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Kultur Quartett für einen Abend: Leipziger und Berliner Jazzer improvisieren A-ha und Joy Division
Nachrichten Kultur Quartett für einen Abend: Leipziger und Berliner Jazzer improvisieren A-ha und Joy Division
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10:52 03.11.2015
Beseelte Emotionalität: Tobias Christl, Robert Lucaciu, Philipp Scholz und Kalle Kalima (von links) beim Jazzclub-Konzert am Montag in der Nato. Quelle: André Kempner
Leipzig

Schlagzeuger Philipp Scholz gibt zu, aufgeregt gewesen zu sein an diesem Montagmorgen. Das muss auch so sein, wenn ein Abenteuer der Improvisation bevorsteht. Seine mit Kontrabassist Robert Lucaciu initiierte und vom Jazzclub Leipzig und der Nato unterstützte „Reihe 2“ ist zwar eine Institution inzwischen, doch genau weiß man nie, was passieren wird. Als grandioses Duo des jungen Leipziger Jazz laden beide sich Geistesverwandte ein, mit denen sie zusammenspielen. Dies nun war bereits der sechste Streich.

Sänger Tobias Christl hat vor sich auf einem Tisch sein Elektronik-Equipment aufgebaut, daneben legt sich Gitarrist Kalle Kalima sein Pedalarsenal zu Füßen. Beide sind Protagonisten eines immer noch jungen, gar nicht so leicht aus­rechenbaren Berliner Jazz. Christl hat für sich das Prinzip Wildern erfunden, mit dem er durchs weite Revier der Popmusik streunt, um Songs zu finden, die er mit seinen Vokalkünsten bis zur Wiedererkennbarkeit verfremden kann, auch der teutonische Finne Kalima hat ein Faible für Rock, den er gerne ins Vertrackte schelmt. Weil ein Sänger mit solchen Ambitionen einen Gitarristen braucht, wird er sich genau als der Richtige erweisen. Scholz und Lucaciu als fester Grund mit zugeneigter Elastizität sind es sowieso. Also wird ein neues Quartett geboren.

Kalima gibt seinem Affen Zucker

Am Beginn fremdelt man vor und auf der Bühne vielleicht noch ein wenig mit den in Denkerpose und Finger am Kehlkopf hindekonstruierten Songzerlegungen und wünscht sich ein Trio nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, doch wird sich das ändern, je länger, je lieber. Zum Beispiel, weil bald an der Seufzhymne „Love Will Tear Us Apart“ von Joy Division das Verfahren nicht nur klarer wird, sondern seine beseelte Emotionalität entwickelt. Immer wieder darf auch Kalima seinem Affen Zucker geben. In sein Gesicht steht geschrieben, wie gern er das tut vor einem so felsenfest die Nuancen jonglierenden Duo wie Scholz/Lucaciu. Dann lässt er seine Gitarrenschwaden abheben, legt verstärkte Flächen, spielt griffige Chorusse, gewinnt seinen, wie er sagt, „lebenslangen Kampf Mensch gegen Maschine“, dahinter drängen und dräuen Schlagzeug und Bass. Und wenn Christl dann da hinein seine schließlich doch wiedererkennbare Version von A-has 80er-Jahre-Überhit „Take On Me“ seufzt, deklamiert, faucht, schnalzt, gurrt und singt, ist nicht nur das Verfahren plausibel, sondern griffig, und der Zuhörer hat sich dieses Eigene als seins angeeignet.

Nicht erst nach der Pause hat man sich freigespielt im Abenteuerareal. „Reihe 2? Nein, Reihe 1!“, denkt man, lauscht verzückt der Anverwandlung von Tom Waits’ „Anywhere I Lay My Head“ und folgt gern auch in freiere Felder. Christl setzt seine Effekte nicht als Hascherei, Lucaciu übernimmt mit einem feinen Solo in unorthodoxer Spieltechnik, Kalima bringt die Saiten zum Glühen und Scholz ist sowieso allpräsent. Orthodox ist hier nichts, das macht es aus und zu etwas Größerem. Eine nächste Generation erzählt die Geschichten anders, langer Beifall, Zugabe und entspannte Gesichter nach dieser spannenden Musik.

Von Ulrich Steinmetzger

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