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Orte zum Sterben: Das Theatrium spielt mit dem Schmetterlingseffekt

Orte zum Sterben: Das Theatrium spielt mit dem Schmetterlingseffekt

Ein zutiefst bedrückendes Gefühl steigt unerwartet auf. Die Beerdigung wirkt real. Ein schwarzer Kindersarg mitten im dunklen Raum. Auf ihm das Foto der verstorbenen Luise Nietzsche.

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Skurril und sehr real fühlt sich die Beerdigung in der ersten Szene an.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Bei Kerzenschein geben Pastorin, Familie und Freunde der Verstorbenen Abschiedsworte mit auf den Weg. Die stillen Zuschauer kondolieren den trauernden Eltern vor dem Szenenwechsel.

Das Begräbnis - die erste Szene des Stücks "Im letzten Augenblick", das am Freitag Premiere im Theatrium Grünau feierte. Eigentlich nur teilweise im Theatrium. Die meisten Szenen spielen außerhalb. Beim "Silent Walk" wandern die Zuschauer, deren Zahl auf 15 begrenzt ist, von Schauplatz zu Schauplatz. Zu sieben Orten, an denen Menschen sterben.

Die Geschichte wird rückwärts erzählt. Nach der Beerdigung erfährt das Publikum als stiller Beobachter am Rande des Geschehens, wie Luise zu Tode kam: laute Bässe aus einer Halle, betrunkene Jugendliche und eine Überdosis K.-o.-Tropfen im Drink. Den hat Luise achtlos einen Typen halten lassen. Die junge Frau fällt nach ein paar Schlucken leblos zu Boden.

Das Spiel verlagert sich nach draußen, führt an einer Wiese vorbei, auf der die sinnlose Gewalt einiger Jugendlichen zum Tod eines Mädchens führt. Gedemütigt und zusammengetreten bleibt sie auf dem Stück Grün zurück. In einer Kneipe sackt ein Mann von allen anderen unbemerkt vom Stuhl. Ein Schlaganfall? In trostloser Hinterhof-Umgebung befördert sich eine überarbeitete Außenseiterin mit einem Alkohol-Tabletten-Cocktail ins Jenseits.

Beim stillen Marsch durch Grünau betten sich die Szenen teils so real ins Alltagsgeschehen ein, dass die Zuschauer manches mal unsicher sind, ob der Jogger nur zufällig vorbei kommt oder einen Platz im Gefüge des Schauspiels einnimmt.

In genau diesem Gefüge ändert sich nach der siebten Szene eine Kleinigkeit, und die Geschichte wird noch einmal neu geschrieben. Der "Silent Walk" geht zum zweiten mal die Spielorte ab. Ein Faden wird erkennbar - die Todesfälle stehen alle direkt oder indirekt in Verbindung miteinander. Es wird klar, dass ein einziger Augenblick alles verändern kann. Der Schmetterlingseffekt.

Das Mehrgenerationenprojekt des Theatriums hat die Grundidee von Sergi Belbels "Ein Augenblick vor dem Sterben" übernommen. Die Teilnehmer im Alter von 8 bis 75 Jahren haben in monatelanger Arbeit ihre Szenen gestaltet und zusammengesponnen, gemeinsam mit der künstlerischen Leiterin des Theatriums Sandra von Holn und dem Ehrenamtler Peter Zahn. Die überwiegend Jugendlichen verarbeiten Themen wie Gewalt, Ausgrenzung, Familienzwist und Drogenmissbrauch. Das Schauspiel ist auch ein kleines Plädoyer für ein besseres Miteinander in unserer schnelllebigen Gesellschaft. Und das in einem völlig neuem Theatergefühl: Keine Bühne trennt Publikum und Akteure, der Zuschauer ist mittendrin, fühlt sich beinahe schon unsichtbar und beobachtet still.

Die nächsten Vorstellungen des Stücks Mitte April sind bereits ausverkauft. Danach sind die nächsten Aufführungen für September geplant. Mehr Infos unter www.theatrium-leipzig.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2013

Stefanie Dietz

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