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Kultur Pawel und Dorota Popolski bejubelt
Nachrichten Kultur Pawel und Dorota Popolski bejubelt
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00:30 30.05.2018
Da steht er noch allein und kann nicht anders: Musiker und Comedian Pawel Popolski im Haus Leipzig. Quelle: Foto: Christian Modla
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Leipzig

Nach einer Stunde atmen alle auf. Pawel Popolski, weil er nicht mehr allein die breite Bühne im Haus Leipzig bespielen muss. Die Männer im Publikum, weil Dorota Popolski genau so aussieht, wie sie singen kann: irrsinnig gut. Und alle auf den Sitzen, die Songs lieber mögen als Vorträge. Am Samstag hat Achim Hagemann als Nachfahre des Musikpioniers Pjotrek Popolski mit seinem Programm „Außer der Rand und der Band“ gezeigt, was für ein begnadeter Entertainer er ist – und wie schön es sein kann, Familienmitglieder dabei zu haben.

Für Unkundige beginnt der Abend mit einer musikwissenschaftlichen Kurzdoku: der Geschichte von Opa Popolski, der Anfang des 20. Jahrhunderts 128 000 Popsongs komponierte, die irgendwann ein Gebrauchtwagenhändler ergaunerte und an Sternchen des Business vertickte: an Elvis, Prince, Modern Talking und tausende Andere. Ab 2008 machte sich Pawel mit drei Sippenmitgliedern auf, um in „Der Popolski Show“ Opas Erbe hochzuhalten und die Originalversionen aus der Versenkung zu heben. Allen Welthits zu Grunde liegt nämlich die polnische Polka, mit der Pawel seit der Band-Auflösung 2015 aber mehr oder weniger solo durchs Land rumtatat und stampft und orgelt. Radebrechend, in osteuropäisch-anarchischer Grammatik, voller Witz, Chuzpe und Charme.

Popolski-Familiengründer Hagemann, Komponist, Comedian und mit Hape Kerkeling Urheber des legendären „Hurz“-Sketches, sieht aus wie ein Double von Christoph Daum. Im Gegensatz zum windigen Fußballcoach schnüffelt er keinen Koks, sondern pfeift sich alle paar Minuten einen Wodka rein. Etwa die Hälfte seiner gut 300 Leipziger Besucher bekommt auch „etwas zum Zulöten“ und wirft ordnungsgemäß die Kunststoff-Becher nach Genuss hinter sich. Für Gegner von Plastikmüll ist das nix, für Freunde der juxvollen Musikcomedy schon.

Pawel klärt über die hoch entwickelte, uralte Mayek-Kultur seiner Heimat auf, deren Kalender das songkompositorische Unheil mit Namen Dieter Bohlen voraussagte. Bei der Enthüllung über die wahre Entstehungsgeschichte des Scratchings und anderen Aufklärungen kommt der musikalische Part allerdings ziemlich kurz. Man freut sich schon, wenn Popolski endlich seine Sticks auf die drei Kesselpauken wuchtet, „Smoke On The Water“ oder „Papa Was A Rolling Stone“ spielt und Bassist Janusz – „der trubste Tasse von der ganze Familie“ – auf Leinwand zugespielt wird.

Nach der Pause wandeln sich die Verhältnisse. Unter allgemeinem Raunen entert Iva Buric Zalac als Dorota Popolski die Bretter, um Pawel nicht nur beim Kippen von Hochprozentigem zu helfen. Mit einseitiger Beinfreiheit, lasziven Posen und „Walk This Way“ rauschen Power und Sexyness in den Saal. Spätestens jetzt wird klar, wie verdammt allein der arme Pawel 50 Minuten lang war. Musikwissenschaftliches hängt jetzt backstage am Haken. Dorota legt stimmgewaltig Whitney Houstons Geschmachte über eine schmissige Polka, Zuschauer Matthias sahnt Applaus als Interims-Schlagzeuger ab. Wodka selbstverständlich auch. Die Show ist 22.15 Uhr vorbei. Das Zulöten nicht unbedingt.

Von Mark Daniel

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