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Nuancierte Gestaltung - Matthäuspassion von Gewandhaus und Thomanerchor

Nuancierte Gestaltung - Matthäuspassion von Gewandhaus und Thomanerchor

Mit geschlossenen Augen und tief versunken lauschen viele der Zuhörer Bachs Matthäus-Passion. Die traditionsreiche Konstellation aus Thomanerchor und Gewandhausorchester hat am Gründonnerstag und Karfreitag wieder das Werk in die Thomaskirche gebracht, das Bach dort 1727 erstmals aufführte.

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Der Ex-Thomaner Michael Gläser dirigiert die Thomaner.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Kein Wunder also, dass das Konzert ausverkauft ist und die internationalen Besucher zahlreich sind.

In der monumentalen Matthäus-Passion, neben der Johannes-Passion die einzige vollständig erhaltene Bachs, sind neben den Gesangssolisten zwei Chöre und zwei Orchester beschäftigt. Unter der Leitung des für den erkrankten Thomaskantor Georg Christoph Biller eingesprungenen Michael Gläser wird die Aufführung zur runden Sache: Der Chorklang ist ausgewogen und mischt sich bestens mit dem Gewandhausorchester. Auch die Solisten sind stets präsent. Im wiegenden Eingangschor schon beweisen die Thomaner auf der Chorempore, wie differenziert man Text musikalisch ausgestaltet kann. Das setzt sich in den vielen Chorälen um "O Haupt voll Blut und Wunden" fort, in denen der Chor die verschiedenen Empfindungen hörbar macht. Zwischen den beiden Polen lebendiger Erregung und inniger Betrachtung gibt es viele Facetten. Großen Klang, wenn auch kein Erbeben der Kirche, erreichen die Thomaner in "Sind Blitze, sind Donner" und in der Rolle als aufgepeitschte Volksmassen.

Das Gewandhausorchester fügt sich dezent in die Choräle und verleiht Jesus den Heiligenschein aus Streicherakkorden, den Arien mit begleitenden Flöten- oder Oboenpaaren schöne Klangfarben. In der Sopran-Arie "Aus Liebe will mein Heiland sterben" vereinen sich Holzbläser und Sopranistin Ute Selbig homogen. Besonders berührt die Solo-Violine mit weichem Klang und beiläufigen Verzierungen in der Alt-Arie "Erbarme dich, mein Gott", gesungen von Altus Damien Guillon. Nur von der Continuo-Gruppe hätte man sich eine noch nuanciertere Gestaltung gewünscht.

Wie Gläser sind auch einige der Solisten ehemalige Thomaner. Martin Petzold etwa, der die Rezitative des Evangelisten mit warmem Klang und sensibler Textgestaltung formt. So richtig Fahrt nehmen die Rezitative aber erst im zweiten Teil der Passion auf, wenn Petzold Spannung und Tempo der Handlung wunderbar steigert, indem er gehetzt in den Schlussakkord der vorherigen Nummern einfällt. Er nutzt auch die vielen Möglichkeiten der Textvorlage bestens, um Verachtung, Leiden oder Trauer auszudrücken.

Als Arien-Tenor bewährt sich Martin Lattke. Volltönender als alle anderen Solisten und mit stolzer Klangpracht verschafft Bass Panajotis Iconomou seinem Jesus vom ersten Wort an Gehör. Die schlankere Stimme von Arien-Bass Thomas Laske kommt bei schlichten Arien wie "Komm, süßes Kreuz" gut zur Geltung und verleiht Pilatus in den Rezitativen Kraft und Autorität.

Wenn man nun am Ende der dreistündigen Passion wieder die Beine ausstrecken kann, muss man sich in Erinnerung rufen, dass die beiden Teile zu Bachs Zeiten noch eine einstündige Predigt einrahmten. Wegen der Länge der Passion gab es allerdings damals Ärger für Bach, in dessen Vertrag festgehalten war, "dass die Musik nicht zu lange währen und nicht zu opernhaftig herauskommen" darf.

Da die Matthäus-Passion in Stille endete und das Klatschen nicht erwünscht war, nun also an dieser Stelle ein heimlicher Applaus! Anja Jaskowski

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2014

Anja Jaskowski

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