Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Popstar mit Hindernissen: 60. Geburtstag von Rio Reiser
Nachrichten Kultur Popstar mit Hindernissen: 60. Geburtstag von Rio Reiser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:20 08.01.2010
Rio Reiser bei einem Konzert 1987 in Offenbach. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Wenig später verstarb der Sänger und hinterließ in der hiesigen Musiklandschaft eine große Lücke, die bis heute klafft. Als einer der ersten Künstler hierzulande verstand er künstlerischen Anspruch, politisches Engagement und populäres Songwriting miteinander zu verbinden. Und so gekonnt wie kaum ein anderer konnte er dabei auch seine Muttersprache benutzen. An diesem Wochenende würde Rio Reiser seinen 60. Geburtstag feiern.

Nicht einmal zehn Jahre vor seinem Tod war der als Ralph Christian Möbius geborene Sänger 1986 mit „König von Deutschland“ und „Junimond“ die Charts empor geklommen. Die Neuauflage dieser eigentlich schon mit seiner früheren Band Ton Steine Scherben geschriebenen Songs half nicht nur, den riesigen Schuldenberg abzutragen, den die Band bis zur Auflösung angehäuft hatte. Mit einem Schlag war aus dem im linksalternativen Berlin-Kreuzberg, in der Studentenszene und auf den Demonstrationszügen der Anti-Atomkraft-Bewegung verehrten Rio Reiser ein Star für das ganze Land geworden.

Nicht alle seine Fans konnten ihm diesen Schritt verzeihen. Eben noch hatte Rio als Sänger der Ton Steine Scherben unabdinglich Hymnen des Widerstands geliefert, war mit Slogans wie „Und wir schreien’s laut: Ihr kriegt uns hier nicht raus“, „Macht kaputt, was euch kaputt macht“oder „Keine Macht für niemand“ musikalisches Sprachrohr der außerparlamentarischen Opposition. Nun, als Solokünstler, wurde er von seiner Plattenfirma ins umsatzstarke Fahrwasser der Neuen Deutschen Welle gehievt, trat vor zehntausenden Menschen auf, sang vordergründig eher von Liebe als von Revolution und komponierte schlussendlich sogar für Schlagerstars wie Marianne Rosenberg und das Fernsehen eingängige Melodien.

Jene, die sich damals von ihm abwandten, übersahen allerdings, dass hinter den oftmals sehr glatten Produktionen seiner Solo-Alben, hinter dem großen Medien-Klimbim und den privaten Themen in seinen Songs noch immer jener Rio Reiser stand, der mit den Verhältnissen in der Gesellschaft nicht zufrieden war. Ganz im Gegenteil. Seine Frustration nahm mit den Jahren eher zu und führte auf späteren Soloalben auch zu immer düsteren Songs, die allerdings immer weniger Menschen zu berühren schienen. Erst nach seinem plötzlichen Tod am 20. August 1996 stieg das Interesse wieder deutlich an – vor allem auch, weil sich viele Kollegen mit Reminiszenzen an Rio Reiser und Belobigungen an seinen Umgang mit der deutschen Sprache zu überbieten ersuchten.

Matthias Puppe

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Europa bekommt in diesen Tagen gleich drei Kulturhauptstädte für 2010: Die Eröffnung beginnt am Freitag und an diesem Samstag in Essen, stellvertretend für die Region Ruhrgebiet.

08.01.2010

Pop-Sänger Herbert Grönemeyer hat bei der Generalprobe zur Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres am Freitag in Essen erstmals sein neues Lied auf das Ruhrgebiet präsentiert.

08.01.2010

Sein Werk waren Kreise, immer wieder Kreise.Kreise, wie bei einer großen Zielscheibe. Mit seinen „Circles“ ist Kenneth Noland einer der bedeutendsten amerikanischen Maler des 20. Jahrhunderts geworden.

08.01.2010
Anzeige