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Kultur Perfektes Timing: Bernd-Lutz Lange tritt von der Kabarettbühne ab
Nachrichten Kultur Perfektes Timing: Bernd-Lutz Lange tritt von der Kabarettbühne ab
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15:05 29.05.2014
Abschied von Bernd-Lutz Lange (vorn) - mit Katrin Hart, Katrin Weber, Gunter Böhnke, Tom Pauls und Küf Kaufmann (v.l.n.r.). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der 69-Jährige konzentriert sich künftig auf seine Arbeit als Autor.

Die Melancholie steckt in den Umarmungen. Als Rainer Vothel und Bernd-Lutz Lange sich innig umschlingen, als Katrin Weber und Katrin Hart den langjährigen Wegbegleiter an sich drücken, verschafft sich die durch Humorigkeit übertünchte Wehmut endlich ihren berechtigten Platz: Bei den von ihm 1966 mitgegründeten Academixern hat Bernd-Lutz Lange am Mittwoch in einer furiosen Gala seinen Abschied als Kabarettist gegeben.

"Nie wieder Kabarett" lautet der schöne Song, den Pianist Rainer Vothel dem Künstlerkollegen zu Füßen swingt. So herrlich gassentauglich sich das Stück anhört, so präsent ist allen im vollgestopften Saal dessen Botschaft: Hier ist Endgültigkeit im Spiel. 50 Jahre nach seinem ersten Zwickauer Auftritt als Sänger und 48 nach der Mixer-Taufe konzentriert sich der 69-Jährige künftig auf seine Arbeit als Autor.

Wie er als Kabarettist die Brettl-Landschaft geprägt hat, rauscht rund zwei Stunden noch einmal am verzückten Publikum vorbei. Kostproben aus den ersten Jahren im Ensemble, die bös-süffisante Nachwendenummer mit Gunter Böhnke über Stasi-Vergangenheiten und natürlich die Kultdialoge am Lufttresen ("mal zwei Mänhädden, bitte!"). Auch Ausschnitte aus dem Mundart-Spaß "Kaffeegespenst" mit Tom Pauls belegen die im Metier so seltene lässige Präsenz; drei begnadete Komödianten, die in dieser Form jede Textvorlage veredeln können. Den Höhepunkt hierbei setzt Lene Voigts "Schneewittchen"-Version - mit Böhnkes spektakulär gemütlichem Darniedersinken.

Episoden aus dem "Fröhlich und meschugge"-Programm mit Küf Kaufmann sowie aus den zwei Produktionen mit der allround-begnadeten Katrin Weber sind letzte Beispiele für die Vielseitigkeit Langes, der Bodenständigkeit, Komik und Intellektualität verknüpfen kann wie wenige. Und ein wertvolles Gespür fürs Timing hat - der Mann weiß, wann eine Nummer zu Ende sein muss, bevor Redundanz droht. Eine Analogie zu seiner Kabarett-Karriere: Lange geht zu einem Zeitpunkt von der Bühne, an dem das noch sehr bedauert wird. Klug so.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.05.2014

Mark Daniel

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