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Ohne Leipzig wäre Wagner-Reloaded undenkbar

Ohne Leipzig wäre Wagner-Reloaded undenkbar

Neben den internationalen Stars spielen aber auch Künstler aus der Heimatstadt des Komponisten eine tragende Rolle. „Wagner-Reloaded wäre ohne Leipzig nicht denkbar“, erklärt Seyffert.

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Wagner Reloaded in der Arena Leipzig 2013

Quelle: Andreas Döring

So stehen neben ihm, dem Hauptdarsteller, auch Solisten des Leipziger Balletts auf der Bühne. Hinzu kommen gut 50 Tänzer aus der Messestadt, die für Proben und Auftritt ihre Freizeit opfern. 30 dieser Laien tanzen regelmäßig an der hiesigen Musikschule „Johann Sebastian Bach“, 15 kommen von der Tanzschule Flugfisch, weitere Darsteller besuchen Kurse im Kulturklub Anker und im Tanzstudio Elements.

Im Januar vergangenen Jahres lud Gregor Seyffert die Leipziger zum Vortanzen für Wagner-Reloaded ein und war von der Energie der Musikschüler begeistert. So begeistert, dass er ihnen die Choreografie regelrecht auf den Leib schneiderte. „Er ist ein ungeheurer Motivator, und kann das Letzte aus seinen Leuten herauskitzeln“, so Beate Gehrisch von der Bach-Musikschule. „Er schafft es, alle zu faszinieren.“ Teilweise wurde von Freitagnachmittag an das ganze Wochenende hindurch geübt. „Da wurden Jahresurlaube für geopfert.“

Ein solches Pensum kann Patricia Hoffmann ihren jungen Tänzern jedoch nicht zumuten. „Vor der Arena proben wir zwei Mal in der Woche jeweils für eineinhalb Stunden. Und das über drei Wochen.“ Bei ihren Schützlingen sitzt die Choreografie noch vom vorherigen Durchgang, letzte Unsicherheiten werden derzeit aus dem Weg geräumt. Ob es denn schwer sei, die jungen Tänzer zu motivieren? „Die Kinder bringen von sich aus eine solche Begeisterungsfähigkeit mit. Sie haben keine Befindlichkeiten wenn es mal nicht so toll aussieht“, lobt Hoffmann ihre Elf. „Aber“, schränkt die bühnen- und fernseherfahrene Tänzerin ein, „wenn es nicht funktioniert, dann werde ich auch zickig. Besonders wenn sie quatschen.“ Geben ihre Schüler auf, werde sie unleidlich. „Ich kann aber auch nett sein“, versichert die die Wahl-Leipzigerin umgehend. Die Proben sind derweil weit fortgeschritten, ein Wochenende bleibt noch. „Ich habe nicht mehr soviel Angst wie im vergangenen Jahr“, betont Inir, „aber trotzdem mache ich mir natürlich ein wenig Sorgen, das irgendwas schief geht.“

Rückschlag im Vorjahr

Dass die Dinge schief gehen können, mussten die Macher von Wagner-Reloaded 2013 erfahren. Wegen des enormen Zuspruchs bei der Erstaufführung im Sommer sollte es im Herbst eine Zusatzveranstaltung geben. Doch keine zwei Wochen vor der Show brachen Unbekannte in die Lagerräume des Veranstalters ein. Dabei zerstörten sie neben Kostümen auch Requisiten, Teile des Bühnenbilds und der Technik. „Das war schon ein herber Schlag“, erinnert sich Gregor Seyffert. Die Herbst-Veranstaltung wurde abgesagt. Für die aktuelle Show musste vieles neu angefertigt werden, darunter auch Masken sowie Kostüme der Künstler Sabine von Oettingen und Louis Fleischauer, der unter anderem für die Apocalyptica-Outfits verantwortlich zeichnet. Letzteren hat von Oettingen 2012 auf dem WGT aufgetan. „Sie hat ihn mir dann vorgestellt“, erzählt Seyffert. „Einige seiner Entwürfe gehen etwas weit, aber für die Show haben wir dank ihm genau die Kostüme, die zu meinem Konzept passen.“ Das Leipziger WGT hat so in gewisser Hinsicht einen Anteil am Gesamtwerk Wagner-Reloaded.

Die Kostüme treiben derweil auch die jungen Tänzer und Schauspieler von Patricia Hoffmann um. „Ich habe so eine Perücke aus Leder auf, mit einem Irokesen“, beschreibt Inir, „und meine Sachen sind so durchlöchert.“ „Das findest Du nicht schön?“, will Hoffmann wissen. „Doch!“ Aber, und hier sind die Kinder wiederum erstaunlich professionell, wenn man darin tanzen müsse, „dann hindert es manchmal ein bisschen.“

Die Freude der Kinder am Tanz

Der elfjährige Darsteller des jungen Wagners im Vorjahr meinte nach der Premiere, er wolle nun unbedingt Tänzer werden. „Leider fällt er wegen einer Krankheit in diesem Jahr aus. Seinen Part als Wagner übernimmt jetzt Aaliyah“, so Hoffmann. All ihre Schützlinge hätten großes künstlerisches Talent, ist die Probenleiterin überzeugt. „Nicht alle werden sich in Richtung Ballett entwickeln, schon allein wegen den körperlichen Voraussetzungen. Aber im Bereich Tanz haben sie alle großes Potenzial.“

Die Tanzlehrerin kennt ihre Zöglinge, hat sie gecastet, mit ihnen geprobt, steht ihnen hinter der Bühne zur Seite. Hoffmann hat neue Talente entdeckt und gefördert, hat Kindern die Freude am Tanzen näher gebracht. Aber spielt Tanzen in unserer Kultur eigentlich noch eine Rolle? „Tanz ist eine der ältesten Formen von Kommunikation“, hebt sie hervor. „Wir Deutschen haben aber dieses Bewertungsdenken im Kopf.“ Die Kinder seien da viel freier.  Erwachsen denken eher: „Jetzt gucken sie alle wieder.“ Hofmann, die von Kindesbeinen an tanzt, schiebt nach: „Natürlich spielt Tanz noch eine Rolle. Außerdem ist es die gesündeste Sportart überhaupt.“

Für die Kinder und alle übrigen Beteiligten geht es nun in die heiße Phase. In der Woche vor dem WGT kann in der Arena auf der eigentlichen Bühne geprobt werden, einschließlich der Szene, in der die Nachwuchstänzer kopfüber aus dem übergroßen Bett purzeln. Einen Tag vor der Show ruft Gregor Seyffert zur Generalprobe vor Publikum. „Aber eigentlich muss ich ihn rufen“, erklärt Patricia Hoffmann, „da er als Hauptdarsteller auf der Bühne steht, fällt das in meinen Aufgabenbereich als Showrunner.“

Weitere Infos und Hintergründe zur Show finden Sie unter www.wagner-show.de .

Johannes Angermann

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