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Punk, Pathos und Poesie: Die Broilers auf exklusivem Club-Besuch im Conne Island

Konzert Punk, Pathos und Poesie: Die Broilers auf exklusivem Club-Besuch im Conne Island

Bevor die Düsseldorfer Punkband Broilers im März unter anderem die Arena Leipzig füllt, stimmt sie sich mit Clubkonzerten auf die Tour ein – eines davon fand Samstagabend im Conne Island statt.

Rückkehr in einen Lieblingsclub: Die Broilers gaben Mitte der 90er im Conne Island mit die ersten Konzerte außerhalb Düsseldorfs.

Quelle: Stefan Waldek

Leipzig. Hier fing es an: 15-jährig, noch recht grün hinter den Ohren und mit der Bahn angereist, spielten die Broilers einen ihrer ersten Gigs überhaupt im Conne Island. Seither können beide nicht voneinander lassen. Auch wenn die Düsseldorfer Pathos-Punkrocker mit versehentlich ostdeutschem Namen heute regelmäßig die Charts stürmen und im März zum wiederholten Mal die Arena füllen werden, kehren sie doch immer wieder gern zur Basis zurück. So auch am Samstag, als zum Warm-Up zur großen Tour mit nur drei exklusiven Clubshows natürlich auch eine für Leipzig reserviert war.

Anwärmen oder vom Rauchen reinholen muss Support Emscherkurve 77 das Publikum nicht, da es einerseits schon dicht gedrängt im Saal weilt und zweitens das eigentliche Rauchverbot im Conne Island inzwischen eher ein unverbindlicher Vorschlag ist. Der Oi- und Streetpunk mit Sing-Along-Potenzial der Broilers-Kumpels verbreitet dennoch Laune und ist gar nicht so weit von den früheren Klängen ihrer Gastgeber entfernt, allerdings eine ganze Spur dreckiger, gemäß ihres Versprechens „Wir werden immer Punkrock sein.“

Das gilt ebenso für die Broilers, denn ihre Ursprünge haben sie nicht vergessen, auch wenn sie diese nie Wurzeln nennen würden. Festwachsen und Stillstand ist nicht ihre Sache, sie glauben eher an Neugier als an Grenzen. So geht das Mitgröl-Potenzial typischer Oi- und Ska-Punk-Melodien organisch in herzzerreißende Balladen und eingängigen Stadionrock über, bei dem Vorbild Bruce Springsteen durchaus grüßen lässt. Textlich hat man sich in mehr als 20 Jahren längst von szenetypischer Kneipen- und Straßenpoesie zu den großen Fragen des Lebens begeben.

Zuvor geht der didaktische Punk-Bildungsauftrag aber weiter, indem in der Pause Klassiker vom Band laufen, was bei Agnostic Fronts „Gotta Go“ und „If the Kids Are United“ von Sham69 zu spontanem Umbaupogo führt. Nach kurzer Intro-Gänsehaut wird dann innerhalb weniger Takte jede Charts-Popattitude der vergangenen Jahre tanzend zertreten. Unter Crowdsurfern im Sekundentakt findet vom Reaggae-Skanking bis Wall of Death jede denkbare Pogovariante raumgreifend Anwendung. Die vorderen Reihen verschmelzen fast zu einem Leib, Bier muss kaum getrunken werden, sondern diffundiert quasi direkt zwischen den Körpern.

Die große Geste zählt

Aber selbst im so verrauchten wie verschwitzen Conne Island zählt stets die große Geste: Sing-Along-Hymnen, Gänsehautballaden und Gemeinschaftspathos gehen Hand in Hand. Broilers-typisch dabei ist, dass trotz klarer Haltung und markigen Tönen das Ganze nie zu plakativ wird. Mastermind Sammy Amaras Texte haben durchaus poetische Kraft und müssen im eigenen Kopf zu Ende gedacht werden. Auch das für andere Rocker nicht selten vordergründige Testosteron wird mittlerweile nur noch am Rande versprüht, Empathie ist den Broilers wichtiger.

Klare Kante jedoch ebenso, gerade in Zeiten, die laut Amara weit über „wehret den Anfängen“ hinaus sind. Ihr neuer Song „Keine Hymnen heute“ hat durchaus Ansprüche auf die „Schrei nach Liebe“-Nachfolge und transportiert eine wichtige Message: Das Maul aufmachen, nicht nur auf Konzerten „Nazis raus“ brüllen, sondern selber etwas tun gegen Hass und Menschenverachtung.

Am Ende schaffen es die Broilers, dem Pathos selbst nach ihrem Abgang mit der Herzschmerzhymne schlechthin noch eins drauf zu setzen: Mit Journeys „Don’t Stop Believing“ laut aus der Konserve wird das glücklich gekochte Publikum in die Nacht entlassen.

Am 11. März, 20 Uhr, kehren die Broilers nach Leipzig zum Konzert in der Arena zurück. Karten für 40,55 Euro unter anderem in den LVZ-Geschäftsstellen, unter 0800 2181050 und www.lvz-ticket.de

Von Karsten Kriesel

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