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Punk-Lausbub beim Square Dance: Bela B im Leipziger Haus Auensee

Punk-Lausbub beim Square Dance: Bela B im Leipziger Haus Auensee

Das gelbe Hemd mit den Rüschen und die reich verzierte Weste hat er sich vermutlich bei einem Elvis-Imitator geborgt. Oberarzt Bela B hat am Sonntagabend im Haus Auensee vor 1000 Zuschauern ein Country-Konzert gegeben.

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Kein Elvis-Imitator, sondern ein Oberarzt: Bela B Sonntagabend im Haus Auensee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Wird der nie erwachsen? Bela B, so eine Art Oberarzt in der deutschen Spaßpunk-Anstalt, witzelt in seinem Konzert darüber, dass er mit seinem Musiker nicht ohne Probleme in eine Ü-50-Party gelangt. Tatsächlich darf Bela B auf solche Feiern, ist um etwa ein Jahrzehnt älter, als Elvis je geworden ist. Dafür sieht er besser aus als der King of Rock'n'Roll mit Mitte 30 und macht auch zwischen den Jungs seiner Begleitband Smoke­stack Lightnin' eine gute Figur. Die Nürnberger Americana-Musiker sind so um die 40, also in einem Alter, in dem man noch richtig ranklotzen kann.

Deshalb schieben die Männer um den (Kontra-)bassisten Bernie Batke eine Doppelschicht: Zunächst spielen sie (ganz in Schwarz) ein paar Songs aus dem eigenen Repertoire. Das ist hübsch, aber käme in einem verrauchten Kellerclub viel besser. Nach ein paar Titeln mutieren sie von der Vor- zur Begleitband, doch Bela B übernimmt zunächst nur die Rolle des Conférenciers aus dem Off und sagt eine Dame namens Linda Kay an. Kays Modeberater lebt augenscheinlich noch in den 70ern, sie trägt Glitzerkleid und Wuschelkopf - auf der Bühne schüttet sie eine Brise Soul in die Country-Soße, bewirbt sich mit einer Ballade als James-Bond-Titelsong-Interpretin.

Kurze Pause, dann Bela B. Das gelbe Hemd mit den Rüschen und die reich verzierte Weste hat er sich vermutlich bei einem Elvis-Imitator geborgt. Auch die Musiker von Smokestack Lightnin' machen einen auf Las Vegas - mit roten Anzügen und Glitzerzeug an den schwarzen Hemden. Der Blickfang ist aber Gastsängerin Peta Devlin (Die Braut haut ins Auge) als blondes Cowgirl.

Gleich im ersten Song postuliert Bela B die musikalische Referenz: "Ich danke Ihnen, Mr. Hazelwood". Das klingt nach gepflegter Herrenmusik, und auf die Band ist Verlass. Routiniert surft der Sound durch Countryrock ("Nicht nice"), Twist (schräge Version des Die-Ärzte-Hits "Manchmal haben Frauen"), Balkan-Folk ("Immer so sein") oder Tarantino-Mariachi-Sound ("Vampir mit Colt"). Dazu der bekannte Textmix mit den Zutaten: Beziehungsmurks + Horrortrash + Humor.

Das funktioniert, denn die Show ist vor allem eins: perfekt inszeniert. Zur Country-Nummer "Peng!" vollführen Peta Devlin und Bela B sogar einen lupenreinen Square Dance. Das Publikum liebt das. Für jeden Hüftschwung bekommt Bela B Szenenapplaus. Wenn das nicht reicht, posiert er vor der johlenden Masse als Sinatra. Knirscht es bei den Texten im Versmaß, bügelt Bela das mit seinem Lausbuben-Blick glatt. Gelegentlich blendet der Lichttechniker den Spaß buchstäblich weg - und zaubert dem Sänger eine Ahnung von angegrauten Schläfen unter die Tolle. Bela B erinnert dann an Morrissey und hat starke musikalische Momente. Beim John-Leyton-Klassiker "Johnny Remember Me" passt das Duett perfekt: hier Gebrummel und verhallter New-Wave-Gesang (Bela B), da der klare Sirenenklang (Peta Devlin).

Zurück zur Show: Dem üblichem "Leipzig, ihr seid die Besten"-Blabla fügt der Sänger eine Facette hinzu; er lobt das rhythmische Mitklatschen, als die Fans nur jede zweite Zählzeit betonen - "Ihr klatscht englisch!". Das klingt hübsch kosmopolitisch und freut "Leipzig". Geschenkt, die erste Chartsplatzierung von Belas "Ärzten" liegt knappe 30 Jahre zurück - da darf sich keiner wundern, dass ein Profi auf der Bühne steht. Am Merchandising-Stand gibt es übrigens nicht nur zahllose Tonträger, sondern auch Bela-B-Socken und -Schlafmasken.

Erst ganz am Ende will der Star einfach nur spielen. Und gar nicht wieder aufhören. Fast eine Stunde Zugaben in zwei Blöcken - noch ein Stück und noch ein Stück. Erwachsen werden kann er ja auch später -

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2014

Uwe Schimunek

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