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Kultur TV-Entertainer Olli Schulz macht wieder Musik
Nachrichten Kultur TV-Entertainer Olli Schulz macht wieder Musik
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09:57 13.02.2018
Schulz aus der Box: Der TV-Moderator Olli Schulz hat wieder mal den Songwriter in sich bemüht. Den Albumtitel „Scheiß Leben, gut erzählt“ relativiert er – das kleine Glück ist durchaus greifbar. Quelle: Foto: dpa
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Hamburg

Olli Schulz geht stets dahin, wo es weh tut – oder weh tun kann. Das TV-Format „Schulz In The Box“ lockte ihn einmal in den Knast, wo er den versammelten Verbrechern zum Abschied seines Besuches eines seiner traurigen Ständchen über falsche Entscheidungen und richtige Verlierer darbrachte. Statt aggressiver Buhrufe oder böser Kloppe gab es dann allerdings zu aller Überraschung freundlichen bis euphorischen Applaus.

„Recording Artist“ seit 15 Jahren

Der Mann beweist Mut. Als viel gebuchter Halligalli-Clown für Radio, TV und Film tarnen sich seine ernsthaften Absichten meist hinter klamaukigen Auftritten. Doch Oliver Marc Schulz, 1973 im unterkühlten Hamburg geboren, ist nicht nur ein juxiger Moderator, ein quietschfideler Schauspieler oder ein drolliger Selbstdarsteller, sondern auch, das wird oft vergessen, vergnüglicher Musiker. Damit begann alles, nahm die trubelige Karriere ihren Anfang, wurde Oliver Marc zu Uns Olli.

Seit 15 Jahren bereits veröffentlicht der allseits beliebte Herr Schulz regelmäßig Alben, erst mit dem Hund Marie (der eigentlich Max Schröder heißt, Schlagzeuger ist und gar nicht bellen kann), später solo mit wechselnden Begleitern. Auf spaßig verreimte Titel wie „Brichst Du mir das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine“ oder „Feelings aus der Asche“ folgt nun „Scheiß Leben, gut erzählt“ – letztlich das Thema, dem alle seine Veröffentlichungen verpflichtet sind.

Das „Scheiß Leben“ kann einen auch selbst erwischen

Das „Scheiß Leben“ ist nicht nur das der anderen, sondern kann einen auch selbst erwischen – diese Erfahrung musste der Mittvierziger Schulz schon öfter machen. Wobei die Schreibweise „Scheiß Leben“ ja behauptet, dass das Leben permanent und generell so ist, was der Betroffene und Beurteilende in seinen zehn sehr konkreten und persönlichen Song-Beobachtungen nicht so vehement und absolut bestätigen will. Es gibt immer noch Hoffnung, einen Ausweg. Doch dazu später. Denn erst ist da das Lamento zu forschen Beats und ruppigem Rappen.

Die Klage wird in den ersten drei Songs zur (Selbst-)Anklage: Was passiert ist, ist blöd, aber – selbst schuld! Zwar nicht an allen, aber doch an vielen Irrfahrten des Lebens. Eine Flucht in die Nacht mit Party, Drogen und Sex wie in „Wölfe“ ist eine erste, aber schlechte, weil wenig nachhaltige Alternative, doch der Dub-Reggae-Rhythmus und die Bläser sind in ihrer zugedröhnten Heiterkeit zu verlockend. Eine Reparatur nach diagnostiziertem Schaden steht bei „Junge Frau sucht ...“ unvermeidlich an – dass sie grundsätzlicher ausfallen muss, ist schnell klar, da hilft auch kein beschwingter Gitarrenpop.

Alles Üble wird sachgerecht und stimmgewaltig entsorgt

Die Empfehlungen für ein besseres Leben sind zum Ende des Albums hin einfach: selbst anpacken, das kleine Glück greifen, bevor es sich wieder verdrückt. Und das geht so: Nach einem reizenden Abend mit wahren Freunden das falsche Leben, die Schulden, das Pech, die Niederlagen, die Kränkungen sachgerecht und stimmgewaltig entsorgen: „Schmeiß alles rein, schmeiß alle raus / Schmeiß alles rein, mach was draus“.

Dann bleibt nur noch, bei allen künftigen Herausforderungen die inneren Werte dem äußeren Schein vorzuziehen, denn: „Nicht alles, was gut aussieht, ist in Wirklichkeit so toll“, das gilt natürlich insbesondere bei der Wahl des Partners.

Zu bemüht heterogen sind die Songs

Nach einer halben Stunde ist Olli Schulz fertig mit dem „Scheiß Leben“. Er hat als klampfender und klagender, rockender und rappender Liedermacher alles gegeben – und doch nicht vollends überzeugt. Zu bemüht heterogen sind die Songs, zu beliebig die Gäste (wie die professionellen Textaufsager Linda Zervakis und Bjarne Mädel), zu berauscht vom eigenen Können der Produzent Moses Schneider.

Nehmen wir das Album als kühnes Experiment mit schwieriger Versuchsanordnung, das seinem Anspruch: „Scheiß Leben, gut erzählt“ nur zum Teil gerecht wird. Und das liegt in diesem Fall nicht nur am beschissenen Leben

Von Oliver Seifert/RND

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