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Protest, Abschied, Sehnsucht – Leipziger Theaterprojekt zeigt Gefühle hinter Nachrichten

Protest, Abschied, Sehnsucht – Leipziger Theaterprojekt zeigt Gefühle hinter Nachrichten

Gier, Fremdheit oder Sinn: Irgendetwas davon könnte als Thema beim 48-Stunden-Theater-Projekt vorkommen, das der holländische Filmproduzent Richard Schut ab Mitte Februar auf eine Leipziger Bühne bringt.

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Die Themen und Gefühle hinter Zeitungsschlagzeilen will das 48-Stunden-Projekt von Filmemacher Richard Schut auf eine Leipziger Bühne bringen.

Quelle: Krysta Brown

Leipzig. Es geht um Gefühle hinter Zeitungsschlagzeilen. Unter der Leitung des Holländers werden am 15. Februar im Werk 2verschiedene Schauspiel-Teams ihre teilsimprovisierten Theaterskizzen erstmals aufführen.

Schauspieler und Regisseur lassen sich direkt von den Schlagzeilen inspirieren. „Es ist ein neuer Weg, die Nachrichten zu betrachten“, sagt Filmproduzent Schut. Um Themen zu finden, suchen die Teams in Zeitungen – darunter auch in der Leipziger Volkszeitung – nach spannenden und bewegenden Geschichten, die sich auf die Bühne umsetzten lassen.

Beim Interview holt er eine aktuelle Ausgabe der LVZ raus. Auf der ersten Seite hat er verschiedene Artikel markiert und mit Stichwörtern wie „Gier“ und „Abschied“ versehen. Die Pegida-Proteste bekommen beispielsweise das Stichwort „Unbekanntes“. Doch welches Thema dann ausgewählt werde, sei noch völlig offen, erklärt Schut. Möglicherweise könnte der aktuelle Streitpunkt Legida bald im Bühnenlicht stehen.

„Wir wollen das Ganze auf eine emotionale Ebene bringen. Die Zuschauer sollen sich bei dem Auftritt den Menschen hinter den Nachrichten vorstellen können“, erklärt der 45-jährige Schut. Dabei hofft er, die „oft düsteren und komplizierten Ereignisse in den Medien zu vermenschlichen.“

 

Das Projekt – eine „Kombination aus Theater, aktuellen Nachrichten und Mitgefühl“ – ist eine Adaption des Filmprojekts unter gleichem Namen, für das sich der niederländische Filmemacher seit Jahren engagiert. Genau wie dort haben die Teams nur 48 Stunden Zeit, um ein Konzept zu einem beliebig ausgewählten Nachrichten-Thema zu entwickeln und daraus ein Theaterstück zu gestalten. Die Regeln: Das Stück muss ein bestimmtes Motiv, Leitsatz sowie Requisiten beinhalten. Nach zwei Tagen Planung soll das Ergebnis zu 80 Prozent geprobt und zu 20 Prozent improvisiert sein, so Schut. So soll das Material frisch und überraschend auf der Bühne erscheinen.

„Die Theaterform der Teil-Improvisation finde ich persönlich sehr spannend“, sagt Leipziger Schauspieler Christian Pfaff, einer der mitwirkenden Laien des Schauspielhauses. „Man kann sich in das Thema und die dazugehörigen Emotionen vertiefen, was bei reiner Impro nicht möglich ist, und etwas von der eigenen Persönlichkeit einfügen.“

Bislang gibt es drei Schauspieler-Teams, viele davon sind Laien aus dem Leipziger Schauspielhaus oder von Theatervereinen. Bis zum Beginn des 48-Stunden-Projekts mit dem Auftritt am 15. Februar suchen sie nach weiteren Schauspielern und interessierten Teilnehmern.

Dabei ist Schut überzeugt, dass er die richtige Entscheidung traf, das Debüt in Leipzig zu geben. Schließlich hätte es auch Berlin werden können. Dorthin ist der Regisseur aus Zaandam in den Niederländen vor einigen Jahren gezogen, um mit seiner damaligen deutschen Freundin zusammen zu sein.

Der Umzug war für ihn ein Traum. Die modische, lebendige Künstleratmosphäre der Stadt hat ihn gelockt. „Berlin ist vor allem eine Lifestyle-Stadt. Dort habe ich das Gefühl, die Menschen interessieren sich für Trends und die Avant-Garde in Kunst und Film, aber manchmal ist es wirklich nur auf der Oberfläche.“

Für politisches Engagement richtete er deswegen sein Augenmerk weiter südlich, auf das viel-gehypte „New Berlin“ in Sachsen. „Jedes Mal, wenn ich hier bin, staune ich über die Vielzahl an politisch interessierten Menschen in der Stadt. Leipzig zeigt sich immer sehr engagiert“, sagt der 45-Jährige. „Jeder hier hat eine politische Meinung.“

 

Solche Eigenschaften bieten sich für sein übergreifendes Ziel an: „Erfolg ist, wenn ein Theaterprojekt den Menschen politisch bewegt. Die Auftritte sollen zum Nachdenken aufrufen.“

 

Info: Das 48-Hour-Theater-Projekt soll am 13. Februar anfangen mit Auftritt am 15. Februar im Cammerspiele des Werk 2 (Kochstraße 132).

Krysta Brown

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