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Raymond Ley findet im Dokudrama "Meine Tochter Anne Frank" neue Perspektiven

Raymond Ley findet im Dokudrama "Meine Tochter Anne Frank" neue Perspektiven

Die weltberühmte Geschichte von Anne Frank ist dank eines Bühnenstücks, diverser Spielfilme und verschiedener Dokumentationen derart hinlänglich bekannt, dass eine weitere Verfilmung eigentlich unnötig erscheint.

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Anne Frank ist durch ihr Tagebuch weltbekannt geworden.

Quelle: dpa

Allerdings sind die Initiativen zu den bisherigen Adaptionen des in siebzig Sprachen übersetzten Tagebuchs nie von deutschen Produzenten ausgegangen. Der ARD-Film „Meine Tochter Anne Frank“ geht insofern neue Wege.

Auch das Drehbuch von Hannah und Raymond Ley kann die Geschichte des Mädchens naturgemäß nicht neu erfinden, schildert sie aber aus einem ungewohnten Blickwinkel: Anne Frank bleibt selbstverständlich Erzählerin und somit zentrale Figur der Handlung, doch ihr Vater nimmt ungleich mehr Raum ein als in den anderen Filmen. Auf diese Weise kann auch das Nachkriegsgeschehen berücksichtigt werden, denn Otto Frank, eindrücklich von Götz Schubert verkörpert, ist der Einzige aus der Familie, der die Deportation in ein Vernichtungslager überlebt hat. Die eigentliche Spielhandlung beginnt mit Franks Rückkehr aus Auschwitz nach Amsterdam im August 1945. Er besucht das Versteck, das sich die Franks über zwei Jahre lang mit vier weiteren Personen geteilt haben, und erinnert sich, wie seine lebhafte Tochter ihr Zimmer umgehend mit Fotos von Filmstars dekoriert hat.

Mit einem einfachen, aber brillanten Effekt sorgt Ley dafür, dass die beiden Zeitebenen miteinander verschmelzen: Vater Frank steht vor der Wand, tritt einen Schritt zurück, seine Tochter kommt ins Bild und klebt die Fotos auf eine Glaswand vor der Kamera. Verquickung von Spielszenen und zeitgenössischem Material: Das können andere auch. Bei Ley dagegen sind die Szenen im Versteck dank Darstellern wie André Hennicke oder Harald Schrott weit mehr als bloß eine Illustration der Tagebucheintragungen. All das macht „Meine Tochter Anne Frank“ zu einem wichtigen und herausragenden Film.

Zum Fernsehereignis aber wird das Werk durch die Hauptdarstellerin: Die praktisch unbekannte Mala Emde, vor Jahren für die Frankfurter „Krimi.de“-Beiträge des HR entdeckt und zur Zeit des Anne-Frank-Castings Abiturientin, gibt der jungen Frau ein Gesicht, das gleichzeitig bekannt wirkt und doch aufregend neu ist. Die ebenso markanten wie attraktiven Gesichtszüge passen perfekt zu einem selbstbewussten Teenager, der seinem Alter weit voraus ist und aufgrund seiner Schlagfertigkeit immer wieder Krach mit den Erwachsenen kriegt – sogar mit dem verehrten Vater. Neben seiner politischen Relevanz macht gerade dies das Tagebuch und somit auch den Filmstoff zeitlos: Anne ist sicher kein Mädchen wie jedes andere; aber jedes Mädchen kann es nachvollziehen, wenn sie von ihren Probleme mit ihrer Mutter berichtet.

Abgerundet wird das Dokudrama durch Interviews mit Menschen, die Anne kannten, vor allem Schulfreundinnen. Da die Spielszenen größtenteils der Zeit im Versteck gelten, wirkt ein Ausflug ins Jahr 1962 wie ein Exkurs: Ein Journalist (Axel Milberg) besucht den Mann, der Anne 1944 verhaftet hat; auf diese Weise kann Ley die Perspektive wechseln und die Verhaftung aus Sicht dieses Polizisten zeigen. Natürlich ist „Meine Tochter Anne Frank“ letztlich tieftraurig. Trotzdem ist der Film erstaunlich kurzweilig, die neunzig Minuten verfliegen im Nu. Dem Vater zuzusehen, wie er dem nachspürt, was vom Kind geblieben ist, ist tief berührend.

"Meine Tochter Anne Frank", ARD, Dokudrama mit Mala Emde, Dienstag 20.15 Uhr

Tillmann P. Gangloff

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