und liebestollen Scarlett. So nimmt Billy Wilders „Eins, zwei, drei“ Fahrt auf. Für die Inselbühne hat Volker Insel die irrwitzige Filmkomödie ins Theatrale adaptiert. Am Freitag feierte „Zack, zack, zack“ die minutenlang beklatschte Premiere.

Sollte sich herumsprechen, was für ein fabelhaftes Vergnügen dem Leipziger Regisseur und seinen Schauspielern gelungen ist, dürfte die Inszenierung locker den Ruhm der Hollywood-Vorlage übertreffen. Zumindest den von 1961, denn zunächst floppte das Meisterwerk, weil der Mauerbau dem (potenziellen) Publikum den Spaß verdarb. Dabei sprüht der Schwarzweiß-Film nur so vor satirischen Volltreffern und Spieltempo. Insel hat die Stärken der Komödie verlustfrei hinüber auf die Bühne gezogen – und zusätzlich aus einer Notwendigkeit eine Spielidee gemacht: Wenn sich Elena Weiß, Britta Boehlke und Stephan Thiel für ihre vielen rasend schnellen Rollenwechsel umziehen und damit gelegentlich witzige Spielverzögerung verursachen, tun sie das vor den Augen des Publikums, abgetrennt von der Szenerie nur durch einen Vorhang aus Styropor-Kugeln. Einrichtungstechnisches Zwinkern Richtung antifaschistischer Schutzwall, der die Reise zum Brandenburger Tor kurz nach dem Wilder-Dreh deutlich schwieriger machte als es das Liebespaar Scarlett und Otto hat.

Auf die in Berlin urlaubende Scarlett sollte MacNamara, zuständig für die Verbreitung von Coca-Cola, ja eigentlich aufpassen, schließlich ist sie die Tochter seines Chefs. Doch 24 Stunden bevor ihre Eltern aus den Staaten anreisen, stellt sich heraus, dass die aufgedrehte Göre einen heißblütigen Jungkommunisten geheiratet hat und schwanger ist.

Um seine Karriere zu retten, bleibt MacNamara nur eins: Innerhalb kürzester Zeit hat sich der widerspenstige Kulturbolschewik in einen vorzeigbaren Schwiegersohn zu verwandeln. Ganz nebenbei muss MacNamara seine Ehefrau und seine Affäre, Sekretärin Ingeborg, bei Laune halten.

In den rund 100 Minuten hagelt es Hiebe auf Nazi-Vergangenheit, siegermentalen Größenwahn der Alliierten und Wirtschaftskungelei. Hier und da lässt Insel Lokalkolorit schimmern – in die Aufzählung von Clubs der Arrivierten wie Rotary und Lions gerät die Initiative Leipzig + Kultur, Sprachrohr der Freien Szene.

Umwerfend ist Zarbock als autoritärer und an den Umständen leidender Vertreter des Großkapitalismus. Und egal, zwischen welchen Rollen Weiß, Boehlke oder Thiel hin und her flitzen, sie machen das brillant, geben den vielen Figuren Eigenheiten in Sprache und Gestus. Als sich die Vier glücklich zum Schlussapplaus verbeugen, fragt man sich unwillkürlich: Wo sind all die anderen?

Kein Zweifel: Die Inselbühne hat einen adäquaten Nachfolger des abgespielten Dauerbrenners „Der Gott des Gemetzels“. Also nix wie hin – zack, zack, zack!

Weitere Aufführungen am 30. 9. (Sonntag) sowie 5., 6. und 7. Oktober, jeweils 20 Uhr in der naTo; Karten unter www.nato-leipzig.de.

Von Mark Daniel

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