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Rainald Grebes Indianer-Show mit Hula Hoop

Rainald Grebes Indianer-Show mit Hula Hoop

Zunächst ist das kurzweilige Tohuwabohu der kommenden zwei Stunden nicht zur ahnen. Auf der Bühne des Centraltheaters in Leipzig stehen fünf kleine Tische; jeweils mit Stehlampe, Mikrofon und Holzstuhl.

Leipzig. Es sieht aus wie in einem Gerichts- oder Lese-Saal. Dann kommen fünf Schauspieler in Alltagskleidung und mit dicken Ordnern, pusten den Staub von den Tischen - und die „Karl- May-Festspiele Leipzig“ unter der Regie des Kabarettisten Rainald Grebe beginnen.

Die fünf Mimen begeistern das Publikum mit einer abwechslungsreichen szenischen Lesung von „Winnetou I“ - und Grebe selbst erscheint irgendwann mit großem Gepolter als Showmaster mit grauem Haartoupet und Schnauzbart auf der Bühne. Am Ende wurden alle Beteiligten der Uraufführung am Mittwoch heftig umjubelt.

„Karl May ist der meistgelesene Schriftsteller in der deutschen Sprache. Vor Goethe und Hape Kerkeling. Von Herta Müller möchte ich gar nicht sprechen“, berichtet Grebe als schnell sprechender Entertainer den überwiegend um die 30 Jahre alten Zuschauern. Dann kommen seine Eltern zu Wort - in einem Video. Sie tragen indianische Tracht. Der Vater schwärmt von den Indianern und Karl May.

Grebe berichtet mit seinen typisch weit aufgerissenen Augen, er habe jahrelang gedacht, sein Vater sei May. „Er stand immer mit der Silberbüchse in der Küche!“ Seine Mutter sagt: „Ich habe mich durch einen halben Karl May gequält, aber dann hab ich’s aufgegeben. Es war zu langweilig.“

Alles andere als langweilig ist die szenische Lesung, in der vor allem Anita Vulesica - als einzige Frau auf der Bühne - brilliert. Erst ist sie am Tisch sitzend ein forscher Indianer mit tiefer Stimme, dann die liebreizende augenklimpernde Schwester Winnetous. Dann schnappt sie das Mikro und singt herzergreifend und technisch perfekt Paula Coles „Where have all the Cowboys gone“. Old Shatterhand (Manuel Harder) und Winnetou (Martin Brauer) haben die Zuschauer auf ihrer Seite, als sie sich auf der Bühne innig umarmen und küssen; und Winnetous Schwester zusehen muss, wie ihr der Bruder den Liebsten wegschnappt.

Auf der Leinwand zeigt Grebe kleine Originalfilme über die Indianerszene in der DDR einst und heute. „Der Wilde Westen ist tot, und der wilde Osten ist Vergangenheit“, sagt Grebe während seines Film-Vortrags. Zwischendurch darf ein anderer Hobby-Indianer auf einem echten Pferd auf die Bühne reiten und mit ernster Miene einen Tanz mit großen Hula-Hoop-Reifen aufführen.

Vor dem großen Showdown zwischen einem Goldgräber und den Apachen auf einem riesigen Papp-Berg wird die humoreske Stimmung im Theater kurz unterbrochen: Anita Vulesica steht vor einem Foto der Berge, in denen die berühmten Winnetou-Filme gedreht wurden. „Das ist meine Heimat. Kroatien. Mein Großvater war Statist bei Winnetou... Das ist aber auch der Originalschauplatz vom Balkankrieg.“ Sie zählt die Namen der Klassenkameraden auf, die sie in jenem Krieg verlor. Und berichtet, dass die Kulisse für die Indianerfilme in der Realität noch immer vermint ist.

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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