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Radu Mihaileanu auf den Spuren der Shoah

Kino Radu Mihaileanu auf den Spuren der Shoah

So traurig wie verschlungen: In der Romanverfilmung „Die Geschichte der Liebe“ (Kinostart: 20. Juli) folgt der rumänisch-französische Regisseur der Geschichte eines Buches. Ein vermeintlicher Freund betrügt einen Schriftsteller darin um seinen Ruhm und seine Liebe.

Als die Liebe noch ganz einfach war: Léo (Mark Rendall) und seine Nachbarin Alma (Gemma Arterton) begegnen sich.

Quelle: Foto: Prokino

Hannover. Der Zugang zu dieser Geschichte ist zweifellos ungewöhnlich: Nicht eine einzelne Hauptfigur, sondern ein verschollenes Buch steht im Zentrum von Radu Mihaileanus Kinodrama „Die Geschichte der Liebe“. Über dieses Buch sind die verschiedenen Charaktere verbunden – auch wenn Jahrzehnte zwischen den Figuren liegen und sie sich erst spät begegnen.

Auf der Suche nach einem Autor und einer Romanfigur

Léo Gursky (Derek Jacobi) hat das Buch in jungen Jahren für seine große Liebe Alma (Gemma Arterton) geschrieben. Sie musste sich aus dem polnischen Schtetl nach New York in Sicherheit bringen, als die Nazis ins Land einmarschierten. Die Arbeit an dem Roman und die Liebe zu Alma gaben dem jungen Mann die Kraft, den Horror von Judenverfolgung und Krieg zu überleben. Das fertige Manuskript gab Léo einem vermeintlichen Freund mit – doch der brachte es nicht zu Alma nach New York, sondern veröffentlichte es in Chile unter seinem eigenen Namen.

Ein Exemplar des Buches landete wiederum Jahrzehnte später in den Händen von Charlotte Singer (Torri Higginson) und ihrem Mann, die ihre Tochter den Namen der Romanheldin Alma gaben. Mittlerweile ist diese Alma eine junge Frau und kann die endlosen Schwärmereien ihrer Mutter für das Buch und die darin geschilderte Liebesgeschichte nicht mehr hören. Aber dann macht sie sich in New York doch auf die Suche nach der Alma des Romans und auch nach dessen Verfasser, während Léo in derselben Stadt als verbitterter alter Mann gegen die verfluchte Einsamkeit und die drängenden Gespenster der Vergangenheit kämpft.

Regisseur Mihaileanu hat Zugang zu jüdischer Erzählkultur

Schon in der Deportations-Komödie „Zug des Lebens“ (1998) hat der rumänisch-französische Regisseur Radu Mihaileanu bewiesen, dass er einen ebenso vitalen wie sensiblen Zugang zu jüdischer Erzählkultur und den traumatischen Erinnerungen an die Shoah findet. Mit Nicole Kraus’ 2005 erschienenem Roman „Die Geschichte der Liebe“ hat sich der französische Regisseur rumänisch-jüdischer Herkunft nun allerdings einen ziemlich schwer zu bändigenden Stoff vorgenommen. Auch wenn Mihaileanu die wild wuchernde, fein verästelte Vorlage beherzt beschnitten und vereinfacht hat, lässt sich die Fabulierlust, mit der Krauss literarisch zu Werke geht, eben doch nur bedingt auf die Leinwand übertragen.

Der Regisseur tut sein Bestes mit frei fliegenden Kamerafahrten in die idealisierte Kindheitserinnerung, die durch den Holocaust mit brachialer Gewalt abgeschnitten wurde, mit einem leidenschaftlichen Musik-Score, den er über die verschachtelten Erzählebenen legt, und mit einem dynamischen Schnitt, der die Charaktere miteinander verbindet, lange bevor sie im Plot tatsächlich zueinander finden.

Der angestrebte narrative Rauschzustand stellt sich nicht ein

Aber der mit viel cineastischer Energie befeuerte Sog der Erzählung wird doch immer wieder ausgebremst. Die Handlungselemente aus der Vorkriegszeit sowie den Jahren 1946, 1957, 1995 und 2006 purzeln durcheinander. Der vom Regisseur angestrebte narrative Rauschzustand will sich in diesem Fall einfach nicht so recht herstellen lassen. Die fehlende Fokussierung und die Zerfaserung im Anekdotischen war schon in Krauss’ Roman ein Problem und schlägt im Leinwand-Format erst so richtig durch. Und so liefert der Regisseur zwar eine kleine Sammlung von großen Kinomomenten, doch scheitert er letztlich an der selbst gestellten Herkules-Aufgabe.

Von Martin Schwickert / RND

New York 40.7127837 -74.0059413
New York
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