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Ramazzotti und Slivovice mit Schuss Ouzo

Sommertheater Ramazzotti und Slivovice mit Schuss Ouzo

Im Innenhof des Grassi-Museums haben die Schauspiel-Studierenden der Hochschule für Musik und Theater am Donnerstag die diesjährige Sommertheater-Premiere gefeiert. Auf dem Programm: Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ – mit viel Lässigkeit und Spiellust.

Wehe, wenn sie losgelassen! Leipziger Schauspielstudierende im Innenhof des Grassi-Museums.
 

Quelle: Rolf Arnold

Leipzig.  Manchmal kann das alles so einfach, unmittelbar, vital und lustvoll, kurz: so spielerisch sein mit dem Theater. Und das interessanterweise meist dann, wenn es frei ist von Deutungsballast und Aktualitäts-Klimbim. Wenn das Medium, die Kunstform seine „Relevanz“ aus sich selbst schöpft; seiner selbst und seiner Wirkung gewiss. Am Donnerstag ließ sich das mal wieder gut beobachten, im Innenhof des Grassi-Museums, wo die diesjährige Sommerinszenierung mit Schauspiel-Studierenden der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ihre Premiere hatte. Auf dem Programm: Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ (Regie: Alexander Gamnitzer).

Ein Stück, das sicher nicht zu den Meisterwerken Shakespeares gehört. Aber was heißt das schon? Nichts! Der Mann ist auch dort noch der Größte, wo er nicht auf der Höhe seiner Könnerschaft ist. „Viel Lärm um nichts“ ist lässig, schnoddrig, ausgesprochen gern albern, Role Model für noch jede anständige Screwball-Komödie und dabei ganz und gar wie aus lockerer Hand geschüttelt. Genauso hat es Gamnitzer auch inszeniert.

Das eigentlich auf Sizilien spielende Kuddelmuddel um Liebe, Hiebe und Intrige, ist hier in irgendeine Balkanenklave verfrachtet, die freilich, ganz wie Shakespeares Italien, eine reinster Fantasie ist. Weshalb auch völlig in Ordnung geht, dass das Personal seine italienisierenden Namen trägt, während es gern und live dampfend-stampfende Balkan-Gypsy-Musik bietet. Was die Inszenierung gewissermaßen zu einem XXL-Cocktail aus Ramazzotti und Slivovice macht – und auf einen irgendwie auch so wirken lässt. Dass dazu auf der Bühne auch noch die berühmten Handwerker aus dem Wald vor Athen ihr „Pyramus und Thisbe“ proben, ist da nur noch der (um im Bild zu bleiben) satte Schuss Ouzo im Mix, der einen endgültig herrlich schwindlig macht.

Zitate wie Böller

Ohnehin fügen sich eine Unzahl Referenzen in diese Inszenierung, wenn aus verschiedensten Stücken Shakespeares zahllose Zitate wie Böller ins „Viel Lärm“-Geschehen reinknallen und darin aufblitzen. Was nicht nur ein großer Spaß, sondern auch ein hübsches Feuerwerk für den vor 400 Jahren gestorbenen unsterblichen Barden ist.

Gut, dass da auch die Bühne ganz den „elisabethanischen“ Stil pflegt. Hinten steht ein Holzkiosk, daneben hochaufragend der Schriftzug „H.Restaurant Imperial“. Mehr ist nicht. So einfach, so leer. Auf den ersten Blick. Nur, dass sich bald immer wieder hier und da raffiniert Falltüren öffnen – die dann auch einiges an hübschen Überraschungen bieten (Bühne: Thomas Weinhold).

Und die sich zugleich schnell wieder schließen lassen, weil doch Handlung wie Schauspieler hier echt raumgreifend sind. Platz brauchen auch für ein paar hinreißende Tanzeinlagen (Choreografie: Silvia Zygouris), in denen es im wahrsten Sinne drunter und drüber geht. Wie nach ein paar einschlägigen Cocktails zu viel. Wankend, wogend, wirbelnd. Und gern mal mit dem Charme gelegentlicher Holprigkeiten.

Vitale Spiellust

Die sich fraglos auch im Schauspielerischen finden. Zumal anfänglich strauchelt der Rhythmus beim Darsteller­ensemble gehörig, kommt man etwas schwer in Gang. Aber Wehe, wenn sie losgelassen! Wenn der Rhythmus gefunden ist und die Handlung, wirr und absurd genug, auch das Überkandidelte zu legitimieren, die Spieler zu tragen beginnt.

Denn ja: Auch dieser Shakespeare-Stoff gibt dem Affen eben Zucker; das heißt, dem Schauspieler was zu spielen. Und selbst, wenn auch hier der Text in seiner Bearbeitung tendenziell wieder mal zubereitet wurde wie die Schlachteplatte vom Metzger – das Ensemble stürzt sich so beherzt und lustvoll darauf, dass es nicht nur ein Vergnügen ist, dem zuzusehen, sondern man den Akteuren zugleich wünscht, dass ihnen dieser Hunger in ihrem Schauspielerinnen- und Schauspielerleben nie vergehen möge. Es ist – bei allem, was hier an qualitativen Defiziten zu kritisieren wäre – nicht zuletzt diese einfache, unmittelbare, vitale Spiellust, die einnimmt und überzeugt. Und das auch, weil sie einen spüren lässt, wie oft man das im Theater doch inzwischen vermisst.

„Viel Lärm um nichts“, bis 15. Juli täglich 20 Uhr, Ausnahmen: 4. und 10. Juli spielfrei, 6. und 7. Juli Beginn 18 Uhr (wegen der Fußball-EM), Grassi-Innenhof (Johannisplatz 5-11), Restkarten für 15/7,50 Euro an der Abendkasse jeweils ab 18.30 Uhr (6./7. Juli ab 17 Uhr)

Von Steffen Georgi

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