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Kultur Puzzle mit mehr als nur einer Lösung: Neues Album der Leipziger Musikerin Maria Schüritz
Nachrichten Kultur Puzzle mit mehr als nur einer Lösung: Neues Album der Leipziger Musikerin Maria Schüritz
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12:48 11.05.2017
Eher nachdenklich als ungestüm: Maria Schüritz, 32. Quelle: Ruslan Hrushchak
Leipzig

Maria Schüritz ist in Leipzig nicht zuletzt für ihre mitreißenden Fertigkeiten bekannt, in Endlosschleifen zu musizieren. Zu ihren Konzerten brachte sie bislang meist keine Band, sondern eine Loop-Station mit, nahm darauf die verschiedenen Lied­elemente nach und nach auf, so dass sich allmählich ein atemraubendes Klangmosaik ergab. Das „Loop-Art-Festival“ organisiert sie seit 2011 übrigens auch einmal pro Jahr mitten im Kaos-Kultursommer.

Am Freitag feiert die 32-jährige Leipzigerin indes im Laden auf Zeit mit Begleitband die Veröffentlichung einer Platte, „Lieder aus dem Kopfkino“ heißt sie, die weitgehend ohne Loop-Technik auskommt – einerseits. Andererseits geht es Schüritz auch auf ihrem zweiten Solo-Album sehr wohl darum, die Dinge zu zerteilen, um sie (be-)greifen zu können. Sie anders zusammenzusetzen, damit sich ein neues Bild ergibt. Nur eben nicht auf musikalischer Ebene, sondern in sinnlichen, raffinierten und sehr persönlichen Texten. Schon ihr „Loop-Art-Festival“ fasst die Idee der Endlosschleife ja keineswegs nur vordergründig technisch auf und bindet darüber hinaus auch darstellerische und bildende Loopkünstler ein. Schüritz selbst führt das Konzept nun gewissermaßen auf eine poetische Stufe.

Von „handlichen Schnipseln“ singt sie in dem Lied „Die Schere“, die irgendwer bald „neu und völlig anders“ zusammenkleben werde. Und in „Beim Puzzlen“ ist vom Seelenleid die Rede: „Ich sortiere meinen Schmerz / Nach Farben und Formen / Dreh und wende jedes Stück / Solange, bis es passt“. Was nie von langer Dauer sein kann: „Und ist es dann vollendet / Nehm ich es auseinander / Stück für Stück zurück“.

Lieder, die zu groß fürs Smartphone-Streaming sind

Mehr als auf dem Debüt „Looped SoulSongWriting“ von 2013 stehen also die Texte im Vordergrund, nicht notgedrungen jedoch die Inhalte: Das Stück „Lisa“ etwa fasziniert eher durch klangvolle Sprachmalerei. „Lisa lüstert lakonische Lyrik“, singt Schüritz mit ihrer charmant dunkelvollen Stimme, und „leidige Laken“ lastert Lisa später unter anderem auch noch in diesem beschwingten Chanson zu Improvisationen von Winfried Völlger am Saxofon.

Freilich ist Schüritz viel zu sehr Musikerin, als dass ihre Konzentration auf die Texte auf Kosten der Melodien ginge. Klanglich ist Felix Kaduks Jazz-Kontrabass der wichtigste Widerpart zum gern kräftigen, hin und wieder jedoch sehr zarten Gesang. Eine wunderbar melancholische Note gibt gleichsam Clara Kaduks Posaune vielen Liedern. Den Blues „Überm Dächerwald“ bereichert Toni Fehse mit einem Trompetensolo. Die Grundstimmung der Platte ist eher leise als laut, eher nachdenklich als ungestüm, eher traurig als fröhlich.

Maria Schüritz hat die Aufnahme mit 3200 Euro aus einem Crowdfunding finanziert. Ein knappes Drittel der Unterstützer sicherte sich als Gegenleistung ein Ticket zum Release-Konzert. Doch trotz der Online-Affinität sind die „Lieder aus dem Kopfkino“ zu groß fürs Smartphone-Streaming. Wie die Teile eines Puzzles bilden sie vielmehr in Anmutung und Dramaturgie ein Album alter Schule, das aus richtigen Lautsprechern von vorne bis hinten gehört werden will. Gern auch in Endlosschleife.

Maria Schüritz & Die Cineasten, davor Selma Russ, Freitag, 20 Uhr, Laden auf Zeit (Kohlgartenstraße 51), Eintritt 10/8 Euro

Von Mathias Wöbking

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