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Portrait der Hollywoodlegende Tony Curtis

Portrait der Hollywoodlegende Tony Curtis

Tony  Curtis war eine der letzten großen Hollywoodlegenden. Er spielte Frauenmörder und Transvestiten, Drahtseiltänzer und Seeräuber. Aber vor allem war er Herzensbrecher – im Film wie im Leben.

New York. Von Krankheit gezeichnet starb er nun im Alter von 85 Jahren.

Wenn eine Nebenrolle nicht einmal im Abspann erwähnt wird und der Schauspieler trotzdem Tausende Fanbriefe bekommt ("an den schönen Unbekannten"), dann muss er wirklich ein großes Talent sein – oder sehr gut aussehen. Bei Tony Curtis war es beides. Über Jahrzehnte gehörte er zu den gefragtesten Schauspielern – und Männern – Hollywoods, den Status einer Filmlegende hatte er schon, als er noch selbst spielte. Jetzt ist er, vier Monate nach seinem 85. Geburtstag, gestorben.

Aus der Bronx nach Hollywood

"Wo ich herkomme, ist gutes Aussehen ein Pass zum Entkommen aus dem Mülleimer", hatte Curtis einmal gesagt. Der Mülleimer war die Bronx, der damals noch berüchtigte Stadtbezirk von New York. Sein jüdischer Vater Mono Schwartz war zwar ein bekannter Schauspieler in Ungarn gewesen, als Einwanderer in den USA aber an der Sprache gescheitert. Er brachte seine Familie als Schneider durch.

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Tony Curtis erhielt 2004 in Berlin eine Goldene Kamera für sein Lebenswerk.

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Sein Sohn Bernard Schwartz wuchs in bescheidensten Verhältnissen auf. Bereits mit elf war er Mitglied einer Streetgang, erzählt er in seinem Buch "I Like it Hot". Von klein auf fürchtet er die Prügel seiner Mutter. Später stellt sich heraus, dass sie an Schizophrenie litt. Sein jüngerer Bruder Julie wurde von einem Lastwagen überfahren, als Bernard auf ihn aufpassen sollte. Bobby, sein anderer Bruder, war geisteskrank.

Die Herkunft prägte sein Schauspiel

Die Jugenderfahrungen prägten Schwartz, der sich bald Tony Curtis nannte, als "natural actor". In "Brut des Satans" (1949) spielte sich das Straßenkind aus der Bronx einfach selbst. Die Rolle verschaffte ihm immer größere Auftritte in allen möglichen Kostüm- und Abenteuerfilmen. In "Flucht in Ketten" mit Sidney Poitier überzeugte er später als dramatischer Schauspieler, mit Burt Lancaster und Gina Lollobrigida brillierte er in "Trapez".

Filmgeschichte schrieb er vor einem halben Jahrhundert in Billy Wilders Komödie "Manche mögen's heiß". Darin reibt die schöne Marilyn Monroe viel nackte Haut über sein verschwitztes Gesicht. Jahrzehnte später, lange nach ihrem Tod, enthüllte Curtis, dass Marilyn und er während der Dreharbeiten eine Affäre gehabt hätten. Er sei auch der Vater des Kindes gewesen, das sie damals erwartete, dann aber verlor, brüstete er sich in seinen jüngsten Memoiren "American Prince".

Nach "Manche mögen's heiß" folgten jahrelang Komödien. In "Das große Rennen rund um die Welt" spielte Curtis den stets in weiß gekleideten Helden Leslie Gallant, dem die Frauen zu Füßen liegen - seine Rolle, sein Leben. Dazwischen überraschte er mit der Verfilmung eines Kriminalfalls. In "Der Frauenmörder von Boston" (1968) wirkt er düster und bedrohlich, lässt seinen berühmten Charme nur noch andeutungsweise durchscheinen.

"Ich habe als Vater versagt"

Auch privat war Curtis nach Aussage seiner Tochter Jamie Lee längst nicht immer so heiter, wie er auf der Leinwand wirkt: "Etwas quälte ihn sein ganzes Leben lang. Er suchte Erleichterung bei Frauen, in Drogen und Alkohol."

Schwere Vorwürfe machte sich Curtis zum Beispiel über seine Vaterrolle. "Ich habe als Vater versagt. Das muss ich heute sagen." Was ihn besonders belastete, war der Tod seines Sohnes Nicolas, der 1994 durch Heroin starb – er war gerade 23 Jahre alt. Es vergehe kaum eine Nacht, in der er nicht an Nicolas erinnert werde: "Er erscheint mir oft im Traum."

Statt vor der Kamera agierte der Star aus etwa 100 Filmen – schwer geworden und im Rollstuhl – zuletzt tagelang vor der Staffelei. Malen war zu einer zweiten Profession geworden. Seine Kunst wird in Galerien ausgestellt und für Tausende von Dollars verkauft. Curtis baute auch Collagekästen, "Time Boxes", in denen er alte Briefe, Fotografien, Schlüssel, Würfel und Uhren hinter Glas arrangierte.

Doch geblieben war seine Liebe zu Frauen. Er war 73, seine Frau Jill 31, als er im November 1998 das fünfte Mal heiratete. "Uns stört der Altersunterschied nicht", schrieb Curtis in seiner Autobiografie. "Wir lachen viel. Mein Körper funktioniert noch, und alles ist gut." Zu seinen früheren Ehefrauen gehörte Janet Leigh, die Duschende aus "Psycho". Ihre beiden Töchter wurden selbst Schauspielerinnen. Während Kelly Curtis über Nebenrollen nicht hinauskam, wurde Jamie Lee Curtis ("Ein Fisch namens Wanda") zum Weltstar – auch wegen ihres Aussehens.

Die Schauspielerin Christine Kaufmann lernte er 1961 kennen – er war 36, sie 16. Für die Deutsche verließ er Leigh, 1963 heirateten beide. Die Ehe hielt nur vier Jahre, vier Tage nach der Scheidung heiratete Curtis schon wieder, ein Fotomodell. "Ich war dumm, diese Frau ziehen zu lassen", sagte er später über Kaufmann, mit der er zwei Töchter hatte. Als sie jetzt die Todesnachricht erhielt, sagte Kaufmann der "Bunten": "Ich war trauriger, als ich gedacht habe. Es ist, als wenn die Zeit stirbt."

Gisela Ostwald und Chris Melzer, dpa

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