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Neues Puhdys-Album: Choräle, Glöckchen und Gitarren

Neues Puhdys-Album: Choräle, Glöckchen und Gitarren

Aber: Ist das denn überhaupt ein Album der Puhdys? Immerhin stammt keines der neuen Stücke aus dem Haus von Birr, Hertrampf und Meyer. Allein sieben schrieben Michael Sellin (Text) und Rainer Oleak (Musik, Ex-Datzu-Gründer, heute vor allem Filmkomponist), von Dieter Birr kommen lediglich die neu aufgenommenen Lieder von den beiden ersten Weihnachtsalben.

aufgenommenen Lieder von den beiden ersten Weihnachtsalben. Was nun sicher gleich wieder die Gerüchte schürt, die Puhdys dächten ans Aufhören. Immerhin klang der Titel der letzten CD "Es war schön" schon ein bisschen nach Abschied, werden Dieter Birr und Dieter Hertrampf im nächsten Jahr 70. Womit sie im Alter von Mick Jagger ankommen, der diesen Sommer allerdings noch den Hyde Park rockte.

Anders als auf anderen Puhdys-CDs sind auf "Heilige Nächte" allerdings nicht nur die Texter und Komponisten, sondern auch die Sänger. Erstmals singt Klaus Scharfschwerdt 32 Jahre nach "TV-Show" (Album "Computerkarriere") wieder einmal einen Song. Erstmals nimmt sich Dieter Birr so weit zurück, dass er nur noch die sechs älteren Stücke singt. Dafür rückt Dieter "Quaster" Hertrampf nach vorn, allein und mit seiner 15-jährigen Tochter Kimmy. Das Hit-verdächtige überaus eingängige "Alle diese Jahre" ist denn auch die ausgekoppelte Single: Liebeslied eines Vaters an seine Tochter, die erwachsen wurde, und Liebeserklärung der Tochter an ihren Vater, weil er ihr geholfen hat, groß zu werden.

Beschaulich und besinnlich ist vieles, muss ja zur Weihnachtszeit passen, rockig wenig. Da geht "Mach dir um mich keine Sorgen", das Lied über das Ende einer Liebe, schon als verdammt flott durch. In "Heimkehren" haben die Puhdys sicher die Verbindung von gefühliger Innerlichkeit und geradem Uptempo am besten hinbekommen.

Klar klingelt bisweilen auch Sterne-Kitsch und Herzens-Pathos ganz kräftig mit, geht gern der Gesang von Meer und Wind und Bildern, in denen Lichter leuchten und Flocken fallen. Wenn es allerdings so klingt wie in "Öffne mein Herz", hört man's immer gern.

Mit der weich schmirgelnden Stimme von Dieter Hertrampf, der bereits "Alt wie ein Baum" zum Allzeit-Hit wachsen ließ, kommt auch eine etwas andere Farbe in die Puhdys-Musik. Was mit Dieter Birr sicher alles kratzig und kantig, roh und rau geklungen hätte, klingt bei "Quaster" samtig und satt, eher brüchig und romantisch als vom Rock getrieben. Wenn Klaus Scharfschwerdt dann zu "Ich seh dich, hör dich, fühl dich" ansetzt, ist das, als nehme die alte "Computerkarriere", einst vom NDW-Wind angeschoben, noch mal Fahrt auf. Ganz wörtlich, denn Scharfschwerdt treibt ganz schön - und nicht nur an den Drums.

Sehr gelungen: das emotionale "Stolz" an den Enkel, mit Klavier-Intro, und "Gemeinsam stark", das wie ein Benefiz-Song aus jener Zeit arrangiert ist, als Musiker für Afrika gemeinsam in die Studios gingen. Melodisch geht das einfach ins Ohr, für die José Carreras Gala wäre es der beste Opener von der Welt gewesen. Etwas sehr simpel und arg harmoniesüchtig - mit himmlischem Engelschoral am Anfang - "Und er lauscht den Melodien", das Lied vom Obdachlosen, der seine harten Zeiten bei Gottesdienst und Glocken glatt vergisst. Einfach nur schön in seiner Stimmung: "Morgendämmerung", auch wenn die lyrischen Text-Metaphern nicht nur ein wenig gewöhnungsbedürftig sind.

Die sechs neu eingespielten Songs von "Dezembertage" und "Dezembernächte", die ja nun wirklich echte Puhdys-Produkte sind, wurden hörbar entschlackt, oft bescheidener und akustischer instrumentiert. Prächtig gelungen ist das mit dem gar nicht so sehr gefühligen "Stille Heilige Nacht". Hinter dem Klavierbeginn liegen nun Streicher (vermutlich vom Keyboard), zu den Gitarren gibt es zartes Geklingel, ein paar keltisch klingende Akkorde, während Dieter Birrs Stimme den Text lang zieht. Was er auch in "Dezembertage" macht. In "Weihnachten war damals spektakulär" wurden die Glöckchen entfernt, dafür treiben die Drums stärker, in "Halleluja" gibt es Chor statt einer Orgel, während "Große Herzen" einfach pochen wie damals.

Puhdys: Heilige Nächte, Universal; am 5. Januar 2014, 17 Uhr, in der Arena Leipzig

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2013
Norbert Wehrstedt

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