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Kultur Raffaels „schönste Frau der Welt“ wird 500 - Dresden feiert Sixtinische Madonna
Nachrichten Kultur Raffaels „schönste Frau der Welt“ wird 500 - Dresden feiert Sixtinische Madonna
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10:26 26.12.2011
Raffaels «Sixtinische Madonna» in Dresden. Quelle: dpa
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Dresden

Weltberühmt wurde es erst, nachdem es Sachsens Kurfürst und Polen-König August III. 1754 erworben und über die Alpen nach Dresden hatte bringen lassen. Die Madonna, in der Raffael die „schönste Frau der Welt“ auf Leinwand bannen wollte, war für ihn aber nur zweite Wahl.

„Der Ankauf der „Madonna di Foligno“ zuvor war gescheitert“, sagt der Konservator für italienische Malerei der Gemäldegalerie Alte Meister, Andreas Henning. Raffael, damals erster Maler am päpstlichen Hof, hatte den Auftrag für die „Sixtinische Madonna“ 1512 von Papst Julius II. erhalten.

„Aber erst in Dresden und vor allem durch die Romantiker erlangte sie Berühmtheit“, sagt Henning, der gerade die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Kunstwerkes erforscht. Mit einer großen Sonderausstellung (26. Mai bis 26. August) feiern die Staatlichen Kunstsammlungen 2012 Raffaels Kultbild unter dem Titel „Die schönste Frau der Welt wird 500“.

Geplant sind auch Vorträge, ein Katalog und Veranstaltungen rund um eines der berühmtesten Gemälde der Welt. „Wir erzählen, wie die Sixtina zum Mythos wurde“, sagt Kurator Henning. „Wir hinterfragen, was uns das Bild bedeutet, ob man sie mal gesehen haben muss oder ob dahinter eine Bedeutung steht.“

Rund 140 Objekte, darunter Leihgaben aus den bedeutendsten Museen der Welt, sollen Auskunft geben über jahrelange Ankaufsverhandlungen, die Wahrnehmung des Bildes, seine Vervielfältigung und Verfälschung - von der Reproduktionsgrafik bis zu Alltagsprodukten, sagt Galeriedirektor Bernhard Maaz.

Der erste Kupferstich der „Sixtina“ wurde 1780 angefertigt, im 19. Jahrhundert drängten sich die Kopisten vor ihr. Damals stand sie noch in einem eigenen Saal als Solitär wie auf einem Altar. Seit 1955 ist der Weg zu ihr wie in einer Kirche.

Von der Rotunde links die Treppe hinunter fällt der erste Blick durch die drei Italiener-Säle auf die berühmten, am unteren Bildrand lümmelnden Engel. „Je weiter man hinuntersteigt, offenbart sich das ganze Bild“, sagt Henning. „Der Vorhang geht auf, und die geistige Welt erscheint vor den Augen jeden Betrachters, seit 500 Jahren.“

Auf diese Weise fasziniert sie Schüler und Kunstexperten, Dresdner und Touristen, Präsidenten und gekrönte Häupter. „Seit sie nach Dresden gekommen ist, hat sie Bewunderer gefunden“, sagt der frühere Galeriedirektor Harald Marx.

Für Goethe war sie „der Mütter Urbild, Königin der Frauen, ein Wunderpinsel hat sie ausgedrückt“, für Hebbel „die höchste des Himmels“ und das Bild für Ibsen „eine ganze volle Künstlerwelt“. Dostojewski, der nach Erinnerungen seiner Frau sogar auf einen Stuhl gestiegen ist, um sie ohne Brille genau betrachten zu können, zeigte sich auch enttäuscht: „Das waren die alten Leute, die dieses Bild in Ruf gebracht haben“, schrieb er.

„In der Sixtinischen Madonna stoßen Augenblick und Ewigkeit zusammen“, sagt Marx. „Man hat das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben - und doch ist alles in Bewegung: der Mantel und das Tuch der Madonna.“ Das Bild insgesamt erhebe sich über jede zeitliche Begrenztheit.

Sein Nachfolger Maaz hofft, dass die Ausstellung dazu beträgt, die beiden populären Engel vom unteren Bildrand in der Wahrnehmung wieder mit der Sixtina zu verbinden. Die Figuren, die Raffael zuletzt malte und die 1805 erstmals ausgekoppelt dargestellt wurden, machten separat eine Weltkarriere - zwischen Kunst und Kitsch.

Sie hängen beim Berliner Edel-Italiener in Öl an der Wand und werben auf Souvenirs für Museen in Florenz und Rom, zieren Seifendosen, Body-Lotion und sogar Klopapier. Dabei gehören sie zur „Sixtinischen Madonna“, dem deutschen Raffael, sagt Maaz. „Wenn man an die Renaissance denkt, hat man sie vor sich.“

Die einzige große Altartafel von Raffael in Deutschland stehe in einer Reihe mit da Vincis „Mona Lisa“ in Paris, der „Geburt der Venus“ von Botticelli in Florenz und dem Fresko von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom. „Sie ist aber nur hier zu sehen und reist nicht“, sagt Maaz. Alle Begehrlichkeiten für eine Leihgabe selbst aus ihrer alten Heimat Piacenza wurden abgewehrt, erzählt sein Vorgänger Marx. „Es gibt Heiligtümer, die sollte man nicht durch die Welt schicken.“

Simona Block, dpa

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